Amsel löst Kohlmeise ab


Neu auf dem dritten Platz: die Amsel
Foto: Ralph Sturm
NEUMARKT. Die beiden Spatzenarten sind auch diesmal die häufigsten Wintervögel im Landkreis Neumarkt. Allerdings wurde auf Platz drei die Kohlmeise von der Amsel abgelöst. Das geht aus den ersten Zahlen der "Stunde der Wintervögel" hervor, die der Landesbund für Vogelschutz durchführte.

Besonders erfreulich: die erste Zwischenbilanz am Sonntag-Nachmittag deutet im Vergleich zu den Vorjahren (zum selben Zeitpunkt) auf Rekordzahlen hin: Bis 16 Uhr hatten im Landkreis 124 Helfer 4439 Vögel gemeldet. Erfahrungsgemäß wachsen diese Zahlen in den nächsten Tagen und Wochen noch deutlich an: Im letzten Winter nahmen 407 Landkreisbürger teil, die 11.282 Vögel meldeten.

Den ersten Platz bei den Wintervögeln im Landkreis Neumarkt belegte wieder der Hauspatz (904), der seinen Verwandten vom Lande, den Feldsperling (771), wieder deutlich hinter sich ließ. Bayernweit ist die Reihenfolge umgekehrt. Wie in ganz Bayern hat der bisherige Dritte , die Kohlmeise (540), allerdings stark nachgelassen und mußte der Amsel (635) den dritten Platz überlassen.


In den vergangen sechs Jahren schien die Kohlmeise bayerweit geradezu ein Abonnement auf den Spitzenplatz bei der „Stunde der Wintervögel“ zu haben, hieß es dazu vom Landesbund für Vogelschutz. Doch zur Überraschung des LBV ist Deutschlands bekannteste Meisenart derzeit nur noch die am vierthäufigsten beobachtete Vogelart in Bayern. „Über die möglichen Gründe für den Rückgang der Kohlmeise in diesem Winter wissen wir noch nicht alles“, sagte Martina Gehret, die Beauftragte für Citizen Science beim LBV.

Immerhin zeichnet sich nach dem Eingang von ungefähr einem Drittel der Meldungen am Sonntagnachmittag eine erneut sehr hohe Gesamtbeteiligung ab. So hatten dem LBV bis dahin bereits knapp 10.000 Bayern über 230.000 Vögel gemeldet. Noch bis zum 16. Januar können Naturfreunde dem LBV ihre Beobachtungen vom Wochenende schriftlich oder online melden.

Die guten Beobachtungsbedingungen und ein steigendes Interesse der Bevölkerung an der Natur im Garten bescheren dem LBV bisher eine erfreulich hohe Beteiligung. Im Vergleich zum gleichen Zeitpunkt im Rekordjahr 2016 haben sich noch einmal mehr Naturfreunde an Bayerns größter wissenschaftlicher Mitmachaktion beteiligt. „Auch wenn dieses Jahr insgesamt weniger Vögel gezählt werden, kommen sie nun zur Futtersuche bei Schnee wieder vermehrt zu uns in den Siedlungsraum“, erklärt Martina Gehret. Im Durchschnitt wurde trotzdem ein Viertel weniger Vögel pro Garten beobachtet.

Beim Absturz der Kohlmeise fallen wahrscheinlich mehrere Faktoren zusammen. So gibt es Anzeichen, für einen witterungsbedingten schlechten Bruterfolg im vergangen Jahr. „Genau können wir es noch nicht sagen, aber lokal scheint es bei Kohl- und Blaumeisen teilweise einen völligen Ausfall der Brut gegeben zu haben“, sagte Martina Gehret. Dazu gebe es Hinweise, dass dieses Jahr weniger Kohlmeisen als üblich aus Nord- und Nordosteuropa bei uns überwintern. Dafür wiederum kann es verschiedene Gründe geben, von milder Witterung in den Herkunftsgebieten über geringen Bruterfolg bis zu reicher Baumsamenmast in den Herkunftsgebieten. „Im Vorjahr hatten der starke winterbedingte Zuzug nordischer Kohlmeise und die guten Brutbedingungen noch für besonders viele beobachtete Kohlmeise gesorgt“, so Gehret weiter.

Auch der allgemeine Rückgang der Insekten durch den vermehrten Pestizideinsatz in der Landwirtschaft könnte eine denkbare Ursache für die Probleme bei der Jungenaufzucht der Vögel sein. „Wir müssen uns das alles aber im Detail noch anschauen“, sagt Martina Gehret.

    2017 (Zwischenbilanz)

  1. Haussperling( Spatz) 904
  2. Feldsperling 771
  3. Amsel 635
  4. Kohlmeise 540
  5. Blaumeise 300
  6. Buchfink 191
  7. Grünfink/Grünling 191
  8. Elster 110
  9. Wacholderdrossel 102
  10. Rotkehlchen 69
  11. Buntspecht 68
  12. Eichelhäher 58
  13. Dohle 57
  14. Goldammer 55
  15. Rabenkrähe 52
  16. Kleiber 47
  17. Gimpel/Dompfaff 39
  18. Erlenzeisig 29
  19. Kernbeißer 25
  20. Bergfink 25
  21. Sumpfmeise 23
  22. Türkentaube 21
  23. Haubenmeise 14
  24. Zaunkönig 13
  25. Tannenmeise 13
  26. Grünspecht 12
  27. Stockente 12
  28. Habicht 10
  29. Schwanzmeise 10
  30. Stieglitz (Distelfink) 7
  31. Sperber 6
  32. Ringeltaube 6
  33. Silberreiher 5
  34. Mäusebussard 4
  35. Hausrotschwanz 3
  36. Graureiher 3
  37. Heckenbraunelle 2
  38. Star 2
  39. Weidenmeise 2
  40. Gartenbaumläufer 1
  41. Kolkrabe 1
  42. Wanderfalke 1

    2016

  1. Haussperling (Spatz) 1822
  2. Feldsperling 1619
  3. Kohlmeise 1442
  4. Amsel 1042
  5. Blaumeise 903
  6. Grünfink/Grünling 625
  7. Erlenzeisig 480
  8. Elster 371
  9. Buchfink 346
  10. Kleiber 258
  11. Eichelhäher 226
  12. Rotkehlchen 216
  13. Wacholderdrossel 173
  14. Goldammer 159
  15. Buntspecht 140
  16. Rabenkrähe 138
  17. Schwanzmeise 131
  18. Tannenmeise 119
  19. Gimpel/Dompfaff 118
  20. Kernbeißer 114
  21. Stieglitz(Distelfink) 106
  22. Dohle 92
  23. Sumpfmeise 87
  24. Türkentaube 82
  25. Ringeltaube 73
  26. Saatkrähe 59
  27. Bergfink 54
  28. Haubenmeise 51
  29. Weidenmeise 37
  30. Zaunkönig 24
  31. Hausrotschwanz 23
  32. Grünspecht 20
  33. Mäusebussard 15
  34. Stockente 14
  35. Sperber 11
  36. Wintergoldhähnchen 10
  37. Turmfalke 8
  38. Gartenbaumläufer 8
  39. Habicht 8
  40. Bluthänfling 8
  41. Straßentaube 6
  42. Silberreiher 6
  43. Star 5
  44. Nilgans 5
  45. Fichtenkreuzschnabel 5
  46. Tannenhäher 4
  47. Misteldrossel 4
  48. Heckenbraunelle 4
  49. Graureiher 3
  50. Singdrossel 2
  51. Kolkrabe 2
  52. Schleiereule 2
  53. Mönchsgrasmücke 1
  54. Schwarzspecht 1
08.01.17
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