"Noch mehr Katastrophen"

NEUMARKT. Die Ökologisch-Demokratische Partei (ÖDP) will sich am am Dienstag an der Mahnwache der Grünen zum 20. Jahrestag der Tschernobyl-Katastrophe beteiligen.

Wie bereits berichtet wollen die Grünen am Vorabend des Jahrestages um 20 Uhr aller Opfer des Unglücks gedenken und eine kurze Mahnwache halten. Grünen-Kreissprecher Roland Schlusche wird eine kleine Ansprache halten. Mit "vielen Menschen und vielen Lichtern in der Dunkelheit" wolle man "ein Signal gegen das Vergessen und den Atomwahnsinn" setzten.

Am Mittoch, dem Jahrestag, wollen Mitglieder der Greenpeace-Gruppe Neumarkt von 14.30 bis 18.30 Uhr am Rathausvorplatz an die Opfer des Super-GAUs erinnern (wir berichteten)

Oft werde verschwiegen, dass Tschernobyl nicht die einzige Atomkatastrophe war, schreibt stellvertretender ÖDP-Vorsitzender Josef Neumeyer in der Einladung. Es lägen Informationen vor, nach denen es beispielsweise zur Jahreswende 1957 in Majak bei Tscheljabinsk in Russland zur Explosion von radioaktivem Müll kam. Tausend Menschen hätten so ihr Leben verloren. Auch im Westen sei es zu schweren radioaktiven Unfällen gekommen. „Am 8. Oktober 1959 brannte ein Reaktor im britischen Sellafield, der rund 1000 Todesopfer forderte. Das geht aus britischen Geheimdienstberichten hervor, die inzwischen veröffentlicht wurden“, erläutert der ÖDP-Vorstand.

In Deutschland habe es zum Glück bisher noch keine derartige Katastrophe gegeben, so Neumeyer weiter. Aber auch der Normalbetrieb fordere seine Opfer. Laut offiziellem deutschen Krebsregister würden Kinder im Radius von fünf Kilometer um die Kernkraftwerke um 76 Prozent häufiger an akuter Leukämie erkranken als in vergleichbaren anderen Gebieten.

Neumeyer fordert deshalb den mittelfristigen Ausstieg aus der Atomenergie und rät davon ab, den Forderungen mancher Politiker - wie Stoiber und Glos - nach längeren Laufzeiten der Atomkraftwerke nachzukommen. Die Risiken der Atomkraft dürften nicht weiter klein geredet werden. Wirtschaftliches Denken großer Konzerne würfe nicht zum Leitmotiv der Entscheidungen werden.

Atomkraft sei in Deutschland überhaupt nicht nötig, da die gesamte Leistung der Atomkraftwerke durch vernünftigen Gebrauch und neuere Technik bei elektrischen Geräten eingespart werden könnte, so Neumeyer. Die Umrüstung hierfür koste weniger als ein neues Atomkraftwerk.

Der ÖDP-Politiker warnt auch davor, die Folgen von Tschernobyl "weiter herunterzuspielen". Wollte man der Internationalen Energiebehörde IAEO glauben, so habe die Katastrophe von Tschernobyl lediglich 4.000 Todesopfer gefordert. Aber sogar die russische Akademie der Wissenschaften, die nicht frei von Eigeninteressen sei, schätze die Zahl der Krebstoten auf 93.000.

Das volle Ausmaß der Erkrankungen und Todesfälle werde jedoch erst sichtbar, wenn man alle Strahlenschäden mit einbeziehe, so Neumeyer. Nach Angaben des ukrainischen Gesundheitsministeriums und der Gebietskrankenhäuser von Gomel litten mehrere hunderttausend Menschen an Krankheiten wie z. B. Nervenschäden, die durch die Neutronenbestrahlung hervorgerufen würden, und an einer Immunschwäche, die durch Radioaktivität verursacht werde.

Die ÖDP bat um Unterstützung für zwei Postkartenaktionen an den Bayerischen Ministerpräsidenten Stoiber und an den Vorstitzenden im Rat der EU, z.Zt. Österreichs Bundeskanzler Schüssel.
23.04.06
Neumarkt: "Noch mehr Katastrophen"

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