"Pflegenotstand droht"

NEUMARKT. Der Pflegenotstand ist auch in Neumarkt angekommen, hieß es bei einer Informationsveranstaltung der Freien Wähler.

Beim Bürgergespräch in der Hasenheide konnte der UPW-Vorsitzende Bernhard Lehmeier wieder zahlreiche Mitglieder und Gäste begrüßen. Thema der Stunde war der allgegenwärtige Pflegenotstand in Deutschland. Auch die Stadt und der Landkreis Neumarkt blieben davon nicht verschont. Mehrere Pflegeheime in Neumarkt könnten vorgesehene Planstellen nicht besetzen, mit gravierenden Folgen: es blieben Zimmer in den Heimen unbesetzt und könnten nicht an Pflegebedürftige vergeben werden.

Der Referent Dr. Ekkehard Geist vom Klinikum Neumarkt ging nach einem kurzen geschichtlichen Rückblick auf die Situation des Neumarkter Klinikums ein.


„Die Ankündigung des Gesundheitsministers, 13.000 neue Stellen für Pflegekräfte zu schaffen ist nur ein Tropfen auf dem heißen Stein“, sagte Geist, der auch Mitglied im Neumarkter Stadtrat ist. Die Gründe für einen Fachkräftemangel in Gesundheit und Pflege seien vielfältig. Sie reichten über teils ungenügende Vergütungen über zahlreiche unbezahlte Überstunden bis hin zum mangelnden Anerkenntnis für diese Berufsgruppe. Auch die zunehmende Bürokratie und Digitalisierungswut machten es Ärzten und Pflegepersonal schwer.

„Die Krankenpflegerinnen und Krankenpfleger erlernen diesen Beruf, um in Kontakt mit Menschen zu treten und diese in ihrer Situation zu unterstützen“, so Geist weiter. Dies sei nach den gesetzlichen Vorgaben aber so gut wie unmöglich. Für einen Patienten seien nur wenige Minuten Zeit vorgesehen.

Auch den Kommunen vor Ort seien oft die Hände gebunden. So könnten zwar Landräte und Bürgermeister einen Sicherstellungszuschlag für ihr Klinikum beantragen, jedoch nur in Höhe eines Bruchteils der notwendigen Kosten.

Ein großes Problem sei auch die Akademisierung. Viele junge Leute wollten den Beruf der Krankenpflege erlernen, strebten danach aber eine Karriere im Gesundheits- und Pflegemanagement an. „Die Politik hält nur Schaufensterreden, ein wirklich sinnvolles Konzept fehlt, obwohl das Problem seit Jahren bekannt ist“, sagte Geist.

Im Anschluss fand eine rege Diskussion in der Versammlung statt. Unter anderem wurde die Idee angesprochen, ein Budget für pflegende Angehörige zu statuieren. „Ziel muss es sein, den Familien zu ermöglichen, ihre Pflegebedürftigen daheim in ihrem gewohnten Umfeld betreuen zu können, ohne dabei persönliche Einbußen zu erleiden“, sagte auch Stadtrat Lehmeier.

Viele der Anwesenden berichteten von ihren persönlichen Erfahrungen. Einigkeit bestand darüber, dass dieses Thema von der Politik stärker in den Fokus genommen werden muss und vor allem endlich praktische Lösungen für die Betroffenen gefunden werden müssen.

Die stationäre und die ambulante Versorgung sei aber derzeit im Landkreis Neumarkt gesichert. In den vergangenen Jahren wurde soviel wie nie zuvor in die Gesundheitsvorsorge investiert, hieß es.
06.06.18
Neumarkt: "Pflegenotstand droht"

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ISSN 1614-2853
17. Jahrgang
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