Namensänderung angeregt


Der Pöllinger Bürgertreff - wie soll er einmal heißen ?
Foto: Florian Basel
NEUMARKT. Das „Haus des Engagements“ - ein im Neumarkter Rathaus ersonnener Name für den künftigen Pöllinger Bürgertreff - wackelt gewaltig.

Die außerhalb von Stadtratssitzungen praktisch nicht benutzte Bezeichnung soll einem Namen weichen, mit dem sich die Einwohner und Vereine vor Ort identifizieren können, heißt es von der CSU, die nun eine öffentliche Namensfindung vorschlägt.

Das millionenschwere Projekt eines Bürgerhauses im Neumarkter Stadtteil Pölling stand schon im Mittelpunkt der Oberbürgermeister-Wahlen im Jahr 2017. Und schon damals war allen klar, daß eine Verwirklichung der Pläne Begehrlichkeiten in anderen großen Stadtteilen wecken wird. Um das Grummeln etwa abzudämpfen wurde man nach der Genehmigung im Neumarkter Rathaus nicht müde darauf hinzuweisen, daß die vermeintliche Pöllinger Extrawurst natürlich allen Neumarkter Bürgern zur Verfügung stehe.

Ein erster Vorschlag

NEUMARKT. In der Redaktion von neumarktonline, wo der Begriff „Haus des Engagements“ übrigens auch soweit wie möglich gemieden wird, ist man vom Vorschlag der CSU begeistert.

Allerdings ist eine Umfrage unnötig, da wir einen vielleicht etwas sperrigen, aber möglicherweise ultimativen Namensvorschlag haben, in dem sogar „Pölling“ vorkommt:

„Haus der Woffenbacher, die gern nach Pölling gehen“

Gern geschehen.
wm
Und weil - Nomen est omen - der Name besonders wichtig ist dachte man sich im Rathaus für das Pöllinger Bürgerhaus eine neue Projekt-Bezeichnung aus (wir berichteten), die möglichst vergessen lassen sollte, daß das Haus eben doch in Pölling gebaut wird. Mit dem etwas an den Haaren herbeigezogenen Hinweis auf den gerade verliehenen Titel „engagierte Stadt“ kam dabei „Haus des Engagements“ heraus - ein Name, der eher zum Augenverdrehen animierte und seitdem hartnäckig von nahezu allen Neumarktern außerhalb des Rathauses und des Stadtrats stillschweigend boykottiert wurde.

Bei der CSU-Fraktion im Neumarkter Stadtrat drückt man sich freilich weitaus diplomatischer aus: damit das Projekt auch die Pöllinger auf einer „ersten Zielebene“ ansprechen könne brauche es die Identifikation der Einwohner und Vereine vor Ort – und die sehe man bei der CSU „derzeit mehr als gefährdet“.


Gerade die Einwohner und Vereine Pöllings müßten sich mit dem neuen Bürgertreff im Herzen ihres Stadtteils identifizieren können – „zum Beispiel durch eine Beteiligung an der Namensfindung“, sagte Fraktionsvorsitzender Marco Gmelch. Er beeilte sich dabei klarzustellen, daß die CSU selbstredend der Errichtung eines Bürgertreffs in Pölling „insgesamt sehr positiv“ gegenüberstehe. Und natürlich sollten die Räume von Bürgern „aus Pölling, aus dem gesamten Stadtgebiet Neumarkts sowie aus der umliegenden Region“ genutzt werden.

Aber der gewählte Projekt-Name „Haus des Engagements“ werde „besonders von den Pöllingern“ als „sehr abstrakter und wenig griffiger Fremdkörper ohne konkreten Bezug zum Standort empfunden“, sagte der Pöllinger Stadtrat Richard Graf, der 2017 als CSU-Kandidat gegen den amtierenden OB antrat.

Grund dafür sei die „fehlende Einbindung der Bewohner und Vereine des Stadtteils in den Prozess der Namensfindung“, hieß es von der CSU. Deshalb sollten über einen öffentlichen Aufruf Vorschläge für den künftigen Namen des Bürgertreffs gesammelt werden. Dabei schafft die CSU dann auch noch den Spagat, daß neben den Pöllingern selbstverständlich alle Neumarkter mitmachen dürfen.

Unterstützt wird eine Bürgerbeteiligung zur Namensfindung auch von Bürgermeister Markus Ochsenkühn. Schließlich habe gerade das Beispiel „Ganzjahresbad“ und der damit verbundene öffentliche Prozess der Namensfindung für ein künftiges „Schloßbad“ gezeigt, wie wirksam eine breite Bürger-Beteiligung an der Namenssuche sein könne. Die Bürger würden so die Möglichkeit erhalten, „sich von Beginn an mit dem Bauvorhaben auseinanderzusetzen, mitzudiskutieren und sich in der Folge nachhaltig mit dem Projekt zu identifizieren“.

Fraktionsvorsitzender Gmelch hat sogar noch einen Kronzeugen, der für eine Umbenennung taugen soll: Oberbürgermeister Thomas Thumann habe in einem Videoclip der Stadt die Zuschauer zwar im „Haus des Engagements“ begrüßt, sich aber dann mit den Worten „Bis bald im Pöllinger Bürgertreff“ verabschiedet. „Anscheinend ist sich die Stadt beim Namen also selbst noch unsicher“, sagte Gmelch.
01.04.21
Neumarkt: Namensänderung angeregt
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