Zwölf Tote, 522 Verletzte


Inspektionsleiter Helmut Lukas deutet auf Neumarkt, dem "Zentrum der Verkehrsunfälle mit Fahrerflucht": 180 "schwarze Schafe" machten sich hier aus dem Staub, ohne sich um den angerichteten Schaden zu kümmern. Links von ihm Polizeihauptkommissar Josef Schmid, der die Verkehrsstatistik 2005 erläuterte, mit Fachleuten, denen die Sicherheit im Straßenverkehr am Herzen liegt.
Foto: Erich Zwick
NEUMARKT. "Jeder Tote, jeder Verletzte ist einer zu viel." Dieser Satz kann gar nicht oft genug ausgesprochen werden und so nahm ihn Erster Polizeihauptkommissar Helmut Lukas am Freitag erneut in den Mund, um die Verkehrsstatistik der Polizeiinspektion Neumarkt mit einem eindringlichen Appell abzurunden.

In der Tat: Zwölf Tote in einem Jahr sind ein Dutzend zu viel, und 522 Verletzte, davon 89 mit möglicherweise bleibenden gesundheitlichen Schäden, sind eine schlimme Bilanz. Den Opfern ist es wenig Trost, dass es schon Jahre gab, in denen es noch gravierender gekommen ist. Bei den Toten war das Jahr 2001 mit 17 Opfern; bei den Verletzten das Folgejahr 2002 mit 702 Betroffenen noch grausamer.

Im Beisein von Persönlichkeiten, die sich der Sicherheit im Straßenverkehr verschrieben haben - ADAC, Fahrlehrer, Straßenverkehrsbehörde, um nur einige zu nennen - legte Polizeihauptkommissar Josef Schmid die detaillierte Unfallbilanz für 2005 vor.

Besonders erschreckend: Von den zwölf Unfalltoten sind drei unter Alkohol- und zwei unter Drogeneinwirkung verstorben. Besonders tragisch jener Unfall vom 17. April vergangenen Jahres in Freystadt, bei dem ein Drogenabhängiger in einer Linkskurve von der Fahrbahn abkam und seine beiden Beifahrer, ein 23-jähriger Mann und seine gleichaltrige Begleiterin, zu Tode kamen. Nicht minder spektakulär jener Unfall, bei dem am 15. Dezember 05 ein 61-Jähriger in Pyrbaum einen sturzbetrunken auf der Fahrbahn liegenden 40-Jährigen mit seinem Pkw überrollte und tödlich verletzte.

Da mag eine Zahl bei all dem Leid tröstlich stimmen: 53mal konnte die Polizei Trunkenheitsfahrten verhindern. Wer weiß, was da noch alles hätte passieren können, wenn den Autofahrern nicht der Zündschlüssel weggenommen worden wäre (den sie im nüchternen Zustand mit erhobenem Zeigefinger wieder zurückerhalten haben). Als Teil dieser Prävention will Dienststellenleiter Lukas auch die Laser-Einsatzstunden seiner Beamten verstanden wissen, die mit der Pistole (unblutige) Jagd auf Raser machen. 483 Stunden lang hatten sie die Finger am Abzug; im "Einführungsjahr" 2001 erst 79 Stunden. Damit wollen die Ordnungshüter die Fahrweise disziplinieren und somit Raser-Unfälle verhindern.

Trotz der vier Verkehrstoten, die in Freystadt zu beklagen waren, will die Neumarkter Polizeiführung nicht von einem "Unfallschwerpunkt" sprechen. Allenfalls sei die Kreuzung bei der Lammsbrauerei in Neumarkt ein neuralgischer Punkt, bei dem Vorfahrtverletzungen die Unfallauslöser seien.

Bei einem traurigen Kapitel ist allerdings Neumarkt "Spitze": bei den Unfallfluchten mit 180 Fällen von insgesamt 299 im gesamten Inspektionsbereich. Die Aufklärungsquote liegt mit 35 Prozent erschreckend niedrig. Diese könnte aber nach Meinung von Polizeihauptkommissar Josef Schmid durch ein "besseres Zeugenverhalten" gesteigert werden. Viele, die etwas gesehen haben, würden aus Angst vor Unannehmlichkeiten ihr Wissen für sich behalten und der Polizei wertvolle Tipps vorenthalten.

In diesem Zusammenhang machte Polizeihauptkommissar Lukas auf die "24-Stunden-Regelung" aufmerksam, nach der ein "Parkplatz-Rempler" in dieser Zeit sich noch melden und somit eine Anzeige wegen Unfallflucht abwenden könnte.
Erich Zwick
03.03.06
Neumarkt: Zwölf Tote, 522 Verletzte
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