Moratorium angeregt


Kritik gibt es an den umstrittenen Planungen eines dreispurigen Ausbaus der B 299. Unser Bild zeigt die Straße südlich von Neumarkt
Foto: Archiv/ Bauamt
NEUMARKT. Der Bund Naturschutz hält in einem Offenen Brief an OB Thomas Thumann an der Kritik am geplanten Ausbau der B299 rund um Neumarkt fest.

Die Diskussion um den Klimawandel habe den Individualverkehr auf den Prüfstand gebracht und fordere völlig neue Lösungen, heißt es in der Erwiderung auf eine Stellungnahme Thumanns. Der Stadtrat müsse „völlig neu diskutieren und entscheiden“.

Auf die in neumarktonline veröffentlichte Stellungnahme des Oberbürgermeisters hat sich bereits die Bürgerinitiative in Stauf mit einem Offenen Brief zu Wort gemeldet. Jetzt legt der Bund Naturschutz nach. Am sinnvollsten wäre quasi als „Denkaufschub“ ein „fünfjähriges Moratorium“.

Alfons Greiner von der Ortsgruppe Neumarkt warf vor allem Vertretern der Straßenbaubehörden - ausdrücklich nicht aus dem Neumarkter Rathaus - „grenzwertiges Benehmen“ vor, wenn sie nachfragende Bürger „ziemlich rüde“ angegangen wären und signalisiert hätten, es sei „sowieso schon alles entschieden“ Sie hätten „ziemlich unmissverständlich klargestellt, dass die Bürger sowieso nicht durchblicken würden. Die Behördenvertreter wüssten schon, was sie zu tun haben“.


Die einen Bürger würden von den Behörden „einfach nicht gehört“ und die anderen wolle man mit Enteignungsdrohungen einschüchtern. „Diese Zeiten sollten wir eigentlich hinter uns haben“, schreibt Greiner.

Es sei nicht verwunderlich, dass viele Menschen ziemlich sauer reagieren auf die geplanten Baumaßnahmen, heißt es in dem Offenen Brief, den wir hier leicht gekürzt im Wortlaut veröffentlichen:

Über die „mediale Mitteilung“ kann man unterschiedlicher Meinung sein. Ich kenne aber viele, die gewaltig auf diese Planung schimpfen, aber nie einen Leserbrief schreiben würden. Also können Sie die geschriebene Ablehnung schon mal vervielfachen.

Der Gesamtausbauplan hat offensichtlich im Stadtrat in der Vergangenheit auch nie die Darstellung erfahren, die er auf Grund seiner Stärke an Veränderung bekommen muss. Also sind die Bürger zu loben, die das Problem in die Öffentlichkeit gebracht haben. Wir können in der Stadt nicht über neue, nachhaltige Verkehrskonzepte diskutieren, es dann aber zulassen, dass die alten, überkommenen Strukturen für Rückschritt sorgen.

Sie erwähnen die Ortsumgehung von Mühlhausen: dieses Teilstück hat in aller Deutlichkeit gezeigt, in welchen Gigantismus Planungen ausufern können, wenn sie nicht demokratisch kontrolliert werden. Auch der Bund Naturschutz hat die Ortsumgehung von Mühlhausen befürwortet, aber sowohl wir als auch sehr viele Bürger waren entsetzt über die Rücksichtslosigkeit, mit der die Umsetzung passierte.

Wer eine solche Planung gut heißt, nimmt in Kauf, dass der Versuch, die Flächenversiegelung in den Griff zu bekommen, zu einer weitgehenden Lahmlegung kommunaler und staatlicher Planung führen wird. Nur wenn der Bürger sieht, dass sich die verantwortlichen staatlichen Organe verantwortungsvoll bei der Umsetzung der Planung verhalten, wird er weiteren Projekten gegenüber offen bleiben.

Sie erwähnen die Einmündung des Kurt-Romstöck-Rings beim Autohaus Kölbl. Sie ist immer noch nicht fertig und bis vor kurzem war auch nicht erkennbar, was sich die Planer dabei gedacht haben. Damit einher geht natürlich, dass seit nunmehr vielen Monaten die OBI-Kreuzung teilweise gesperrt ist. Dadurch wird Woffenbach verstärkt belastet. Warum konnte diese Maßnahme nicht im Herbst 2019 qualifiziert beendet werden?

Die kombinierte Fußgänger- und Fahrradbrücke in Pölling soll bald in Angriff genommen werden. Damit werden diese Verkehrsteilnehmer zusammen mit den Rollstuhlfahrern und Menschen, die auf Gehhilfen angewiesen sind, schlichtweg zu Menschen zweiter Klasse abgestempelt! Es ist schlichtweg ungehörig und menschenverachtend, denen eine sechs Meter hohe Brücke – mehr als zwei Stockwerke – zuzumuten. Anstatt die Ortsteile – hier Pölling – besser an das Zentrum heranzuführen, wird es für viele unerreichbar werden. Dabei wäre eine Anbindung problemlos ebenerdig möglich. Welche Einkaufmöglichkeiten gibt es noch in Pölling? Muss dann alles per PKW besorgt werden? Mit Nachhaltigkeit hat das aus unserer Sicht nichts mehr zu tun.

Sie schreiben von einer Beschleunigung auf dem Ring, um den Durchgangsverkehr zu verringern! Ich habe in den letzten zwei Jahren eine Reihe von Gesprächen mit Stadträten der verschiedenen Fraktionen geführt und von deren Seite kam einhellig die Aussage, dass der Durchgangsverkehr inzwischen den Ring voll angenommen hätte. Oder sollte damit nur kaschiert werden, dass es der Stadt nicht gelinge, von der Amberger Straße bis zum Kurt-Romstöck-Ring eine Grüne Welle einzurichten?

Wie alt sind die Zählungen der „über 25000 Fahrzeuge pro Tag“? Und wie viel Prozent sind wirklich noch Durchgangsverkehr?

Nach allen bisher gehörten Aussagen ist der Ring in seiner jetzigen Form nicht überlastet und da ich ihn freizeitbedingt selbst öfters an den geplanten Brückenstellen überquere, muss ich feststellen, dass von einer starken Belastung nicht die Rede sein kann. Jedenfalls spricht nichts für einen derart Geld verschlingenden Ausbau.

Und eine weitere Beschleunigung des Rings verbietet sich allein schon aus Rücksicht auf die Anwohner von Stauf und Woffenbach und das gilt in der Zukunft auch für Pölling und Holzheim. Neue Wohngebiete in den Ortsteilen Stauf und Woffenbach sind in der Nähe der Umgehung in Planung, da kann nicht gleichzeitig ein massiver Ausbau diskutiert werden.

Insgesamt bleibt festzustellen, dass die jetzige Planung nicht ausreichend durchdacht ist und es daher am sinnvollsten wäre, angesichts der Corona-Pandemie das hier verplante Geld dort einzusetzen, wo es kurzfristig dringend gebraucht wird und das Vorhaben „Ausbau der B299“ mit einem fünfjährigen Moratorium, einem Denkaufschub zu belegen.

Fazit: Auch wenn Sie für einen Stopp morgen Prügel bekommen sollten, spätestens ab übermorgen wird Ihre Weitsicht gelobt werden.

Wir bitten Sie um zeitnahe Beantwortung der im Brief gestellten Fragen.

22.04.20
Neumarkt: Moratorium angeregt

Telefon Redaktion


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