„Totem Winkel“ den Kampf angesagt


In Neumarkt wurden die ersten Stadtbusse mit Abbiege-Assistent eingeweiht
Foto: Sedlatschek
NEUMARKT. Die Neumarkter Stadtwerke haben zwei fabrikneue MAN-Niederflurbusse in der Fahrzeugflotte. Das Besondere: es sind die ersten beiden Linienbusse, die mit hochmodernen Abbiege-Assistenten ausgestattet sind.

Die Stadtwerke Neumarkt zählen damit zu den wenigen Nahverkehrsanbietern in Deutschland, die bereits über diese moderne Technologie verfügen. Die Warnsysteme schlagen immer dann Alarm, wenn sich Verkehrsteilnehmer im sogenannten „Toten Winkel“ befinden; also in dem Bereich rechts vom Fahrzeug, den die Fahrer trotz Spiegel nicht einsehen können.

Pfarrer Joseph Dantas und Pfarrer Michael Murner segneten die Fahrzeuge feierlich unter den Augen von Oberbürgermeister Thomas Thumann, Stadtwerke-Chef Dominique Kinzkofer und stellvertretendem Dienststellenleiter Jörg Degenkolb von der Neumarkter Polizei am Neumarkter Busbahnhof.

„Fußgänger, Radfahrer und Kinder gehören zu den verletzlichsten Teilnehmern des Straßenverkehrs“, sagte Oberbürgermeister Thomas Thumann. Mit den Abbiegeassistenten sorge der Stadtbus dafür, dass sich diese Gruppe auf Neumarkts Straßen künftig deutlich sicherer bewegen könne.


Weit verbreitet sind Totwinkel-Warner im Öffentlichen Nahverkehr noch nicht. Das liegt vor allem daran, dass die Technik für Busse noch relativ neu ist. Die Stadtwerke Neumarkt werden die beiden Fahrzeuge mit Abbiegeassistenten ab sofort im Linienverkehr einsetzen. Bewährt sich das System, rüstet das lokale Unternehmen bis Februar 2020 acht weitere Stadtbusse nach.

Die Stadtwerke haben schon im Frühjahr dieses Jahres beschlossen, in die Totwinkelwarner zu investieren. Vor wenigen Tagen hat das Bundesfinanzministerium dann bekanntgegeben, dass es die Anschaffung des ÖPNV-Unternehmens mit einer Summe von 15.000 Euro unterstützen wird. „Das freut uns natürlich“, sagte Stadtwerke-Geschäftsführer Dominique Kinzkofer. Gerade im Stadtverkehr hätten es die Busfahrer oft mit unübersichtlichen Situationen zu tun. Der Warner gäbe nicht nur den anderen Verkehrsteilnehmern, sondern auch den Fahrern mehr Sicherheit.

Ausgestattet sind die beiden neuen Stadtbusse mit kamerabasierten Abbiegeassistenten – ein System, das selbstständig kritische Verkehrssituationen erkennt. Außen über der Bustür ist eine Kamera befestigt, die einen 2,50 Meter langen und sechs Meter breiten Bereich auf der rechten Fahrzeugseite überwacht – den toten Winkel. Jedes Mal, wenn der Busfahrer beim Rechtsabbiegen den Blinker setzt, springt im Fahrerhäuschen automatisch ein Bildschirm an, auf dem das Kamerabild zu sehen ist. Tritt nun eine Person in den Gefahrenbereich, sendet die sogenannte „Detection Box“ ein Signal auf den Bildschirm, der sich sofort von Grün auf Rot verfärbt. Gleichzeitig ertönt ein Alarmsignal, um den Fahrer auch akustisch auf die Gefahrensituation aufmerksam zu machen.

„Der tote Winkel bringt Radfahrer und Fußgänger auch in Neumarkt regelmäßig in lebensgefährliche Situationen“, sagte Jörg Degenkolb als Sprecher der Neumarkter Polizei. Darum begrüße man jede Maßnahme, die dabei hilft, das Risiko für die Verkehrsteilnehmer zu verringern.

Der Stadtbus und die Neumarkter Polizei leisten übrigens auch an anderer Stelle Präventionsarbeit für mehr Sicherheit im örtlichen Busverkehr. mehrmals im Jahr veranstalten sie praktisch angelegte Verkehrssicherheitstrainings. Dabei wird vor allem Schulkindern die Gefahr des toten Winkels bewusst gemacht.
19.11.19
Neumarkt: „Totem Winkel“ den Kampf angesagt
Telefon Redaktion


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