Gedanken zum Pfingstfest

Von Dekan Monsignore Richard Distler

Dieser Tage kam in den Nachrichten der neueste Klima-schutzbericht, der besagt: Der C O 2-Ausstoss, also die Anreicherung von Kohlendioxyd in der Erdatmosphäre, hat sich wiederum erhöht. Dann aber fügten die verantwortlichen Wissenschaftler hinzu: Wir brauchen mehr Gespür für verbesserten Klimaschutz und einen neuen Geist für die Bewahrung der Natur. Gewiss passiert schon viel für alternative Energien, für die Verbesserung der Luftqualität, gegen Waldsterben und Treibhausgase. Da gibt es schon gute Erfolge, aber es reicht anscheinend noch nicht. Wie aber entsteht ein besseres Gespür, ein neuer Geist, ein anderes Denken und ein wirkliches Umdenken? Moralische Appelle genügen anscheinend nicht. Aber wie kommt es zu einem neuen Geist, den jetzt sogar schon die Wissenschaft anmahnt?

Die Christen feiern an Pfingsten das "Fest des heiligen Geistes". Aber kann dieser Abhilfe schaffen? Kann vielleicht der heilige Geist ein wirkliches Umdenken, vielleicht sogar ein neues Handeln bewirken? Womöglich nicht bloß im Klimaschutz, sondern auch für verbesserten Lebensschutz, für ein besseres soziales Klima, für mehr Gemeinsinn und für mehr Achtung voreinander und gegenseitige Liebe? Und warum nicht auch für mehr Zivilcourage, Mut und Zutrauen, die Dinge anzupacken? Beim ersten Pfingstfest in Jerusalem war dieser neue Geist, dieser andere, also dieser heilige Geist deutlich zu spüren: Da werden aus Angsthasen mutige Männer, da werden aus Fremden Freunde, da verstehen sich plötzlich wildfremde Menschen, da gibt es kein Parteiengezänk mehr und da entsteht aus einem verängstigten Haufen ein neues Gemeinwesen, das sich Kirche nennt.

Wie aber wird dieser neue Geist aus der Taufe gehoben? Sind es Ermahnungen, moralische Appelle oder gar Zwangsbekehrungen? Absolut nicht. Der neue Geist wird in den Herzen geboren und ist zugleich ein Geschenk von oben. Da ist anscheinend eine stille Macht und eine verborgene Kraft am Werk bei Menschen, die für den neuen Geist offen sind. Aber woher kommt diese stille Macht und verborgene Kraft? Sie ist göttlichen Ursprungs, sie hat mit dem Heiligen, also mit Gott selbst zu tun. Sie geht von ihm aus und fällt mal wie ein leises Wehen, mal wie ein starker Wind oder gar wie ein Feuer in die Herzen der Menschen. Umdenken, neues Denken, Umkehr also nicht von außen, sondern von innen her und vor allem von oben, aus dem göttlichen Bereich: Genau dieser andere und neue Geist ist er selbst, der heilige Geist, es ist der Geist Gottes, der Geist Jesu Christi. Aber wer bekommt ihn, wer wird von ihm erfüllt? Die Bibel kennt da zwei Vorgänge: Der eine ist die Sehnsucht nach ihm und der andere ist das Gebet. Um den richtigen Geist beten, den heiligen Geist erbitten, wer tut das wirklich? Wer es dennoch wagt, dem wird Unglaubliches geschenkt, so wie den 3000 Christen beim ersten Pfingstfest in Jerusalem, die sich spontan taufen ließen. Es ist kaum zu glauben, wenn schon die Wissenschaft einen neuen Geist anmahnt, mitzuhelfen, um unsere verwundete Schöpfung zu heilen und das Klima zu schonen, um wie viel Größeres und Gewaltigeres könnte uns doch durch den Pfingstgeist geschenkt werden? Sind wir also wirklich dafür offen? Fangen wir wirklich an, darum zu beten? Es würde nicht nur dem Klima gut tun, sondern unseren sozialen Beziehungen, unserem Gemeinwesen sowie dem respektvollen und liebevollen Miteinander in Kirche und Gesellschaft. Deshalb betet die Kirche zu Pfingsten: "Herr, sende aus deinen Geist und das Antlitz der Erde wird neu!"
Von Pfarrer Martin Hermann


Sie feiert an Pfingsten Geburtstag, die Kirche: Ihren 1983.-ten, seit in Jerusalem aus einer Handvoll verstörter Jesusfreunde ein Missionstrupp wurde, dessen Aktivitäten die Welt verändert hat. "Geht hin in alle Welt und lehrt alle Völker und tauft sie…" Diesen Auftrag von Jesus haben sie versucht umzusetzen und sie sind sehr weit gekommen: Von Jerusalem nach Nordafrika, über die heutige Türkei nach Griechenland und Rom, sogar bis nach Spanien. Und vermutlich hat es der Jünger Thomas sogar bis nach Indien geschafft.

Kaum jemand hätte das für möglich gehalten. Denn die Anfänge waren bescheiden: Fünfzig Tage nach Ostern saßen die Jünger ängstlich in ihrem Versteck in Jerusalem. Nach der anfänglichen Freude über die Auferstehung von Jesus war Ernüchterung eingekehrt. Was sollten sie jetzt tun, sie, die kleine und unbedeutende Gruppe von Jesusanhängern?

Der Geist Gottes, der all das bewirkt hat, muss damals voll zugeschlagen haben: Nicht nur als "Motivationskünstler", der aus den eher schüchternen Jüngern ohne höhere Schulbildung feurige Sendboten machte. Darüber hinaus betätigte er sich als Übersetzer weil die Zeugen dieser Vorgänge die Rede des Petrus in ihrer Muttersprache verstanden, obwohl Petrus vermutlich aramäisch sprach. Die Worte des Petrus "gingen ihnen durchs Herz", notiert die Apostelgeschichte. Dreitausend ließen sich an jenem Tag taufen – die Kirche war geboren! "Es ist gut für Euch, dass ich weggehe" hatte Jesus zu seinen Jüngern vorher gesagt. Das, was für sie völlig unverständlich klingen musste, war nun wahr geworden. Es war gut für die Jünger, dass Jesus selbst nicht mehr da war, dafür erfüllte sie die Kraft Gottes, der Heilige Geist. Und das hatte Folgen: Anstatt in Angst und in Bedeutungslosigkeit zu versinken, traten sie plötzlich mutig auf und verkündigten die frohe Botschaft.

Heute, fast 2000 Jahre nach diesem Ereignis, ist die Situation ähnlich. Viele Christen sind verunsichert und ängstlich. Wie wird das weitergehen mit dem Glauben in einer Zeit, in der immer weniger Menschen nach Gott fragen? An Pfingsten gibt es kaum überfüllte Gottesdienste, dafür überfüllte Autobahnen bedingt durch den pfingstlichen Urlaubsverkehr.

Trotzdem feiern die Christen an Pfingsten Kirchen’s Geburtstag. Und ein Geburtstag ist mehr als ein Gedenktag. Wer Geburtstag feiert, denkt nicht nur an das Gestern. Er freut sich am Heute und hofft auf morgen. Wer Pfingsten feiert, weiß, dass die Kirche ihre Zukunft nicht hinter sich hat. Wer Pfingsten feiert, rechnet mit Gottes Möglichkeiten, mit dem Wirken seines Geistes, auch heute unter uns. Die Worte von Jesus: "Ihr werdet die Kraft des heiligen Geistes empfangen und ihr werdet meine Zeugen sein" (Apostelgeschichte 1,8) gelten für uns heute genauso wie für die Menschen damals. Daher feiern wir voll Freude unsere Gottesdienste an Pfingsten. "Durch’s Herz gehen", heißt es beispielsweise im Familiengottesdienst an Pfingstmontag in der Landesgartenschau-Arena (10.30 Uhr). Ein Erlebnisgottesdienst, in dem erfahren werden kann, dass Kirche trotz ihres Alters gar nicht alt aussieht.
17.05.13
Neumarkt: Gedanken zum Pfingstfest
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