Gedanken zum Hochfest 6.Januar

Von Monsignore Richard Distler, Dekan

Dass die Kirche Weltkirche ist, das spürt man nicht bloß bei Papstgottesdiensten, sondern besonders auch in dieser Woche vor dem Drei Königs Fest, wenn die Sternsinger unterwegs sind. Als Könige verkleidet versinnbilden sie mit ihrem Stern alle Völker dieser Welt, die wie einst die Weisen aus dem Morgenlande den Weg zur Krippe finden sollen.

In der Tat ist der 6.Januar so etwas wie eine Sternstunde für die ganze Menschheit, wo allen Suchenden und Fragenden dieser Erde im neugeborenen Christkind das Licht der Welt aufleuchtet. Im Matthäusevangelium wird dies besonders betont. Denn da kündet sich schon im Bericht vom "Magierzug aus dem Osten" die kommende Weltkirche an, wenn dort die Sehnsucht dieser sternkundigen heidnischen Männer der Blindheit des Herodes und der Schriftgelehrten gegenübergestellt wird. So stellt dieses Hochfest der Kirche auch den heutigen Menschen vor die Entscheidung: Haben wir noch Sehnsucht nach dem Retter und Erlöser, also Sehnsucht nach dem Christus, Sehnsucht nach Gott, ist er der "Stern unseres Lebens" oder sind wir von Blindheit geschlagen, so dass wir ihn auch heute immer noch nicht erkennen?

Auch die etwas im Dunkel liegenden Ursprünge dieses Fest haben mit der Konfrontation des Christentums mit dem Heidentum zu tun. Im Osten und vor allem im alten Ägypten feierte man am 6. Januar das "Geburtsfest des Gottes Äon", das ist der "Gott der Zeit und der Ewigkeit". Die ägyptisch-gnostische Sekte der Basilidianer übernahm dann zunächst in Alexandrien diesen 6.Januar, feierte da aber die Taufe Jesu im Jordan als seinen "Geburtstag von oben" als seine Geburt als Gottessohn.

Darauf reagierte die frühe Kirche sofort und feierte dann am 6.Januar die irdische Geburt des Messias aus dem Schoß der Jungfrau Maria. Diese Geburt des Gott und Menschen Jesus Christus wird in der Schrift bezeugt durch die Ankunft und Huldigung der Sterndeuter, der Magier aus dem Osten. Die frühe Kirche wollte mit dieser Reaktion auf die heidnische und gnostische Feier des 6. Januar kundtun: Nicht der "Gott Äön" ist der Herr von Zeit und Ewigkeit, sondern das Gotteskind in der Krippe und: Dieses Kind ist zwar "Gott von Gott, Licht vom Lichte und wahrer Gott vom wahren Gott", es ist aber auch Mensch, geboren von einer irdischen Mutter, der Jungfrau Maria. Der genaue Geburtstag Jesu ist eben nicht überliefert.

Die westliche Kirche orientierte sich mehr am Bericht der Geburt Christi im Lukasevangelium. Mit der Festsetzung auf den 25. Dezember wurde im Jahr 336 ein heidnisches Staatsfest verdrängt, wo an diesem Tag die "Geburt des unbesiegten Sonnengottes" gefeiert wurde. Die Kirche wollte damit sagen: Nicht die Sonne, sondern Christus selbst ist die wirkliche Sonne und das wahre Licht der Welt, das jeden Menschen erleuchtet.

Bemerkenswert aber ist, dass sehr bald auch in der westlichen Kirche der 6. Januar gefeiert wurde und umgekehrt, dass auch die östliche Kirche die westliche Tradion vom 25. Dezember als zusätzliches Weihnachtsfest bis heute übernommen hat. So kommt auch in der Feier der beiden Weihnachtsfeste der Geist der einen Weltkirche zum Tragen.
06.01.12
Neumarkt: Gedanken zum Hochfest 6.Januar

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