Weniger Pferde

NEUMARKT. "Nur" rund 15.000 Besucher und auch deutlich weniger Pferde als in den Vorjahren waren am Mittwoch zum Berchinger Roßmarkt gekommen.

Wegen der schlechten Witterungsverhältnisse im Ostbayerischen Raum hätten viele Pferdebesitzer im letzten Moment ihr Kommen abgesagt, bedauerte ein Sprecher der Stadt. Etwa 90 - nach anderen Angaben 70 oder auch 120 - Pferde waren aufgetrieben worden - deutlich weniger jedenfalls als die erwarteten 150 Tiere. Gekommen war aber der Chef der Bayerischen Staatskanzlei, Staatsminister Eberhard Sinner, der vor rund 15.000 Besuchern vor allem landwirtschaftliche Themen ansprach. Natürlich war auch die lokale Polit-Prominenz vollzählig beim "größen Wintervolksfest Bayerns" erschienen

"Ersatz-Redner" Sinner - in Berching hatte man Bundesminister Seehofer eingeladen, der aber aus Termingründen absagte - schmeichelte zuerst den Berchingern: "Hier im geschichtsträchtigen Kleinod Berching und hier beim Rossmarkt spürt jeder, was Bayern insgesamt ausmacht: In Bayern gehen Fortschritt und Tradition Hand in Hand". "Jeder Stein, jede Mauer und jeder der 13 stolzen Türme" atme hier eine Geschichte von 1.100 Jahren. Zugleich schaffe ein moderner Mittelstand Perspektiven und Zukunft.

Der "gelernte Förster" Sinner ging auf die Bedeutung der Landwirtschaft in Bayern ein, die weit über die Produktion sicherer und gesunder Lebensmittel hinausgehe: "Unsere Landwirte sichern Arbeitsplätze, sorgen für die flächendeckende Pflege und Wahrung unserer Kulturlandschaft. Sie sind ein Pfeiler für die soziale Stabilität unserer Heimat".

Die Agrarwirtschaft sei ein zukunfsfähiger Wirtschaftszweig und einer der dynamischsten Sektoren unserer Volkswirtschaft: Die Produktivität der bayerischen Landwirtschaft habe sich seit dem Jahr 1990 verdoppelt. Ernährte ein bayerischer Landwirt im Jahr 1950 etwa 15 Menschen, so seien es heute 120.

"Wir in Bayern fördern den Ökolandbau", sagte Sinner und verwies dabei auf das nahe Klostergut Plankstetten, das schon seit 1994 ein Vorbild für ökologischen Landbau sei. Zugleich lehne man aber das "ideologische und praxisferne Schlechtmachen der konventionellen Landwirtschaft" ab. Hier liege der entscheidende Unterschied zu Rot-Grün: "Die Künast-Schubladen 'Öko' = 'gut' und 'konventionell' = 'schlecht' sind durch die Fakten in keiner Weise gedeckt". Mit ihrer Polemik habe Künast die Landwirtschaft und die Verbraucher gespalten.

Die Nachwachsenden Rohstoffe würden schon heute für viele Betriebe ein zusätzliches Einkommen bieten. "Wärme und Strom aus Stall, Feld und Wald haben Zukunft", sagte Sinner. Bayern habe als erstes Land und lange vor der Bundesregierung diesen innovativen Sektor massiv vorangetrieben. Er habe erfahren, dass auch hier in der Region die Förderung nachwachsender Energieträger groß geschrieben werde. Sinner nannte hier das Hackschnitzelheizwerk und Pflanzenölprojekte mit dem Maschinenring Sulz-Altmühl.

Zum Thema "Fleischskandal" kündigte der Chef der Staatskanzlei konsequentes Vorgehen an. Schlagzeilen über "Gammelfleisch" würden in Bayern "besonders weh" tun. "Wir wollen eine lückenlose und rasche Aufklärung für die Gesundheit der Menschen und für den guten Ruf unserer Ernährungswirtschaft". In Bayern gehe Gesundheit, Verbraucherschutz und Qualität vor schnellem Profit. Dafür würden die Staatsregierung, die Kontrollbehörden und die Justiz stehen. Die Menschen könnten sicher sein: "Gegen skrupellose Machenschaften wird mit aller Härte vorgegangen!"

Auf die Agrarpolitik auf Bundesebene eingehend nannte Sinner "die Abwahl von Schröder und Künast eine Bauernbefreiung!"

Mit dem "Hin und Her" in der europäischen Agrarpolitik habe die neue Bundesregierung sofort Schluss gemacht. Das sei ein Zeichen des Vertrauens und der Planungssicherheit. Man sage damit der Öffentlichkeit und den Bauern ganz klar: Landwirtschaftliche Direktzahlungen seien ein gerechtes Entgelt für wichtige Leistungen, "die unsere Bauern jeden Tag für unser Land erbringen". Allerdings dürfe die Politik auch keine falschen Hoffnungen wecken. Der Strukturwandel werde auch in der Landwirtschaft weiter gehen, allein schon aufgrund des technischen Fortschritts.

Fotos: Live-Webcam Sparkasse, Archiv
08.02.06
Neumarkt: Weniger Pferde
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