„Kunstwerk des Monats“


Der Evangelist Matthäus in einer mittelalterlichen Schreibstube. Darstellung im Flügelaltar in der Kirche St. Wolfgang bei Velburg
Foto: Franz Kastner/pde
NEUMARKT. Ein Flügelaltar in der Kirche St. Wolfgang bei Velburg wurde jetzt „Kunstwerk des Monats“ des Domschatz- und Diözesanmuseums in Eichstätt.

Mit der Reihe sollen in der Öffentlichkeit bisher wenig bekannte Objekte von besonderer künstlerischer oder historischer Bedeutung vorgestellt werden.

Zu sehen ist in St. Wolfgang der Evangelist Matthäus in einer mittelalterlichen Schreibstube.

Der Flügelaltar in der Kirche biete mit seinen Bildern der vier Evangelisten eine anschauliche Darstellung über Ausstattung und Arbeit in mittelalterlichen Schreibwerkstätten, hieß es. Die detailreichen Gemälde seien kulturhistorische Dokumente von unschätzbarem Wert, sagte Dr. Emanuel Braun, der Leiter des Eichstätter Diözesanmuseums: „Weil unsere Kenntnisse darüber fast nur auf schriftlichen Quellen beruhen, sind solche Bildquellen für die Geschichtsforschung so wichtig“.


Der Altar und seine Malereien werden in die Zeit um 1490 bis 1500 datiert. Besonders eindrucksvoll – so Emanuel Braun – ist dabei die Darstellung des Evangelisten Matthäus, die einen aufschlussreichen Blick in eine spätmittelalterliche Schreibstube ermöglicht. Die Stube wird bestimmt durch zwei spätgotische Möbelstücke: ein Wandschrank enthält eine Vorrichtung zum Händewaschen. Das Gerät dürfte aus Blech gefertigt sein. Seitlich am Schrank ist eine Stange befestigt, an der ein schmales Handtuch hängt.

Das andere Möbel ist ein Schreibpult. Es verfügt über einen Baldachin und ein kleines Regal mit Utensilien. Die schräge Schreibfläche ist mit einer weichen Unterlage versehen, an der Rückwand mit einer Schnur befestigt steht das aufgeschlagene Buch, das dem Schreiber als Vorlage dient. Seitlich sind kleine Näpfe mit verschiedenen Farbtinten sowie eine Schere zu erkennen, im Unterbau befindet sich eine weitere Ablage für Bücher.

Der Schreiber ist als Mönch dargestellt, der in einem Lehnstuhl sitzt und eine rote Ordenstracht mit Umhang und Haube trägt. Konzentriert spitzt er sein Schreibwerkzeug, den Kiel einer Gänsefeder, mit einem Messer an. Dass die Ikonographie des Bildes den Evangelisten Matthäus meint, verraten der Bildzusammenhang der Altarflügel und der Engel, der sich auf die Stuhllehne stützt und den Schreiber beobachtet.

Der Flügelaltar im spätgotischen, gewölbten Chor der Wolfgangskirche ist nicht mehr in seiner originalen Form aufgestellt. Auf der ursprünglich nicht zugehörigen gemalten Predella sind die Apostel mit Christus dargestellt. Im zentralen Schrein erscheint die Figur des Patrons, des Heiligen Wolfgang, umgeben von den Heiligen Willibald und Sebastian.

Der Heilige Wolfgang, einer der Patrone des Bistums Regensburg, wurde im späten Mittelalter sehr verehrt. Die wichtigste Pilgerstätte war damals Sankt Wolfgang am Abersee (heute: Wolfgangsee), für die Michael Pacher einen seiner berühmten Schnitzaltäre fertigte. Man kann annehmen, dass Velburg an einem der Pilgerwege nach Oberösterreich lag, hieß es. An wichtigen Etappenstationen errichtete man für die Pilger Wolfgangskirchen.

Genau in die Blütezeit der Wallfahrt fällt die Erbauung der Kirche bei Velburg im Jahr 1467. Sie ist eine weithin sichtbare, spätgotische Saalkirche mit mächtigem Turm im Westen. 1757 wurde der Kirchenraum modernisiert: Das Langhaus erhielt eine Flachdecke mit Fresken von Johann Georg Hämmerl. Die spätgotischen Altäre blieben erhalten.
pde
06.05.19
Neumarkt: „Kunstwerk des Monats“
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