Gedanken zu Fronleichnam

Von Dekan Monsignore Richard Distler

Über Fronleichnam, diesem katholischten aller Feste, könnte man das berühmte Wort von Antoine de St. Exypery schreiben: "Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar". Aber was ist denn das Wesentliche am Fronleichnamsfest? Es ist die nahezu unglaubliche Wahrheit: Gott ist in der Welt, sein und unser Christus ist in der Hostie gegenwärtig. Generationen von Theologen haben um eine Erklärung gerungen. Der wohl größte Theologe der Kirche, der heilige Thomas von Aquin spricht von Transsubstantiation. Aber was heißt das? Er meint die tatsächliche, die reale Wesenverwandlung des Brotes in den Leib und des Weines in das Blut Christi in dem Moment, wenn der Priester in der Eucharistiefeier über die heiligen Gaben die Wandlungsworte spricht. Und dennoch, der gleiche hochgelehrte Thomas sagt: All das ist nur ein Versuch, denn das Allerheiligste, dieses größte der Wunder Christi, ist letztlich unerklärbar. Weil Thomas das selber für sich erkannte, sinniert er in seinem berühmten Fronleichnamshymnus Gottheit tief verborgen: "Augen, Mund und Hände täuschen sich in dir. Doch des Wortes Botschaft offenbart dich mir. Was Gott Sohn gesprochen, nehme ich glaubend an. Er ist selbst die Wahrheit, die nicht trügen kann!"

Wie aber sich heute dem Fronleichnamsfest, wie sich dem Wesentlichen, um das es da geht, nähern? Letztlich sind es die Augen des Glaubens und die Augen des Herzens, die die wirklich Gegenwart Christi in diesem Sakrament uns nahe bringen. Es ist das hörende und liebende Herz, das sehend macht, würden der heilige Thomas oder Saint Exypery sagen: "Denn das Wesentliche ist eben unsichtbar". Aber gerade deshalb, weil das Unerklärliche nicht erklärbar ist, auch deshalb, um die geheimnisvolle Gegenwart Christi wenigstens ein bisschen anschaulich zu machen, hat im Lauf der Jahrhunderte das Fronleichnamsfest seine ganze Pracht entfaltet. Da wird das sonst im Tabernakel der Kirche verborgene Sakrament öffentlich in der Monstranz gezeigt. Da spannt sich über dem Allerheiligsten ein schmuckvoller Fronleichnamshimmel, von Männern auf 4 Stangen getragen. Da wird die Erinnerung an das heilige Zelt im Alten Testament wachgerufen, in dem die Bundeslade, das Allerheiligste des frühen Judentums, aufbewahrt wurde. Da geht man in Festtagskleidern mit in der Prozession, Sinnbild für das wandernde Volk Gottes auf dem Weg zur Ewigkeit. Und nicht zuletzt wird an 4 Altären in die 4 Himmelsrichtungen der Segen erteilt. Denn der gegenwärtige Christus möchte durch die Hand des Priesters die ganze Erde, das ganze Universum segnen. All das ist aber letztlich nicht äußere Schau oder gar Pomp, sondern tiefste Verehrung des Heiligen und tiefstes Geheimnis, das sich jedoch nur dem offenbart, der das Wesentliche mit dem Herzen gut sieht.

Das Fronleichnamsfest geht auf das 13. Jahrhundert zurück, auf eine Zeit, wo eine starke Verehrung des Allerheiligsten einsetzte. Angeregt durch die Eucharistiefrömmigkeit des Frauenordens der Beginen, hatte die Nonne Juliana von Lüttich ab dem Jahr 1206 eine besondere Eucharistievision. Sie soll in einer nächtlichen Vision die Mondscheibe mit einem dunklen Streifen gesehen haben. Christus selbst soll ihr gesagt haben: Der Mond, das sei die Kirche und der dunkle Streifen sei das Fehlen eines eigenen Festes zu Ehren des Altarsakramentes. Inspiriert von dieser Vision, führte der Bischof von Lüttich 1246 in seinem Bistum das erste Fronleichnamsfest ein. Sein Nachfolger, der spätere Papst Urban IV. übertrug dann dieses Fest 1264 auf die ganze Christenheit und setzte es auf den 2.Donnerstag nach Pfingsten fest.
29.05.13
Neumarkt: Gedanken zu Fronleichnam
Telefon Redaktion



Telefon Redaktion


neumarktonline - die Internet-Tageszeitung. Aktuelle Berichte, Meldungen und News aus Neumarkt in der Oberpfalz im Internet
ISSN 1614-2853
19. Jahrgang
Zur Titelseite neumarktonline
ISSN 1614-2853
19. Jahrgang
neumarktonline - die Internet-Tageszeitung. Aktuelle Berichte, Meldungen und News aus Neumarkt in der Oberpfalz im Internet
ISSN 1614-2853
18. Jahrgang
Akzeptieren

neumarktonline verwendet selbst keine Cookies; allerdings setzen Anzeigenkunden Cookies ein. Durch die Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich damit einverstanden, dass Cookies gesetzt werden. Mehr erfahren