"Einüben ins Loslassen"

Von Dekan Monsignore Richard Distler

In diesem Jahr trifft das Fest Mariä Lichtmess auf einen Sonntag. Aber was ist das für ein Fest, das in Jerusalem schon im 4.Jahrhundert mit einer feierlichen Prozession bei der Auferstehungskirche begangen wurde? Heute genau 40 Tage nach Weihnachten begegnet uns noch einmal dieses geheimnisvolle Kind, das Christkind, dieses Gotteskind und Menschenkind in einer Person. Die Hirten und die heidnischen Sterndeuter haben einst das Geheimnis dieses Kindes entdeckt. Im Evangelium vom Lichtmesstag wird dieses Kind von zwei tiefgläubigen jüdischen Menschen entdeckt. Der Ort, wo diese Entdeckung passiert, das ist der Tempel, also der geweihte Ort, wo Gott wohnt. Da gehen zwei betagten Menschen, Simeon und Hanna Augen und Mund auf, als sie erkennen: In diesem Kind steckt ein unfassbares Geheimnis. Es ist ein Kind voller Hoffnung, Licht und Leben, es ist der kommende Messias, der Retter und Hoffnungsträger der ganzen Menschheit. Wie aber war das möglich, dass uns allen dieses Kind geschenkt werden konnte?

Da treten nun Maria und Josef auf den Plan, obwohl sie nicht die wichtigsten Personen bei dieser Weihe im Tempel sind. Aber warum Maria und Josef? Sie geben als Eltern einfach ihr Kind frei. Sie weihen es Gott. Von ihm haben sie es einst empfangen und ihm geben sie ihren Jesus wieder zurück: Sie geben ihr Kind aber auch in die Arme des Simeon: Der jedoch steht für uns alle. Das Christkind soll allen Menschen gehören, für alle soll und will es Licht sein. Lichtmess ist für mich deshalb das "Fest der Freigabe und des Loslassens". Jesus, der Sohn Mariens wird ganz in die Arme Gottes und zugleich in unsere Hände freigegeben und losgelassen.

Das Freigeben und Loslassen von Kindern ist ja für Eltern oft etwas ganz Schweres und Schmerzhaftes. Nicht umsonst sagt Simeon zu Maria: "Deine Seele wird ein Schwert durchdringen!" Da tut Eltern oft das Herz weh, wenn Kinder die ersten Schritte in den Kindergarten, in die Schule, ins Berufsleben oder zum Studium tun. Aber Kinder nur an sich zu klammern, ist auch keine Lösung. Da werden beide Seiten unglücklich: Das Kind und die Eltern. Loslassen aber bedeutet: Kinder freigeben fürs Leben, für ihr Leben, für ihr Lebensglück und sie zugleich freigeben für Gott, auch wenn es schmerzt, Dennoch: Darauf ruht Segen. Der Segen besteht darin, dass Kinder, ähnlich wie Jesus ihre eigene Berufung entdecken können. Sie können entdecken, was Gott mit ihrem Leben vorhat. Auch Jesus hat dies entdeckt und so konnte er seine Berufung leben, die sogar bis zum Tod am Kreuz ging. Es war eine universale Berufung, nicht nur für sich, für seine Familie, auch nicht mal allein fürs jüdische Volk, sondern für die ganze Menschheit. Weil er intensiv um diese Berufung gerungen hat und sie dann auch annahm, wurde sie für alle zum Segen.

Lichtmess feiern könnte dann für Erwachsene und Eltern heißen: Sich immer mehr einüben ins Loslassen, weil darauf Segen ruht. Für Kinder und Heranwachsende heißt das, sich zu fragen: Was hat Gott mit mir vor? Welchen Weg soll ich gehen? Was hat er mir zugedacht? Was ist meine ganz spezielle Berufung in meinem Leben? Wie finde ich in all den dunklen Rätseln meines Lebens zum Licht und was bedeutet mir da Jesus, der Messias und Hoffnungsträger?
02.02.14
Neumarkt: "Einüben ins Loslassen"
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