"Allgemeine Empörung"

NEUMARKT. Der Bund Naturschutz hat in einem offenen Brief Anregungen und Vorschläge zur Neugestaltung des Stadtparks zusammengefasst und allen Stadträten und dem Oberbürgermeister zukommen lassen.

Viele Ideen seien aus Gesprächen mit Mitgliedern entwickelt worden. Man spreche jedenfalls im Namen von vielen Neumarktern, "wenn wir eine deutlich stärkere Erhaltung der eingewachsenen Strukturen anmahnen", hieß es von den Naturschützern. Die öffentliche Vorstellung der Vorhaben habe man "mehr als eine Vorstellung der Pläne denn als Bürgeranregung" erlebt.


Wir veröffentlichen den Offenen Brief im Wortlaut:

Umgestaltung Stadtpark

Sehr geehrte Damen und Herren,

der BUND Naturschutz begrüßt eine behutsame, ökologisch orientierte und nachhaltige Weiterentwicklung des Stadtparks.
Der BN-Vorstand hat die bislang vorliegenden Pläne in einer Vorstandssitzung besprochen. Dabei riefen die Entwürfe allgemeine Empörung hervor. Die Pflasterung und die Wasserterrassen fielen auf wenig Gegenliebe. Die Heckenrodungen werden ausdrücklich abgelehnt und Lebensräume für Vögel und Insekten werden schmerzlich vermisst. Ganz klar begrüßen wir den Erhalt des bisherigen Baumbestandes, eine andere Vorgabe wäre wohl auch nicht durchsetzbar. Eine Artenschutzkartierung steht uns bislang nicht zur Verfügung, müsste aber Pflichtprogramm bei Veränderungen sein. Im folgenden gehen wir auf einige Planungsaspekte ein und bringen auch dort Verbesserungsvorschläge, wo uns die Ausgestaltung zu weit geht.

Die Stadt Neumarkt hätte hier die einmalige Chance, für Bienen, Schmetterlinge und Hummeln aktiv zu werden. Dies wurde aber bereits im Vorfeld der Diskussionen als „hier nicht notwendig“ abgetan. Der BN stellt hier die Frage „wo dann“? Die Insektenproblematik hat inzwischen in der Presse und der öffentlichen Diskussion einen gewichtigen Stellenwert erhalten und jede öffentliche Grünanlage hat ihren Beitrag zur Verbesserung der Situation zu leisten.

Für Fledermäuse ist der Stadtpark ein wichtiger Lebensraum. Es wäre Pflicht aller Planer, diesen Aspekt stärker aufzugreifen und entsprechende Maßnahmen einzubeziehen.

Nicht beantwortet blieb bislang auch die Frage, warum hier nicht ein Landschaftsgarten im Sinne von Linné angestrebt wird, der durch seine Raumgliederung eine hohe Freiraumqualität aufweist. Wie steht es mit der Einbindung des Leitgrabens im Kontext mit der Residenz?

Es ist festzuhalten dass bei der Gesamtplanung eine ökologische Ausrichtung zu kurz kommt und vom BUND Naturschutz sehr vermisst wird.

Der neugestaltete Bereich besteht überwiegend aus mit dem Lineal gezogenen Linien, viel Pflaster und Beton. Gerade, monotone Linien sind ein Kennzeichen urbaner Räume und sollten in einem Park, einem Raum für Erholung, Ausgleich und Ruhe bewusst nicht als Gestaltungselement eingesetzt werden. Es fällt auch auf, dass fast alle Wege schnurgerade gezogen sind. Kurze Wege sind natürlich sinnvoll, um „Trampelpfade“ als sinnvolle „Volkslösung“ abzuwenden. Aber hier wird die „Gerade als Sinnbild der Monotonie“ überbetont.
Die „Wasserterrassen“ wirken aufgesetzt, kostspielig und wenig multifunktional. Der „Leitgraben“, der im bisherigen Park sehr naturnah ausgeprägt ist, bekommt seine Fortsetzung als monotone Wasser-Rinne. Dieses Element haben wir vor vielen Jahren als Gestaltungselement beim Neuen Markt vorgeschlagen und dafür auch viel Zustimmung aus der Bevölkerung bekommen. Leider haben dies die Planer nicht aufgegriffen und das Element Wasser fehlt im Neuen Markt völlig. Auch der Unterführung zum Neuen Markt hätte dieses Gestaltungselement sehr gut getan. Vielleicht nimmt die Stadt Neumarkt diese Planung auf, um diese Passage aufzubessern.

Der Stadtpark sollte nicht als Sammlung aller möglicher neuer Schnickschnack-Ideen herhalten müssen. Leider haben in der Gartengestaltung inzwischen Formen und Ideen Einzug gehalten, die den Namen „Garten“ nicht verdienen. Sauberkeit und geringer Arbeitsaufwand heißen die neuen Ideale, denen gefrönt wird mit dem Nebeneffekt, dass die Stadt Neumarkt ihre Ziele in punkto Nachhaltigkeit und Klimaschutz neu aufstellen muss und diese nach unten zu korrigieren sind. Wir empfehlen dringend, dass sich die Stadt Neumarkt berechnen lässt, was diese Steinwege, Steinterrassen, Steintreppen, Steinumrandungen, Steinpflaster, Steinmauern an grauer Energie kosten und hoffen, dass dann davon Abstand genommen wird.
Eine dem Klimaschutz und der Nachhaltigkeit verpflichtete Stadt sollte hier alle nicht notwendigen Materialien aus dem Baubereich vermeiden. Denn es geht nicht nur um das hier vermauerte Material. Die Gestaltung des Parks regt viele Bürger dazu an, Gleiches oder Ähnliches im eigenen Garten zu verwirklichen. Und das würde wiederum einen gewaltigen Beton- und Steinschub in den Neumarkter Gärten bedeuten. Wir würden es begrüßen, wenn die Stadt Neumarkt als Mitstreiter gegen Gabionen, Kies- und Schottergärten auf den Plan träte, um damit die ökologische Vielfalt zu pflegen und ein gesundes Kleinklima zu fördern.
Jeder Quadratmeter Versiegelung sollte nochmals gründlich überdacht werden!

Große Treppe:
Diese macht Sinn, wenn sie als Teil einer „Arena“ geplant wäre. Dafür fehlt aber in der jetzigen Planung das Umfeld.

Sichtachsen/Sichtbeziehungen:
Mit diesen Schlagworten werden alle Pläne geschmückt. Auch 1988 beim Architektenwettbewerb „Gestaltung und Verkehrsführung der Innenstadt“ waren Sichtachsen hoch gehandelt und wurden auch umgesetzt. Nur komisch, dass das neue Architekturbüro bei der geplanten Neugestaltung nichts von dem aufgriff, was vor nunmehr über 25 Jahren in die Planung einfloss. Jetzt gibt es wieder neue Sichtbeziehungen, die nach diesem Architekturbüro auch wieder niemanden interessieren. Wir haben nichts gegen Sichtbeziehungen, solange dafür nicht vorhandenes Grün geopfert wird. Die Bäume und Sträucher sind dann weg und niemand weiß warum – außer dem Planer natürlich.

Lichtplan:
Der vorgelegte Plan lässt nicht erkennen, ob für die Beleuchtung die nötige Zurückhaltung gewählt wurde, um nachtaktive Tiere so wenig wie möglich zu stören, d.h. alles, was über den Sicherheitsaspekt hinausgeht, sollte in einem Park tabu sein. Bedenken sind angebracht bei der Beleuchtung des Amtsgerichtes, da diese mit den Bedürfnissen der vorkommenden Fledermäuse zuwider laufen.

Biergarten und Hain:
Dieser aktive Teil des Parks wurde fast komplett auf die Ostseite der großen Wiese verschoben. Eine Beurteilung des Baumbestandes (alt/neu) ist mit dem vorliegenden Material nicht möglich.
Es erscheint uns aber auf den ersten Blick schon recht problematisch, dass die „große Tafel“ und der Grillplatz in den Baumbestand platziert wurden. Wie soll die baumbegleitende Flora aussehen? Und was ist nach einem Jahr noch davon übrig? Der Aufwand zum Entfernen des Mülls ist bei dieser Anordnung sehr hoch. Kann dies geleistet werden oder wird der Bereich über kurz oder lang einfach gesperrt? Es kann schlichtweg nicht angehen, dass für den Grillplatz etc. Bäume entnommen werden.
WC und Ausschank erscheinen ebenfalls wenig optimal gesetzt. Wenn diese Anlage als notwendig erachtet wird, sollte eine Umplanung erfolgen, die eine bessere Einbindung mit sich bringt.
Hier böte es sich an, diesen gesamten Komplex auf der Westseite zu planen. Die Versorgungsleitungen wären einfacher zu verlegen, sowohl WC als auch (temporärer) Kiosk/Ausschank wären in unmittelbarer Nähe des Spielbereichs und der Kabinettgärten (falls diese verwirklicht werden). Zudem würde dies zu einer klaren Aufteilung zwischen aktivem/lauten Westteil des Parks und einem ruhigen/erholungsdienlichen Ostteil führen!

Angeblich nichts für den Fahrradverkehr:
Es ist zwar selbstverständlich, dass Fläche für Parkplätze abgezweigt wird, es ist aber wohl unvorstellbar, dass sicheres Radfahren ermöglicht wird! Nebenan befinden sich zwei Schulen mit fast 2000 SchülerInnen. Dies wird in der Planung nicht berücksichtigt.
Hinzu kommt, dass die MRS so gut wie über keine Pausenfläche verfügt, geschweige denn Raum für andere Betätigungsfelder. Wir sprechen hier als Beispiel einen Schulgarten an, der im Park verwirklicht werden könnte. Wurden diesbezüglich Gespräche geführt? Hatten die Planer den Auftrag, hier Ideen und Vorschläge einzubringen?

Der Hirschgraben ist ausgeklammert und dann doch wieder kostenmäßig angegeben. Hier fehlen jegliche Details, um eine Aussage machen zu können. Aus unserer Sicht bietet sich dieser Parkteil als Rückzugsraum an mit vielfältigen ökologisch orientierten Angeboten für Tiere und Pflanzen, also z.B. einheimische Sträucher mit Insekten und Vogelnahrung; Samen und Beeren, die auch im Winter noch stehen (Vorbildfunktion für Gartenbesitzer).

Auffallend beim „Parkplatz“ ist, dass beim Vegetationskonzept Bäume“ dieser kahl gelassen wird, es wird danach lediglich gefällt. Besser wäre hier ein dreigeschossiges Parkdeck mit entsprechender Eingrünung (grünes Dach). Dadurch ergäbe sich gleichzeitig eine gute Lärmabschottung des Parks hin zur Dammstraße, ein Aspekt, der in der gesamten Planung überhaupt keinen Eingang gefunden hat.

Nach dem vorliegenden Konzept wird der Stadtpark in weiten Bereichen zum Rummelplatz der Zukunft. Die Planer haben nicht den Mut besessen, zu verzichten. Den Zivilisationsschäden durch Lärm und Müll wird hier nichts entgegengesetzt. Wir möchten die Worte eines klugen Geistes ans Ende stellen und würden uns freuen, wenn die Stadt Neumarkt diese Worte hier umsetzt:

Ruhe ist der Luxus der Zukunft

Für weitere Gespräche, Ideen und Vorschläge sind wir bereit

Mit freundlichen Grüßen

Alfons Greiner, Vors. der OG Neumarkt

18.01.18
Neumarkt: "Allgemeine Empörung"

Telefon Redaktion

Burgis

Link zum Landkreis Neumarkt

MdEP Albert Deß

Link Jurenergie

neumarktonline - die Internet-Tageszeitung. Aktuelle Berichte, Meldungen und News aus Neumarkt in der Oberpfalz im Internet
ISSN 1614-2853
17. Jahrgang
neumarktonline - die Internet-Tageszeitung. Aktuelle Berichte, Meldungen und News aus Neumarkt in der Oberpfalz im Internet
ISSN 1614-2853
17. Jahrgang