"40stündiges Gebet"

Von Dekan Monsignore Richard Distler

An diesem Sonntag bis Faschingsdienstag wird in der Hofkirche wieder das sogenannte 40stündige Gebet gefeiert. Beendet wird es am Dienstag mit einer Festlichen Schlussandacht, Prozession, Te Deum und Predigt, die heuer der Abt von Plankstetten Dr. Beda Sonneberg halten wird.

Gewiss kann man fragen: Warum beten, wenn andere Fasching feiern? Dieses altehrwürdige Gebet, das immerhin schon seit 280 Jahren begangen wird, ist absolut kein "Beten gegen den Fasching". Man kann immer nur für etwas beten.

Ins 40stündige Gebet hineingenommen werden auch die aktuellen Anliegen unserer modernen Zeit wie: Um Frieden im Nahen Osten, Bewahrung der Schöpfung, Schutz von Ehe und Familie, um gute Zukunft für unsere Jugendlichen, um Achtung vor der Umwelt, um geistliche Berufe und für die Nöte und Sorgen des Papstes und der Kirche.

Begleitet werden die Betstunden durch Vertreter des Corpus Christi Bruderschaft Neumarkt (auch viele Frauen gehören dazu), die schon seit dem Jahr 1628 an der Hofkirche besteht, also seit 385 Jahren. In einer Zeit, in der die Anbetung von Geld, Konsum und Karriere immer augenfälliger wird, legt die Bruderschaft ihr Gewicht auf geistliche Werte und vor allem auf die Anbetung Christi im Sakrament des Altares. In schlimmer Zeit, kurz vor seiner Hinrichtung durch die Nazis schrieb der bekannte Jesuitenpater Alfred Delp in sein Tagebuch: "Es wird bald die Zeit kommen, da kann die Menschheit nur noch wählen zwischen Anbetung und Vernichtung".

Am 12. März 1628 wurde die Neumarkter Corpus Christi Bruderschaft durch die hiesigen Kapuzinermönche gegründet. Damals nach den Wirren der Reformation gewann das geistliche Leben in Neumarkt wieder neue Lebenskraft. Fronleichnam wurde wieder eingeführt, das Passionspiel, die Beichte, die Katechese, die Messfeier und die Predigt beflügelten das religiöse Leben in der Stadt.

Doch dann im Jahr 1733, als in Regensburg die Pest wütete und man die Sorge hatte, dass sie auch auf Neumarkt überspringen könnte, wurden zunächst die Sebastiansandachten eingeführt. Im gleichen Jahr aber entstand auch die 40stündige Gebet. Der Initiator war ein Laie, der Neumarkter Stadtphysikus Dominikus Fasing. Er setzte seine ganze Kraft dafür ein und stiftete die Jahre danach an der Hofkirche eine wertvolle Monstranz, einen Kreuzpartikel, einen Kelch und einen Fronleichnamshimmel mit vier Evangelistenfiguren, die heute noch erhalten sind. Wie Dominikus Fasing, so übernahmen lange Zeit auch Bürgermeister und Ratsmitglieder die ehrenvolle Aufgabe des Präfekten der Bruderschaft.

Dieser geistlichen Gemeinschaft kann auch heute jeder Mann und jede Frau beitreten. Nur 2 Euro ist der Jahresbeitrag, der vor allem der Erhaltung der kirchlichen Paramente und der liturgischen Geräte dient. Für jedes verstorbene Mitglied wird eine Seelenmesse gefeiert. In diesem Jahr plant die Bruderschaft eine Fahrt vom 4.-6. Juni zum Nationalen Eucharistischen Kongress nach Köln.

NB.: Die Betstunden sind am Sonntag von 12 bis 18 Uhr, am Montag von 9 bis 18 Uhr und am Dienstag von 9 bis 15 Uhr mit Schlussandacht.
08.02.13
Neumarkt: "40stündiges Gebet"
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