Reliquien aufgelegt


Alterzbischof Braun bei seiner Predigt, im Vordergrund die Willi-
baldsreliquien
NEUMARKT. (pde) – Den Glauben neu zu entdecken gerade in einer Situation, in der die „goldenen Zeiten“ für die Kirche vorbei zu sein scheinen, dazu hat Alterzbischof Karl Braun beim Willibaldsfest in Eichstätt aufgerufen.

Der „Gegenwind des Neuheidentums“ fordere heraus, sich von „Schönwetterchristen“ zu „wetterfesten Gläubigen“ zu wandeln, sagte der emeritierte Bamberger Erzbischof und frühere Bischof von Eichstätt bei dem Festgottesdienst am Sonntag im Dom. Braun vertrat den Eichstätter Bischof Walter Mixa, der nach einem Sturz von der Treppe noch im Krankenhaus liegt (wir berichteten).

Die Kirche im so genannten „christlichen Abendland“ scheine in einer schwierigen Lage: Seelsorger seien enttäuscht, weil die Erträge ihres Wirkens immer dürftiger werden; Eltern seien besorgt, weil die Glaubenserziehung ihrer Kinder scheinbar wenig fruchtet; Kinder und Jugendliche seien traurig über die Gottes- und Kirchenferne ihrer Eltern. Die Kirche selbst bewege sich nach Meinung vieler Christen nur langsam oder überhaupt nicht.

Auch der Eichstätter Diözesanpatron St. Willibald stand vor einer vergleichbar problematischen Situation, als er als Glaubensbote im 8. Jahrhundert in das Gebiet der späteren Diözese Eichstätt kam. Dabei seien ihm drei Verhaltensweisen überlebensnotwendig geworden: der persönliche Glaube, das gemeinschaftliche Miteinander und das Schauen aufs Kreuz.

Die entscheidende Antwort auf die Frage nach der Zukunft der Kirche laute: „Glaubt ihr, dann bleibt ihr!“ Für einen lebendigen Glauben brauche es das Gebet, betonte der Erzbischof: „Alle Visionen und Planungen bleiben tot, wenn ich sprachlos im Glauben geworden bin oder höchstens noch über Gott spreche, aber nicht mehr mit ihm“. Das Beispiel Willibalds zeige auch, dass jeder Christ auf das Miteinander der Gläubigen angewiesen sei: „Wir sind keine Ich-AG, sondern eine bewusst gelebte Gemeinschaft“. So könne der Glaube erfahrbar werden - nicht als Last, sondern als „Möglichkeit gelingenden Lebens“.

Die Zugehörigkeit zur Kirche müsse man heute mit einem Preis bezahlen, der „Mut zum Kreuz“ heiße. Doch gerade im Siegeszeichen des Kreuzes gründe die Hoffnung auf einen neuen Frühling der Kirche, so Erzbischof Braun. Darum bräuchten Christen nicht als „Panikprediger“ aufzutreten, sondern seien Hoffnungsträger und „Zeugen einer begründeten Zuversicht“.

Zum Gottesdienst im Dom begrüßte der frühere Eichstätter Bischof besonders auch Gruppen von Fußwallfahrern aus Buchenhüll, Dollnstein, Möckenlohe, Preith und Walting. Nach dem Gottesdienst ließen sich nach altem Brauch viele Gläubige die Willibaldsreliquien auflegen.
10.07.05
Neumarkt: Reliquien aufgelegt
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