Gedanken zu Allerheiligen

Von Dekan Monsignore Richard Distler

Gewiss hat das Wohnen auf dem Land seinen Reiz, aber dennoch ziehen nicht wenige es vor, in der Stadt zu wohnen. Das hat so manchen Vorteil: Kürzere Wege zu den Geschäften, zur Schule oder zum Arzt, größere Angebote an Kultur oder an Gottesdienstzeiten.

Vom Wohnen in einer Stadt spricht auch das Allerheiligenfest. Es lenkt unseren Blick auf die heilige Stadt, das himmlische Jerusalem. Die Bewohner dieser Stadt sind jene Glieder der Kirche, die bereits endgülig bei Gott zuhause sind, also die Heiligen. In der Präfation vom Hochfest Allerheiligen werden sie sogar unsere Brüder und Schwestern genannt. Die Stadt der Heiligen also, für uns fast zum Greifen nahe wie Geschwister und Freunde, keinesfalls entrückt oder unnahbar.

Deshalb lädt uns das heutige Allerheiligenfest dazu ein, uns geistlich auf den Weg zu machen zu dieser Stadt der Heiligen. Aber wozu ist das gut, sinnvoll und notwendig? Vor kurzem sagte mir ein sehr vernünftiger Mann: „Wir leben in einer verrückt gewordenen Welt. Immer neu Angst und Terrormeldungen, Anschläge und Morde. Haben nicht gerade deshalb viele Sehnsucht nach Frieden, Ruhe und Sicherheit?“ Aber können wir wirklich auf dieser Welt dauerhaft Frieden, Ruhe und Sicherheit finden?

Ist es da nicht heilsam, auch im Blick auf total zerbombte Städte in Syrien und im Irak, Ausschau zu halten nach der ganz neuen Stadt, die für uns Christen das himmlische Jerusalem ist? Aber ist ein solches Ausschau halten nicht billige Vertröstung auf ein besseres Jenseits? Absolut nicht! Im Gegenteil! Der Blick in die Welt der Heiligen ermuntert uns vielmehr, den Mut zu haben, unsere oft so unheilige und unheile Welt zu verändern und umzugestalten. Christen sind alles andere als Träumer und Phantasten. Braucht nicht gerade die Welt von heute solche Träume von der heiligen Stadt und vom himmlischen Jerusalem, um überhaupt das Schlamassel und Desaster unserer Welt aushalten zu können? Hatten nicht auch bedeutende Staatsmänner und Entdecker solche Visionen, die sie zu ungeahnten Taten anspornten?


Denn gerade die Vision von uns Christen vom himmlischen Jerusalem reißt uns heraus aus Bequemlichkeit und Lethargie und gibt uns einen nüchternen Blick für alles, worauf es heute ankommt. Einen solch nüchternen Blick hatten auch viele Heilige der Kirche. Gewiss gehört zu diesen grandiosen Menschen nicht allein eine heilige Mutter Teresa oder ein heiliger Franziskus. Dazu gehören auch viele „Heilige des Alltags“, die für die Kirche und für jeden von uns genauso wertvoll und wichtig sind. Mag sein, dass unter diesen Heiligen des Alltags so mancher von unseren verstorbenen Angehörigen ist.

Am Allerseelentag wird ihrer gedacht. Da tut die Kirche aller Welt kund: Unsere Toten sind nicht vergessen, sie gehören auch als Verstorbene zur Gemeinschaft der Heiligen. Mag sein, dass sie schon ganz bei Gott zu Hause sind oder noch voller Sehnsucht auf die Begegung mit Gott warten. Ihre Fürbitter und Fürsprecher aber sind wir als Kirche auf Erden, ähnlich wie die Heiligen des Himmels unsere Fürbitter sind.

Aber es gibt jetzt schon einen interssanten Ort der Begegnung der Kirche des Himmels mit der Kirche auf Erden und mit der Kirche der Verstorbenen. Das ist die Feier der Eucharistie, die hl. Messe. Da findet jedes Mal über den auferstandenen Christus eine heilsame und intensive Berührung statt mit den Verstorbenen und mit der Schar und Stadt der Heiligen. Da kann sogar in uns die Sehnsucht hochkommen, einst in dieser Stadt zu wohnen.
31.10.16
Neumarkt: Gedanken zu Allerheiligen
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