Immer mehr Geldprobleme

NEUMARKT. Immer mehr Alleinstehende, Menschen mit finanziellen Problemen und Personen in verfestigter Armut suchen die Allgemeine Sozialberatung der Caritas-Kreisstellen auf.

Das sind die wesentlichsten Ergebnisse einer jetzt ausgewerteten Erhebung über diesen Kerndienst des katholischen Wohlfahrtsverbandes. Der Deutsche Caritasverband hatte die Untersuchung für alle Diözesen in Deutschland am Stichtag 22. September durchgeführt. Danach gab es an diesem Tag 110 Ratsuchende bei den verschiedenen Caritas-Sozialberatungsstellen in der Diözese Eichstätt – fast 20 mehr als bei derselben Erhebung ein Jahr zuvor.

Im Bistum Eichstätt leisten den Caritas-Kerndienst Allgemeine Sozialberatung die Kreisstellen in Neumarkt, Eichstätt, Herrieden, Ingolstadt, Nürnberg-Süd, Roth und Weißenburg. Außenstellen gibt es zudem in Altdorf, Beilngries, Nürnberg-Eibach, Gunzenhausen, Hilpoltstein, Kösching, Schwabach und Wemding.


Rund 40 Prozent der Ratsuchenden bei den Stellen im Bistum Eichstätt waren alleinstehend und noch mehr hatten keine Kinder oder keinen Kontakt zu diesen. Bernhard Gruber, Sozialberater bei der Caritas-Kreisstelle Ingolstadt und Sprecher für die Allgemeine Sozialberatung der Caritas im Bistum Eichstätt, nennt als Beispiel aus seiner Sozialarbeit eine rund 70jährige Frau, die er bei einem Hausbesuch in einer schwierigen sozialen Lage angetroffen hatte. Ihre Wohnung war in keinem guten Zustand. Die Frau selbst habe keinen Kontakt zu anderen Menschen gehabt und das Haus auch nur schwer selbst verlassen können. „Daraufhin habe ich eine Haushaltshilfe sowie eine Pflegestufe für sie beantragt und eine Nachbarschaftshilfe verständigt, die sich jetzt um die Frau kümmert“, nennt Gruber Initiativen, die er in Gang setzte.

„Viele der alleinstehenden und kinderlosen Klienten sind chronisch krank. Sie wenden sich offiziell oft zunächst mit einem konkreten Anliegen an uns, weil sie zum Beispiel den Bescheid einer Behörde nicht verstehen. Doch dann schütten sie in ihrer Verzweiflung über ihre Lebenssituation auch ihr Herz aus“, erzählt Gruber und ergänzt: „In unsere allgemeine Sozialberatung kommen die Leute natürlich auch, weil wir für alle sozialen Probleme eine erste Anlaufstelle sind und man bei uns keinen Termin braucht.“

Fast verdoppelt von 20 auf fast 40 im Vergleich mit dem Vorjahr hat sich die Anzahl der Klienten bei der Untersuchung, die wegen „sonstiger finanzieller Schwierigkeiten“ Hilfe suchten. Diese Menschen sind offiziell keine Schuldner, „wohl sind es zum Teil Leute, die ihre Schulden pflichtbewusst bezahlen, aber dadurch am Ende des Monats selbst nicht mehr über die Runden kommen“, so Gruber. Zu diesen Ratsuchenden gehörten zum Beispiel auch Menschen, die nach der plötzlich nötigen Reparatur ihrer Waschmaschine in einen finanziellen Engpass gerieten.

„Bei mir war neulich eine Frau mit niedriger Rente, die von der Krankenkasse nicht die Originalmedikamente, sondern lediglich Generika – also Nachahmerpräparate – durch einen Festbetrag erstattet bekam. Die Generika vertrug sie aber nicht.“ In solchen Härtefällen wendet sich Gruber zum Beispiel an Stiftungen, denen er die Notlagen schildert und die dann in der Regel mit einer Unterstützung zum Wohl der Betroffenen einspringen. „Zuvor prüfen wir aber auch, ob rechtliche Ansprüche geltend gemacht werden können“, so Gruber.

Mit 44 Prozent aller Klienten bei der Erhebung war der Anteil der Arbeitslosengeld-II-Empfänger erneut am höchsten. Wesentlich angestiegen ist unter den Beziehern von Arbeitslosengeld II, Sozialhilfe oder Kinderzuschlag die Gruppe jener, die diese Sozialleistungen schon über drei Jahre bekommt: von 25 auf 43 Prozent. Unter diesen sind dem Caritasberater zufolge zum einen Menschen, „die entweder nicht mehr arbeiten können oder langzeitarbeitslose Personen mit vielfältigen sozialen Problemen, bei denen wir zum Beispiel zusammen mit dem Jobcenter schauen, wie sie wieder an Arbeit herangeführt werden können“.

Doch die größte Gruppe dieser Menschen in „verfestigter Arbeit“ stellten inzwischen „die sogenannten Aufstocker dar, die ergänzende Leistungen erhalten, weil sie sich vielfach in prekären Arbeitsverhältnissen wie Leiharbeit, befristeten Stellen oder Minijobs befinden“. In seine Beratung in Ingolstadt, so Gruber, kämen viele Arbeitsmigranten aus den EU-Ländern Bulgarien, Griechenland und Rumänien, „die zum Beispiel als Automechaniker in Leiharbeitsverhältnissen tätig sind, weil sie hier aufgrund fehlender fachlicher Kenntnisse keine gesicherte Arbeit finden“.

Den Trend, dass mehr Menschen in verfestigter Armut trotz Arbeit Hilfe in den Caritas-Sozialberatungsstellen im Bistum Eichstätt suchen, bestätigt die Caritas-Untersuchung durch zwei weitere Ergebnisse: Zum einen ist im Vergleich mit dem Vorjahr der Anteil der Klienten mit abgeschlossener Berufsausbildung von 31 auf 38 Prozent angestiegen und zum anderen hat sich die Anzahl der Ratsuchenden mit Erwerbseinkommen von 30 auf 35 Prozent erhöht.
pde
21.12.16
Neumarkt: Immer mehr Geldprobleme
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