Schnabel wieder vorne


Jetzt wieder auf Platz 1: Kohlmeisen am Futterhäuschen.
Foto: Karin Glosser
NEUMARKT. Die Kohlmeise hat bei den Wintervögeln klar den Schnabel vorn: im Landkreis wurden 1882 Stück gezählt - fast drei Mal soviel wie im Vorjahr. Das lag allerdings auch an der Rekord-Beteiligung der Vogelfreunde.

Noch nie zählten mehr Menschen mehr Vögel - im Landkreis Neumarkt wie auch in ganz Bayern. Der Landesbund für Vogelschutz freut sich über die große Beteiligung an der "Stunde der Wintervögel". In Bayern beobachteten knapp 23.000 Teilnehmer fast 700.000 Vögel. Damit wurde sogar das bisherige Rekordergebnis von 2011 klar übertroffen. Im Landkreis Neumarkt zählten 296 Vogelfreunde in 207 Gärten insgesamt 11158 Vögel.

Zur Überraschung ist die Kohlmeise Bayerns und Neumarkts Wintervogel 2013. Sie verdrängte auch im Landkreis Neumarkt den Spatz vom 1. Platz. Spektakulär ist die derzeitige Invasion des Seidenschwanzes, die größte seit 2005.

Noch nie haben sich mehr Vogelfreunde an der LBV-Mitmachaktion "Stunde der Wintervögel" beteiligt. Obwohl die Beobachtungsbedingungen durch das regnerische Wetter ähnlich schlecht waren wie im Vorjahr, war der Zuspruch 2013 deutlich stärker. Im achten Jahr der Wintervogelzählung, an der sich seit drei Jahren außerhalb Bayerns auch der NABU beteiligt, übertrafen die diesjährigen Zahlen sogar das bisherige Rekordergebnis aus dem strengen Winter 2011.

Die Kohlmeise, die schon 2011 ganz oben auf den Treppchen gelandet war, eroberte sich dank eines Einflugs von Artgenossen aus nordöstlichen Breiten den 1. Platz vom Spatz (Haussperling) zurück. So zogen diesen Winter große Scharen von vermutlich russischen Kohlmeisen durch Deutschland, die an den Futterhäuschen Station machten.

Noch landete der Haussperling zwar auf dem 2. Platz, er scheint aber zunehmend dem Feldsperling weichen zu müssen. Im Gegensatz zum bundesweiten Trend wird dieser in Bayern, ganz besonders in Niederbayern, immer häufiger beobachtet und ist auch vermehrt an Futterhäuschen zu sehen. Wie vielen anderen Feldvögeln fehlt den Feldsperlingen in der intensiv genutzten Agrarlandschaft immer mehr die Nahrungsgrundlage.

Besonders spektakuläre Beobachtungen bot den bayerischen Vogelfreunden dieses Jahr der Einflug des Seidenschwanzes. Der Wintergast aus Sibirien ist ein so genannter Invasionsvogel und kommt nur alle sieben bis zehn Jahre in größeren Scharen nach Bayern. Wurden letztes Jahre gerade einmal 96 Exemplare im ganzen Freistaat gezählt, waren es dieses Jahr knapp 6.500, was die größte Seidenschwanz-Invasion seit 2005 bedeutet. Da die Vögel noch mehrere Wochen verweilen werden, sind sie auch weiterhin zu beobachten. Invasionen anderer Vögel aus dem europäischen Norden wie Bergfink oder Erlenzeisig blieben aber auch dieses Jahr aus.

Wie schon in den beiden Jahren zuvor machte die Blaumeise erneut einen Platz gut (4.) und ist nun schon der vierthäufigste Wintervogel Bayerns. Weiter Anlass zur Sorge gibt der Rückgang der Amsel, die auf dem 6. Platz stagniert. In Unterfranken hat sich ihre Anzahl im dritten Jahr in Folge deutlich verringert. Eine starke Abnahme in der Verbreitung ist auch bei den Grünfinken (5.) und Buchfinken (7.) festzustellen. Noch geben diese Entwicklungen den Experten Rätsel auf, verdeutlichen aber, wie wichtig die Vogelzählungen sind. Die Ergebnisse der "Stunde der Gartenvögel 2013" vom 9. bis 12. Mai sollen zeigen, ob der Trend anhält.

In allen Regierungsbezirken stieg 2013 die Anzahl der durchschnittlich beobachteten Vögel. Dabei zeigten sich bayernweit im Durchschnitt 42 Vögel pro Garten, genausoviele wie vor zwei Jahren im strengen Winter 2011. Dabei können sich die Niederbayern erneut über die vogelreichsten Gärten freuen (52 Vögel pro Garten), gefolgt von der Oberpfalz und Schwaben (je 47) und Oberfranken (46). Die wenigsten Vögel im Durchschnitt sahen erneut die Oberbayern (38), wo auch der Anstieg am geringsten ausfiel. In den Städten lagen die Zahlen besonders niedrig: So bekam Nürnberger im Schnitt nur 33 Vögel, Würzburger 31 und Münchner sogar nur 27 zu sehen.

In Gärten mit Futterstellen waren im Durchschnitt knapp 30 Prozent mehr Vögel zu sehen als in Gärten ohne Futterhäuschen. Besonders Kohlmeise, Rotkehlchen, Schwanzmeise und Stieglitz suchten dabei das menschliche Nahrungsangebot.

Die Anzahl der klassischen Zugvögel wie Rotkehlchen, Hausrotschwanz, Zilpzalp, Star und Bachstelze steigt weiter an. Nach dem strengen Winter 2011, den viele nicht überlebten, war ihr Winterbestand deutlich gesunken. Nun verzichten zunehmend wieder mehr Tiere auf den gefährlichen Flug in wärmere Breiten.

Auch in diesem Jahr hatten einige Teilnehmer das große Glück, außergewöhnliche Vögel zu beobachten. So wurden 50 Eisvögel, 37 Wasseramseln, 16 überwinternde Weißstörche, 24 Rotmilane, acht Kornweihen, zwei Waldschnepfen und sogar zwei Kraniche und ein Schwarzstorch gemeldet. Besonders großes Glück hatten die Vogelfreunde, die eine von fünf gemeldeten Schneeammern zu sehen bekamen.

Die Ergebnisse der Zählungen im Landkreis Neumarkt:

Endergebnis 2013

  1. Kohlmeise 1882
  2. Haussperling 1728
  3. Feldsperling 1580
  4. Blaumeise 1041
  5. Grünfink 1008
  6. Amsel 563
  7. Buchfink 389
  8. Erlenzeisig 305
  9. Elster 267
  10. Kleiber 256
  11. Dohle 203
  12. Gimpel 189
  13. Buntspecht 184
  14. Rotkehlchen 166
  15. Türkentaube 162
  16. Seidenschwanz 151
  17. Eichelhäher 127
  18. Goldammer 119
  19. Schwanzmeise 99
  20. Sumpfmeise 90
  21. Bergfink 85
  22. Kernbeißer 83
  23. Tannenmeise 75
  24. Haubenmeise 72
  25. Wacholderdrossel 70
  26. Rabenkrähe 55
  27. Stieglitz 43
  28. Ringeltaube 21
  29. Weidenmeise 19
  30. Rebhuhn 14
  31. Grünspecht 13
  32. Mäusebussard 12
  33. Saatkrähe 12
  34. Zaunkönig 11
  35. Sperber 7
  36. Hausrotschwanz 7
  37. Gartenbaumläufer 6
  38. Fasan 6
  39. Kolkrabe 6
  40. Straßentaube 4
  41. Mittelspecht 3
  42. Birkenzeisig 3
  43. Misteldrossel 3
  44. Silberreiher 2
  45. Turmfalke 2
  46. Tannenhäher 2
  47. Star 2
  48. Graureiher 2
  49. Schwarzspecht 2
  50. Bachstelze 1
  51. Wanderfalke 1
  52. Girlitz 1
  53. Ringdrossel 1
  54. Heckenbraunelle 1
  55. Grauspecht 1
  56. Wintergoldhähnchen 1

Endergebnis 2012

  1. Haussperling(Spatz) 808
  2. Kohlmeise 649
  3. Feldsperling 646
  4. Grünfink 438
  5. Blaumeise 418
  6. Amsel 339
  7. Elster 138
  8. Buchfink 111
  9. Wacholderdrossel 102
  10. Erlenzeisig 89
  11. Kleiber 63
  12. Goldammer 61
  13. Rotkehlchen 60
  14. Eichelhäher 58
  15. Gimpel 48
  16. Sumpfmeise 39
  17. Buntspecht 38
  18. Bergfink 33
  19. Rabenkrähe 32
  20. Schwanzmeise 23
  21. Türkentaube 22
  22. Haubenmeise 16
  23. Tannenmeise 16
  24. Silberreiher 15
  25. Kernbeisser 12
  26. Zaunkönig 12
  27. Ringeltaube 9
  28. Stieglitz 9
  29. Mäusebussard 8
  30. Grünspecht 7
  31. Sperber 4
  32. Weidenmeise 4
  33. Heckenbraunelle 3
  34. Kolkrabe 3
  35. Dohle 2
  36. Saatkrähe 2
  37. Grauspecht 2
  38. Merlin 1
  39. Graureiher 1
  40. Turmfalke 1
  41. Habicht 1
  42. Strassentaube 1
  43. Birkenzeisig 1
  44. Star 1
01.02.13
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