54.000 Euro in den Miesen

NEUMARKT. „Auch im Landkreis ist trotz guter wirtschaftlicher Rahmenbedingungen eine umfassende und kompetente Schuldnerberatung wichtiger denn je“, fasste der SPD Kreistagsfraktionssprecher Dirk Lippmann die Diskussion zusammen.

Die SPD-Kreistagsfraktion hatte zu einem Informationsgespräch die Schuldnerberaterin Monika Dressel von der Caritas Neumarkt eingeladen. Anhand von Zahlen und Fakten stellte Dressel die Situation bei den Überschuldungsfällen im Landkreis Neumarkt dar. So leiste sie als einzige Schuldnerberaterin, die es derzeit im Landkreis Neumarkt gibt, etwa 300 Beratungen pro Kalenderjahr.


Im monatlichen Durchschnitt gebe es acht neue Fälle, bei denen sie als Schuldnerberaterin den Bürgern mit Rat und Tat zur Seite stehe. Ziel sei es immer, die finanzielle Überschuldung in den Griff zu bekommen. Im Vergleich mit anderen Landkreisen liege die Pro-Kopf-Verschuldung mit 54.000 Euro pro Fall deutlich über dem bundesweiten Durchschnitt von 38.000 Euro.

Um an einen Beratungstermin zu kommen, vergibt die Beratungsstelle zu Beginn eines jeden Monats nach dem Windhund-Prinzip die Beratungstermine, die schon nach kurzer Zeit komplett vergeben seien. Kreisrat Erwin Jung bewertete die Tatsache, dass pro Monat fünf bis acht Bürger keinen Termin bekommen könnten, da alle Termine bereits vergeben seien, als völlig unbefriedigend. Die Verbände der Schuldnerberatung empfehlen für Landkreise eine Beratungsstelle für jeweils 60000 Einwohner, was für den Landkreis Neumarkt zwei Stellen anstatt derzeit eine Schuldnerberaterstelle zur Folge hätte.

Vom Gesetzgeber werden derzeit die Schuldnerberatung und die Insolvenzberatung unterschieden. Die Schuldnerberatung ist Aufgabe der Landkreise, die Insolvenzberatung ist Ausgabe des Bundes, wobei die Finanzierung durch die Länder erfolgt.

Die generellen Erfolgsaussichten für Menschen, die sich an die Schuldnerberatungsstelle wendeten, seien grundsätzlich positiv. Viele Menschen schafften es durch die Begleitung der Schuldnerberater, ihre finanzielle Situation in den Griff zu bekommen.

Die Gründe, warum Menschen in die Überschuldung gerieten, seien sehr unterschiedlich. Auch im Landkreis Neumarkt gebe es Menschen, die ihren Arbeitsplatz verlören. Psychische Probleme, Ehescheidungen oder Trennungen seien weitere Gründe hierfür.

Besonders drastisch äußere sich die Überschuldungssituation bei den Menschen, wenn der Stromanbieter den Stromanschluss sperre. Im vergangenen Jahr drohten die Stromanbieter deutschlandweit in 6,3 Millionen Fällen eine Sperrung an, bei über 350000 Haushalten wurde dies auch tatsächlich durchgeführt.

Der stellvertretende Landrat Helmut Himmler und Lippmann waren sich darin einig, dass die Bekämpfung materieller Armut in Deutschland ein wichtiges Ziel sei, um den sozialen Frieden in unserer ansonsten reichen Gesellschaft zu wahren und erhalten.
23.12.16
Neumarkt: 54.000 Euro in den Miesen
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