4470 "Multi-Jobber" im Landkreis


Fast 4500 Menschen waren im Landkreis nach Gewerkschafts-
Angaben auf einen zusätzlichen Mini-Job angewiesen
NEUMARKT. Immer mehr Menschen im Landkreis Neumarkt brauchen einen Zweit-Job: Mehr als 4470 Berufstätige waren im vergangenen Jahr auf einen Mini-Job als zusätzliche Einnahmequelle angewiesen.

Das geht aus einer Untersuchung hervor, die das Pestel-Institut in Hannover im Auftrag der Gewerkschaften Verdi und Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) gemacht hat.

Demnach ist die Zahl der derjenigen, die neben ihrer Hauptbeschäftigung noch einen Mini-Job als Nebenjob haben, in den vergangenen Jahren im Kreis Neumarkt drastisch gestiegen: "Blickt man zehn Jahre zurück, so hat es eine Zunahme von mehr als 144 Prozent gegeben", sagt Studienleiter Matthias Günther vom Pestel-Institut. Im vergangenen Jahr hätten sich nahezu acht Prozent der Beschäftigten im Landkreis mit einem 400-Euro-Job nebenher etwas dazuverdient.

"Wir haben das Phänomen der Multi-Jobber. Das sind Menschen, die mit dem Geld, das sie in ihrem Hauptjob verdienen, nicht mehr auskommen. Deshalb müssen sie auf einen oder mehrere Nebenjobs ausweichen, um überhaupt noch über die Runden zu kommen. Aus der puren Lust an einer 55- oder 60-Stunden-Woche macht das jedenfalls keiner", sagt der Geschäftsführer des Verdi-Bezirks Oberpfalz, Alexander Gröbner.

Er macht für das "Multi-Jobben" vor allem Niedriglöhne verantwortlich. Auf der einen Seite würden Stundenlöhne bezahlt, die im Keller sind. Auf der anderen Seite stiegen die Lebenshaltungskosten. Das beste Beispiel sei das Wohnen. Hier drehe sich – nicht zuletzt wegen der Heiz- und Nebenkosten – die Preisspirale unaufhörlich nach oben. "Da sind Niedrigverdiener gezwungen, nach Feierabend und an den Wochenenden noch einmal zur Zweit-Arbeit zu gehen", so Gröbner.

Abhilfe kann nur ein einheitlicher gesetzlicher Mindestlohn schaffen, darin sind sich Verdi und NGG einig. "8,50 Euro pro Stunde – das ist der Mindestpreis, den Arbeit bei uns hat. Wer heute für weniger Geld arbeiten muss, der hat keine Chance, von dem, was er verdient, auch leben zu können", sagt die Geschäftsführerin der NGG-Region Nürnberg-Fürth, Regina Schleser.

Eine Absage erteilen Verdi und NGG dem Vorhaben der schwarz-gelben Regierungskoalition in Berlin, regional unterschiedliche Lohnuntergrenzen einzuführen. "Dann würde Deutschland zu einem Lohn-Flickenteppich", hieß es. Union und FDP wollten Billig-Regionen etablieren, in denen die Arbeit dann überall unter 8,50 Euro Stundenlohn gehandelt wird, sagt Alexander Gröbner.

Der Verdi-Geschäftsführer warnt vor einer "Deutschlandkarte mit Dumpinglohn-Löchern", in die hinein dann "von skrupellosen Unternehmen die Aufträge vergeben" würden. Abgesehen davon hält Gröbner regionale Mindestlohn-Tarifverhandlungen "schlichtweg für nicht machbar, da sich die Arbeitgeber von Lohndrücker-Branchen garantiert nicht an einen Verhandlungstisch setzen würden". Auch wirksame Kontrollen wären bei wechselnden Mindestlohngebieten in der Praxis nicht machbar.
11.04.13
Neumarkt: 4470 "Multi-Jobber" im Landkreis
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