Immer weniger Bäume


Diese Eiche an der Eichenmühle prägt auch nach dem Laubfall
das Hofensemble und prägt die Landschaft
Foto: A. Greiner
NEUMARKT. Mit wachsender Sorge beobachtet der Bund Naturschutz das immer stärker um sich greifende Verschwinden von ortsbildprägenden Bäumen.

Deshalb beteiligt sich der Bund Naturschutz auch an der Aktion „Natur in der Stadt“ gemeinsam mit dem bayerischen Umweltministerium und weiteren Kooperationspartnern. Aber nicht nur in der Stadt, sondern gerade in den Dörfern gibt es immer weniger große Bäume.

Auch in der Stadt und im Landkreis Neumarkt wolle man das Thema in weiteren Aktionen aufgreifen, hieß es von den Neumarkter Naturschützern. Man wolle das Gespräch mit relevanten Geselschaftsgruppen suchen.

„Bäume gehören zur Heimat und das plötzliche Verschwinden zerstört ein Bild, eine Emotion oder auch ein Gefühl und hinterlässt eine Lücke, eine Leere, die nur schwer wieder aufgewogen werden kann“, sagte Alfons Greiner von der Kreisgruppe Neumarkt des BN. Während die Menschen bei einem Baudenkmal "massiv bis entsetzt" reagierten, bleibe der Protest bei der Vernichtung eines Zusammenspiels von Bäumen und Gebäuden meist recht leise. Erfahrungsgemäß würden das aber viele Bürger dennoch als sehr störend empfinden.


Grund für solche Eingriffe ist nach Meinung der Naturschützer neben einer notwendigen Wegesicherung oft nur falsches Sauberkeitsdenken. Schon Geheimrat Johann Wolfgang von Goethe regte sich vor 200 Jahren darüber auf, dass ein von ihm geliebter Nussbaum dem Sauberkeitswahn der Frau des Hauses zum Opfer fiel. Und heute werden mehr denn je Bäume gefällt, da das Herbstlaub nicht mehr in das Denkschema vieler Menschen passe.

Unsere Heimat lebe aber von den vier Jahreszeiten und da gehöre der Laubfall einfach dazu. Und die Bodenorganismen benötigen dieses Laub, denn ohne dieses müssten viele Prozesse der Natur künstlich erzeugt werden und es kämen Milliardenschwere Kostenlawinen auf die Gesellschaft zu, hieß es. Das Eintreten für Bäume könne also keineswegs mit romantischer Gefühlsduselei abgetan werden, sondern beinhalte die berechtigte Sorge um die Lebensgrundlagen.

Während Umweltschutzverbände vor 30 Jahren noch den Baum für eine lebenswerte Stadt propagierten, sei das Engagement heute auf den Dörfern genauso wichtig. Nicht wenige Gemeinden - auch im Landkreis Neumarkt - hätten im Laufe einer Generation mehr als die Hälfte ihrer Bäume verloren. Es geht hier vor allem um den „Hofbaum“, der früher jedes ländliche Anwesen zierte, im Sommer den Bewohnern Schatten spendete, den Bienen Nektar lieferte und mit einer Fülle weiterer Wohlfahrtswirkungen der Gemeinschaft diente. Heute sind die Höfe gepflastert oder betoniert und dem Rest-Laub wird mit zweifelhaftem technischem Gerät zu Leibe gerückt.

Dabei stelle der Klimawandel heute vor ganz neue Herausforderungen. Jeder Baum sei ein Beitrag zum Klimaschutz. Und ein alter Baum liefere ein Vielfaches an "Wohlfahrtswirkungen" gegenüber einem neugepflanzten. Deshalb sei der Begriff „Ersatzpflanzung“ auch sehr problematisch, denn es dauere Jahrzehnte, bis der Ersatz greife. „Deshalb sollten wir gerade in der jetzigen Phase des Kampfes gegen die Klimaerwärmung jeden Baum erhalten und natürlich müssen wir auch neue Bäume pflanzen, nicht für die nächsten zwanzig oder dreißig Jahre, sondern für mindestens ein Jahrhundert“ meint Alfons Greiner.

Bäume filtern mit ihren Blättern vor allem Grobstäube und andere gesundheitsschädliche Stoffe aus der Luft. Sie sorgen somit für ein gesundes Wohnumfeld. Das galt bislang vor allem für Städte. Inzwischen sorgen aber auch die moderne Landwirtschaft und der überörtliche Verkehr dafür, dass Stickoxide und andere belastende Substanzen der Gesundheit des Menschen überall zusetzen.

Wo Bäume Lärmquellen verdecken, wird der Lärm in der Regel als weniger störend empfunden und durch Beschattung reduzieren Bäume tagsüber das Aufheizen von versiegelten Flächen und Hauswänden. Die Folge seien wesentlich angenehmere Lufttemperaturen. Und letztlich werde ein Baum aus ökologischer Sicht umso bedeutender, je älter er ist.

Wer sich für mehr Bäume im Siedlungsbereich einsetzen, eine Baumpatenschaft übernehmen, zusammen mit Freunden selbst einen Baum pflanzen oder einen Nachbarn beim Erhalt eines Baumes unterstützen will, bekommt beim BN Hilfe unter neumarkt@bund-naturschutz.de
28.11.16
Neumarkt: Immer weniger Bäume
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