Gedanken zur Osternacht

Von Dekan Monsignore Richard Distler

Ostern, Auferstehung eines Toten und der Toten, ewiges Leben? Wie soll man sich das überhaupt vorstellen? Viele Menschen heute tun sich schwer mit dem Osterglauben. Man tut sich überhaupt schwer, den Tod ins Leben reinzuholen oder gar daran zu glauben, dass nach dem Tod noch was kommen soll. Weihnachten geht ans Gemüt und ans Herz. Da steht die Geburt eines Kindes im Mittelpunkt. Aber Ostern und das, was die Kirche da feiert, scheint für viele etwas Fremdes zu sein. Da nimmt vielleicht mancher lieber Reißaus in den erwachenden Frühling. Aber ist Ostern wirklich etwas so Fremdes oder gar Unwirkliches? Ist es nicht Realität, eine Wirklichkeit, die manchmal sogar überraschend, ungeplant oder wie ein Schock auf uns zukommen kann, wenn wir eine Todesnachricht übermittelt bekommen?

Aber wie soll man sich das vorstellen, dass es nach dem Tod überhaupt noch etwas geben könnte? "Von den Toten ist doch noch keiner zurückgekehrt", sagt man gern. In Mode gekommen, manchmal auch bei Jugendlichen, ist eher der Gedanke, an eine Art Wiedergeburt zu glauben. Warum sind wir nur einmal auf der Welt? Kann es nicht so sein, dass wir im ewigen Kreislauf der Natur von neuem in einem anderen Lebewesen oder in einem anderen Menschen wieder zur Welt kommen? Also Re-inkarnation – mehrere Wiedergeburten? Ist das nicht auch eine Art ewiges Lebens? Könnte man das vielleicht sogar verbinden mit dem christlichen Glauben an die Auferstehung? Beim Sterben also nur die Tapeten wechseln und in ein anderes Zimmer umziehen?

Solche Vorstellungen sind dem christlichen Glauben völlig fremd. Der Mensch hat nicht bloß einen Leib, den er wie eine überflüssige Hülle abstreifen könnte, nein, er ist Leib. Aus der Sicht des Glaubens ist auch unser Leib von Christus erlöst, nicht nur die Seele. Alles, was der Mensch mit Leib und Seele an Gutem tut, mit Herz und Hingabe, mit Verstand, Liebe und Leidenschaft: Nichts davon ist sinnlos und umsonst: Alles hat Ewigkeitswert. Alles ist für die Auferstehung bestimmt, so wie es im Bekenntnis heißt: "Ich glaube an die Auferstehung des Fleisches!" Fleisch meint hier nicht das Verwesliche, sondern den Menschen in seiner ganzheitlichen und einmaligen Existenz. Das Leben ist eben aus der Sicht des christlichen Glaubens kein Spiel mit verschiedenen Rollen,, das in anderer Form jederzeit wieder neu beginnen könnte wie beim Glauben an die Wiedergeburt, sondern etwas Einmaliges und Unwiederholbares. Das Leben ist nicht auswechselbar, es ist ein Geschenk Gottes und befristet durch den Tod. Papst Johannes Paul II. sagt einmal:"Man kann nicht auf Probe leben, man kann erst recht nicht auf Probe sterben".

Ostern feiern heißt nun: Der ewige Kreislauf des Stirb und Werde ist durchbrochen durch Jesu Tod und Auferstehung. Er ist das Alpha und das Omega, wie es auf jeder Osterkerze steht. Christus hat unserem Leben und der Geschichte der Menschheit ein Ziel und eine Richtung gegeben. Er hat alles auf einen Endpunkt ausgerichtet und der heißt: Gott, bei Gott sein, bei Gott leben, mit Gott ewig leben. Aber wie kommt der christliche Glaube zu diesem Osterbekenntnis? Die Ursache ist Jesus Christus selbst. Wie alle Evangelisten erzählen, geht Jesus hinauf nach Jerusalem, um dort das sogenannte "Pas-cha", also das Osterfest zu feiern. Jesus aber sieht in diesem Pas-cha sein eigenes Leiden, Sterben und Auferstehen. Er weiß, dass er nur durch das Kreuz, also durch das Leiden und den Tod zur Höhe Gottes aufsteigen kann und aufsteigen wird. Doch Jesus möchte diesen Weg nicht allein gehen. Er nimmt da jeden mit, der ihm in die endgültige Erlösung gerne folgen will, so wie er zum Schächer am Kreuz sagt: "Noch heute wirst du mit mir im Paradiese sein!" Wer bereit ist, sich an diesen auferstandenen Christus dranzuhängen, der kann mit ihm in die Höhe Gottes und zum ewigen Leben auferstehen. "Wir befinden uns gleichsam in einer Seilschaft mit Christus. Wer sich in diese Seilschaft mit ihm einfügen lässt", so sagte am vergangenen Palmsonntag Papst Benedikt XVI. beim 25. Weltjugendtag in Rom, "der kommt zum Gipfel, zu Gott, zur Auferstehung und zum ewigen Leben".
03.04.10
Neumarkt: Gedanken zur Osternacht
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