Zwei Schecks überreicht


Politik und private Gönner überreichten am Montag im Klinikum Schecks

NEUMARKT. Am Klinikum Neumarkt startete das Projekt "Perioperative Delirprophylaxe" zur Reduktion oder Vermeidung von Delirsituationen, die gerade bei älteren Menschen in Zusammenhang mit größeren Operationen entstehen können.

Der Bayerische Gesundheitsminister Dr. Marcel Huber war persönlich zum offiziellen Startschuss anwesend und überreichte einen Scheck über 45.000 Euro als Zuschuss des Freistaates Bayern. Auch die Donauer-Stiftung beteiligt sich mit weiteren 30.000 Euro an diesem bayerischen Modellprojekt.

Es ist eine alltägliche Erfahrung: Jemand stürzt und bricht sich den Schenkelhals. Verletzung, Blutverlust, Schmerzen, Narkose, Operation, eine fremde Krankenhauswelt mit ihren Zwängen; das Leben ist von einer Sekunde zur anderen aus den Fugen geraten. Wenn das alles zuviel wird, dann reagieren manche Menschen mit einem Verwirrtheitszustand, einem Delir (von lateinisch de lira ire – aus der Ackerfurche gehen/aus der Spur geraten).

So ein Delir, das müssen nicht immer die berühmten weißen Mäuse sein, auch das Toben gehört nicht unbedingt dazu, es gibt auch eine leise Form: den inneren Rückzug. Dann wird die Alltagsrealität nicht mehr erkannt und verstanden. Die Symptome eines Delirs bilden sich mit der Zeit wieder zurück, es bleiben aber immer Folgeschäden. Häufig sind die Konzentration und die Merkfähigkeit nach einem Delir nicht mehr wie früher. Manche Patienten können danach kein selbstbestimmtes Leben mehr führen und benötigen eine ambulante oder stationäre Hilfe.

Am Klinikum Neumarkt startete jetzt das zunächst auf zwei Jahre ausgelegte Projekt "Perioperative Delirprophylaxe" zur Reduktion oder Vermeidung von Delirsituationen. Eine sehr persönliche, warmherzige, zeitaufwändige, individuelle Betreuung und Begleitung durch diese schwierigen Tage ist eine Möglichkeit, mit der das Risiko eines Delirs deutlich verringert werden kann. Dazu kommen ein möglichst geordneter Tagesrhythmus, der Einsatz regionaler Narkoseverfahren, die Vermeidung bestimmter Medikamente und vieles mehr.

Mit diesem Modellprojekt werden am Klinikum neue Wege beschritten, es wird wissenschaftlich ausgewertet, wie es künftig gelingen kann, die Zahl der Patienten, die ein Delir erleiden, zu verringern.

Über die Risikofaktoren und Entstehungsursachen gibt es zwar wissenschaftliche Erkenntnisse. Wie sich ein solches perioperatives Delir – ein eigenständiges und sehr gravierendes Krankheitsbild - jedoch vermeiden lässt, ist bislang wenig erforscht und erprobt. Zielsetzung des Projektes ist daher, in der Versorgung von delirgefährdeten operativ versorgten Patienten neue Wege zu gehen und durch eine spezialisierte pflegerische Betreuung das Delirrisiko zu minimieren.

Man orientiert sich dabei an den Erfahrungen des St. Franziskus-Hospitals in Münster, das sich seit geraumer Zeit bereits mit dieser Thematik beschäftigt, es werden aber natürlich auch neue Ideen eingebracht. Für die wissenschaftliche Begleitung und Evaluation steht das Institut für Gerontologie und Ethik an der Evangelischen Hochschule Nürnberg (Leitung: Prof. Dr. Babara Städler-Mach) als Kooperationspartner zur Verfügung.

Die internen Projektbeteiligten sind - neben dem Pflegedienst - die Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin, die Chirurgische und die Unfallchirurgische Klinik, fachlich unterstützt durch die Neurologische Klinik, sowie das Ethikforum.

Landrat Albert Löhner freut sich über diese vielfältige Beteiligung und Unterstützung und ist überzeugt, mit diesem Projekt wieder einen wichtigen Schritt zur weiteren Verbesserung der Versorgungsqualität zu leisten. Jedes vermiedene Delir bedeute für alle Entlastung im Klinikalltag und für den betroffenen Patienten selbst die Vermeidung eines dauerhaften Verlustes kognitiver Fähigkeiten und mehr Lebensqualität.

Staatsminister Dr. Huber kam eigens für den Projektstart zusammen mit der bayerischen Patientenbeauftragten Dr. Gabriele Hartl nach Neumarkt. Das Ministerium erkenne den Modellcharakter des Projektes an und trägt 45.000 Euro als Zuschuss bei, hieß es.

Auch Johann Donauer liegt das Projekt am Herzen. Seine Stiftung wird es – neben den vielen Millionen für die beiden Stiftungsgebäude am Klinikum sowie der Ausstattung der Palliativ- und Kinderstation – mit weiteren 30.000 Euro unterstützen. Damit sind die Gesamtkosten von über 100.000 Euro für das Projekt "Perioperative Delirprophylaxe" zu einem großen Teil finanziert.
29.04.13
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