"Neue Denkmuster schaffen"

NEUMARKT. Der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke rief in seiner Predigt während der Jahresschlussandacht im Eichstätter Dom die Gläubigen dazu auf, sich nicht durch Resignation oder Ängste vor der Zukunft quälen zu lassen.

Sie müssten vielmehr verstärkt dafür eintreten, dass neue Denkmuster geschaffen werden, die eine Änderung in Wertesystem und in der Struktur des gesellschaftlichen Zusammenlebens bewirken. Die Christen sollen sich an der Neugestaltung der Welt beteiligen. Gerade angesichts der aktuellen Krisenphänomene sind Christen als "Hoffnung für die Welt" gefragt.

Hanke ging in seinen Ausführungen von der aktuellen Krise des Euroraumes aus. Als Ursache machte er den Lebensstil der westlichen Welt aus, die schlichtweg über ihre Verhältnisse lebt. Der gesellschaftliche Fortschritt sei derzeit mit ständig wachsenden materiellen Bedürfnissen gekoppelt, was zu einem Ressourcenverbrauch führe, der an seine Grenzen angelangt sei.

Der Eichstätter Bischof betonte in seiner Ansprache jedoch, dass es nicht darum gehe, wirtschaftliches Wachstum generell zu verteufeln, oder die Schuld an der Habgier mancher Banker oder der staatlichen Schuldenpolitik zu suchen. Vielmehr müsse es bei einem qualitätvollen Leben um mehr gehen, als um Technik und Wohlstand. Nötig sei eine stärkere Ausdifferenzierung zwischen quantitativem und qualitativem Wachstum. Dazu gehört für Bischof Hanke auch die Fähigkeit, "zu lieben und geliebt zu werden, die Achtung der anderen in der Gruppe zu erfahren, sinnvolle Arbeit beizusteuern und in der Gemeinschaft Zugehörigkeit und Vertrauen zu empfinden."

Bischof Hanke versuchte seine Kritik an der Fixierung auf den wirtschaftlichen Fortschritt an einem Vergleich mit anderen Ländern zu konkretisierten: Wenn die ärmsten Länder und dazu die Schwellenländer westliche Maßstäbe des Lebensstandards zum Ziel ihres Wirtschaftens machen, müsste die Weltwirtschaft fünfzehn Mal so groß sein wie jetzt. "Aber bereits jetzt werden Bodenschätze, besonders das Öl, die Anbauflächen für Nahrungs- und Futtermittel und sonstige Ressourcen knapper und irgendwann ausgereizt und erschöpft sein."

Stattdessen drohe der Menschheit eine ökologische Schieflage, aber auch eine Schieflage des Menschseins an sich: In der Konsumgesellschaft werde der Mensch gedrängt, sich seine Identität über materielle Güter zu suchen, gerade wenn ihm eine tiefere Sinnerfahrung abgehe und er sich nicht mehr an Gott orientiere.
pde
01.01.12
Neumarkt: "Neue Denkmuster schaffen"

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