Gedenken an Zwangsarbeiter


Die Gedenktafel im Neumarkter „Wasag-Park“ wurde offiziell übergeben

NEUMARKT. Mit einer Gedenktafel im Neumarkter „Wasag-Park“ soll an die Opfer von Zwangsarbeit in der NS-Zeit erinnert werden.

Mit dem gewählten Standort entlang des Schlosserhügels will man dem Schicksal von insgesamt über 120.000 Menschen gedenken, die das Durchgangslager für aus ihrer Heimat verschleppte Zwangsarbeiter an der heutigen Wolfsteinstraße in Neumarkt durchliefen.

Bei der offiziellen Einweihung und Übergabe der Tafel durch Schüler des Willibald-Gluck-Gymnasiums an die Stadt Neumarkt sprachen auch Oberbürgermeister Thomas Thumann und Landrat Willibald Gailler.

„Formen des Erinnerns an Zwangsarbeiter/innen - in Neumarkt am Beispiel des WASAG-Geländes in Neumarkt i.d.OPf.“ lautete der Titel des P-Seminars am Willibald-Gluck-Gymnasium. In eineinhalb Jahren widmeten sich zwölf Schüler unter der Leitung von Studiendirektor Dr. Thomas J. Kraus der Informationsbeschaffung und Formen des Erinnerns an Zwangsarbeiter als Opfer des nationalsozialistischen Regimes. Dies geschah während des Seminars auf inhaltlicher Ebene mit Hilfe von Petra Henseler vom Stadtmuseum und Dr. Frank Präger vom Stadtarchiv. Rechercheergebnisse wurden auch von weiteren Stellen eingeholt, zum Beispiel dem International Tracing Service in Arolsen.


Für das P-Seminar begrüßte Florian Thumann die Anwesenden und sprach die Hoffnung aus, dass möglichst viele Spaziergänger an der Gedenktafel vorbeikommen und so die Schicksale der verschleppten Zwangsarbeiter wieder gegenwärtig und damit dem Vergessen entrissen würden.

OB Thomas Thumann und Landrat Willibald Gailler sprachen über die unschätzbare Bedeutung, die Erinnerungsarbeit im Zusammenhang mit der Zeit des Nationalsozialismus, auch wenn sie schmerzhaft sei, gerade in unseren Tagen habe. Beide bedankten sich für das Engagement der jungen Menschen. Gerade derzeit sei es extrem wichtig, im Angesicht der schwindenden Anzahl von Zeitzeugen und des Erstarkens von rechtsextremistischen und menschenverachtenden Aussagen, die Unmenschlichkeit des Zwangsarbeitssystems nicht zu vergessen.

Für das Gymnasium sprach Studiendirektor Reinhard Krois davon, dass es der Schule ein großes Anliegen sei, solche Projekte zu unterstützen und die Initiative auch weiterhin für derartige Aufarbeitungen zu ergreifen. Letztlich könne man sehr stolz auf die P-Seminaristen sein, die sich einem emotional nicht einfachen Thema stellten.

Man wollte „einen Ort des Gedenkens und einen Moment des Innehaltens schaffen“, sagte Q12-Schüler Luca Enderlein.

Der Integrationsbeauftragte der Stadt Neumarkt, Rainer Hortolani, dankte ebenfalls für das Projekt, das den Einwohnern die Bedeutung und auch die Geschichte des WASAG-Parks vor Augen führen solle. Dabei erinnerte er an den bewegenden Besuch von slowenischen Angehörigen ehemaliger Zwangsarbeiter, an dem das Seminar im vergangenen Jahr teilnehmen durfte.

Das dabei gespendete Geld der Besuchergruppe wurde ebenso in die Finanzierung der Gedenktafel gesteckt wie die Erlöse eines Crowdfundings. Der Scheck über 1535 Euro wurde von der Raiffeisenbank um 500 Euro aufgestockt.

„Wir gedenken der Menschen, die hier ihrer Heimat entrissen wurden und der vielen Gefangenen, die hier in Neumarkt ihr Leben lassen mussten“, steht neben einem Lageplan der ehemaligen Sprengstofffabrik auch in englischer Sprache auf der Tafel.

Der zweite Teil des „Erinnerns“ des P-Seminars, eine Ausstellung über Zwangsarbeit und deren Strukturen in Neumarkt, wird am Willibald-Gluck-Gymnasium Lehrkräften, Klassen und Kursen vorgestellt und anschließend für weitere Kreise von Interessierten zugänglich und auch buchbar sein.
21.02.20
Neumarkt: Gedenken an Zwangsarbeiter

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