Änderungen nicht beabsichtigt ?

NEUMARKT. Trotz Diskussion mit den Gegnern des geplanten B299-Ausbau sei nicht beabsichtigt, „an den Grundzügen der Planung noch etwas zu ändern“.

Der grüne Verkehrsreferent im Neumarkter Stadtrat Olaf Böttcher schreibt in einer Stellungnahme, diese Aussage des Regensburger Bauamtes habe ihn bei der Diskussion zwischen Landrat, Neumarkter OB und Bauamt mit den Mitgliedern der Bürgerinitiative (wir berichteten) ernüchtert.


Wir veröffentlichen Böttchers Stellungnahme im Wortlaut:

Im Gegensatz zu Landrat Willibald Gailler und Oberbürgermeister Thomas Thumann halte ich den dreispurigen Ausbau der B299 um Neumarkt nicht für unabdingbar für die weitere positive Entwicklung des Landkreises und der anliegenden Kommunen. Anders als es ein vom Staatlichen Bauamt Regensburg beauftragtes Gutachten vorhersagt, habe ich erhebliche Zweifel daran, dass es weiterhin ein ungebremstes Verkehrswachstum auf der B299 geben wird. Denn ein beginnender Wandel im Verkehrssystem ist auch im Landkreis Neumarkt erkennbar.

Ich habe in den vergangenen Tagen und Wochen wahrgenommen: Bei einem Besuch diskutiert der bayerische Finanzminister Albert Füracker (CSU) mit dem Gemeinderat von Sengenthal unter anderem über einen möglichen S-Bahn-Anschluss. Mit Rückenwind von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU), der eine Verlagerung von mehr Schwerverkehr auf die Schiene propagiert, werden in Gesprächen zwischen Landratsamt, Bahn und der Firma Bögl die Möglichkeiten für ein zusätzliches Rangiergleis im Neumarkter Bahnhof ausgelotet. Denn die Firma Bögl hat schon jetzt einen Großteil ihrer Schwerlasttransporte auf die Schiene verlegt. Immer mehr Gemeinden im Landkreis Neumarkt setzen auf flexible ÖPNV-Angebote wie Anrufsammeltaxis oder eine Vernetzung durch Rufbussysteme. Das passt zum Trend in der jüngeren Generation, die den Besitz eines eigenen Autos zu großen Teilen längst nicht mehr für zwingend notwendig hält.

Außerdem ist die B299 in Ihrem jetzigen Zustand zu keinem Zeitpunkt überlastet. Die letzte noch vorhandene Ampelanlage wird gerade durch den Bau einer Brücke für den querenden Rad- und Fußgängerverkehr bei Pölling überflüssig gemacht. Eine weitere Verflüssigung des Verkehrs auf der Bundesstraße durch überdimensionierte Ausbaumaßnahmen muss also gar nicht erfolgen.

Deshalb sehe ich die Besprechung vom 10.09.2020 zwischen Vertretern von Landratsamt, Stadtverwaltung sowie dem Staatlichen Bauamt Regensburg mit den Bürgerinitiativen aus Woffenbach und Stauf über alternative Lösungsansätze grundsätzlich positiv. Ernüchtert hat mich allerdings, dass gleich zu Beginn des Gesprächs Herr Schneider, Bereichsleiter Straßenbau beim Staatlichen Bauamt, betont hat, dass nicht beabsichtigt ist an den Grundzügen der Planung noch etwas zu ändern. Weder der dreispurige Ausbau noch der Abriss und Neubau der Staufer Brücke seien noch in Frage zu stellen.

Verbesserungen für die Sicherheit der an verschiedenen Stellen querenden oder einbiegenden lokalen Verkehre lassen sich auch unabhängig vom dreispurigen Ausbau mit wesentlich weniger Flächen- und Ressourcenverbrauch realisieren. Auch für eine Entlastung der Anwohner in den anliegenden Ortsteilen von Lärm und Durchgangsverkehr ist eine Dreispurigkeit der B299 nicht zwingend erforderlich.

Ich wünsche mir deshalb eine ehrliche und ergebnisoffene Diskussion über das Projekt ohne bereits vorher feststehende Vorgaben. Denn lediglich eine besser ausgebaute Abkürzung für den überregionalen Durchgangsverkehr von Amberg über Neumarkt nach Ingolstadt zu schaffen, kann nicht im Sinne der Neumarkter Bevölkerung sein. Veränderungen können in verschiedene Richtungen gelenkt werden. Dias Setzen auf immer mehr und größere Straßen mit immer mehr motoriisertem Individualverkehr erweist sich immer mehr als Sackgasse und ist vor dem Hintergrund des bereits stattfindenden Klimawandels nicht zukunftsfähig.

13.09.20
Neumarkt: Änderungen nicht beabsichtigt ?
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