Grüne

20 Jahre nach Tschernobyl

Von Gabriele Bayer*

11. September in New-York. Seit diesem Tag weiß die ganze Welt wie gefährlich Terror sein kann. Und dieser Terror hat sensible Ziele der Länder im Visier. Die sensibelsten Ziele sind die Atomkraftwerke in allen Ländern dieser Welt. Sie können als noch so sicher deklariert sein, durch die Selbstmordattentäter bekommt diese Gefahr ein völlig neues Gesicht. Der 11. September hat uns die Machtlosigkeit einer ganzen Nation vor Augen geführt. Aber auch technische Mängel, Verschleiß und vor allem menschliches Versagen sind die großen Risiken bei der Nutzung der Atomkraft.

Mahnwache am Rathaus

Am Dienstag, 25. April, findet um 20 Uhr vor dem Neumarkter Rathaus eine Gedenkstunde mit einer Mahnwache an das Unglück von Tschernobyl statt.
Grünen-Kreisvorsitzender Roland Schlusche wird eine Ansprache halten.
Opfer einer atomaren Verseuchung sind Menschen, Tier, Pflanzen durch die atomare Kontamination von Luft, Wasser Boden und allem was mit der atomaren Strahlung in Verbindung kommt. Aber auch die gesamte Volkswirtschaft nimmt erheblichen Schaden.

Beim Reaktorunglück in Tschernobyl wird von 4000 Toten, so der UN-Bericht, ausgegangen.
Von 200.000 Rettungs- und Bergungsarbeitern waren 1000 am ersten Unglückstag sehr hohen Strahlungsdosen ausgesetzt. Niemand von uns kann sich das Leid und die Qualen dieser Menschen vorstellen, die sie erleiden mussten, ehe sie durch den Tod erlöst wurden. Insgesamt so schätzen Wissenschaftler nach dem Bericht, werden von den 200.000 Rettungs- und Bergungsarbeitern direkt an den Folgen der Strahlung sterben, viele elend und qualvoll, weil die medizinische Versorgung in diesen Gebieten trotz staatlicher Hilfe mehr schlecht als recht ist.
Etwa 5 Millionen Menschen leben derzeit in den als "streng zu überwachenden" Zonen. Das sind mehr Menschen als in München und Berlin leben. Diese 5 Mio. Menschen leben in der ständigen Angst an Krebs zu erkranken, missgebildete Kinder zu gebären, viele sind stigmatisiert durch Umsiedlung, haben ihre Arbeit verloren, ihre Heimat, ihre Lebensgrundlagen.

Am schlimmsten betroffen sind wie immer die Kinder. Die Wissenschaftler sprechen von ca. 4000 Fällen von Schilddrüsenkrebs, vor allem bei Kindern und Jugendlichen zur Zeit des Unfalls, als Folge der Kontamination durch den Unfall. Diese Kinder und ihre Eltern haben ständig das frühe Lebensende direkt vor Augen und die damit verbunden Qualen.

Aber die direkten Krankheitsfolgen durch die Kontamination stellen laut UN-Bericht ein vergleichsweise geringes Problem dar. Armut, Lifestyle-Erkrankungen, Suchterkrankungen, Depression und viele andere psychische Störungen, die sich jetzt in der früheren Sowjetunion ausbreiten, stellen eine viel größere Bedrohung für die lokalen Gemeinden als die direkten Folgen der Verstrahlung dar.
Ein lähmender Fatalismus hat sich bei den Einwohnern breit gemacht. Die Leistungsfähigkeit dieser Menschen ist derart reduziert, dass das gesamte System ins Wanken gerät.
Der Bericht der UN bezeichnet die Folgen von Tschernobyl für die psychische Gesundheit als "das größte öffentliche Gesundheitsproblem, das vom Unfall verursacht wurde". Verschiedenste Ursachen werden hierfür diskutiert.

Ein weiteres Problem ist die Schwächung der Volkswirtschaft durch die Unterstützung und Regierungsprogramme für die betroffenen Menschen und Gebiete, obwohl viele dieser Programme stark unterfinanziert waren.

In Europa wurden mehr als 200.000 Quadratkilometer mit atomarem Staub kontaminiert. Das ist soviel wie Bayern und Baden-Württemberg zusammen. Noch immer wir vor dem Verzehr von Pilzen, Beeren, Wildschweinen gewarnt.
Fatal ist jedoch, dass die Gelder der Hilfsprogramme für die Volkswirtschaft und die Entwicklung des Landes verloren sind. 784.320 Hektar Landwirtschaftliche Fläche mussten aus der Produktion genommen werden. 694.200 Hektar Wald mussten stillgelegt werden. Das Stigma Tschernobyl führte zu einem Marketingproblem und zu fallenden Einkünften, Abnahme der Produktion bis zur Stillegung von Betrieben. Armut ist ein akutes Problem in den betroffenen Gebieten. Viele qualifizierte und ausgebildete Arbeiter, besonders jüngere, verließen die Region. Die Investitionen sind sehr gering.

All dies hat nur ein einziger Reaktorunfall ausgelöst und ein Ende der Probleme ist noch nicht in Sicht. Der Sarkophag des Reaktors ist stark beschädigt und muss erneuert werden. Wieder Geld, das der Entwicklung des Landes fehlt. Der Kern des Reaktors droht nach unten durchzubrennen. Nicht auszudenken, was dies bedeuten würde.

Die Energieversorgung dieser Welt muss ohne Atomenergie gelingen. Und sie kann gelingen.
Durch dezentrale Energieversorgung aus dem Sektor der erneuerbaren Energien, die wir gerade erst zu nutzen begonnen haben.

* Gabriele Bayer ist Kreissprecherin von Bündnis 90/Die Grünen

20.04.06

"Ordnung muß sein..."


Fotos:Autor
Da ist ein Weg von Hecken umsäumt, sowieso schon mal eine gute Sache, und nicht allzu häufig.
Aber --- Ordnung muss sein! Hecken gehören geschnitten. Dafür wurde schließlich eine Maschine angeschafft. Und die muss ausgelastet werden. Also werden Flurhecken damit "gepflegt". Das sieht dann so aus, dass rücksichtslos durchgeholzt wird. Armdicke Äste werden abgemurkst, zersplittert, abgerissen, ausgerissen, abgeschnitten. Ohne auf Wuchsrichtung oder Form zu achten, ohne solche großen Verletzungen zu versorgen.

Ach ja, da steht auch ein Baum --- ratsch, wird auch er auf Linie getrimmt. Sie denken, das sei an der Autobahn passiert? - Nein das war ein Fuß- und Radweg, der da auf "Lichtraumprofil" einer Fernstraße ausgeschnitten wurde.

Da steht auch eine Linde am Ortseingang, gar nicht so klein, und sicher war sie teuer. Da hat man was Gutes gemacht. Aber da steht auch ein Schildchen in ein paar Metern Entfernung.
Und? --- Zurechtstutzen den Baum. Nein er hat die Straße nicht beeinträchtigt, aber man hat ihn hässlich gemacht. Unsachgemäß geschnitten, mit brachialer Gewalt.
Wir haben's ja.

Sieht eigentlich niemand, wie sehr die Schönheiten unserer Umgebung ruiniert werden? Schauen Sie sich mal um, und vielleicht schreiben Sie mal an die Gemeinde. Oder Sie sprechen einen der Gemeinderäte an, warum das so brutal gemacht werden muss.

Ach ja, wir kümmern uns ja auch sonst um die Natur. Da werden zum Beispiel für viele Tausend Euro kleine Mulden am Bach angelegt. Feuchtzonen mit Schilf und Sumpf. Es könnte ja wieder mal ein Storch vorbei kommen. An sich eine prima Sache.

Dann baut der Biber einen Damm. Und erweitert diese Feuchtzone. Kostenlos! Nicht übel, sollte man meinen. Aber --- Ordnung muss sein! - Der Biberdamm wird beseitigt! Mit Genehmigung der Naturschutzbehörde!

Aber so war es wohl nicht gemeint. Aber wenn der Bagger nun schon mal da ist, dann macht man es doch gleich "ordentlich". Ist ja dann auch teurer. Wissen Sie was? - Man hätte sich sowohl die flachen Mulden also auch das Abreißen des Biberdammes schenken können. Es wäre kostenlos eine Überflutungszone entstanden, ein Regenrückhaltebecken! Man stelle sich das vor! - Aber, wir haben's ja.
Übrigens hat der Biber ein Einsehen gehabt. Er baut wieder. Es wird sicher noch eine Weile dauern, bis die Dämme wieder hergestellt sind. Vielleicht kommt ja dann im nächsten Jahr ein Storch.
Wenn nicht wieder jemand die Teiche und kleinen Sümpfe "in Ordnung" bringt.

Man hat übrigens auch im Herbst noch geteerte Flurbereinigungswege frisch geteert, die waren noch ganz in Ordnung und ohne weiteres befahrbar. Vielleicht war Asphalt übrig? Oder ein Sonderangebot?

Soll nur noch mal jemand lamentieren, dass die Finanzlage der Gemeinde(n) so angespannt sei! Gilt offensichtlich nicht für Postbauer-Heng, die haben's!
18.04.06

Grüne lehnen Kreis-Haushalt ab

NEUMARKT. Die Grünen lehnen den Kreishaushalt ab und fordern einen Lehrstuhl "Regenerative Energien" an der Fachhochschule.

Der Haushalt 2006 (wir berichteten) zeichne sich zwar durch eine wesentlich bessere Gesamtsituation im Vergleich zum Vorjahr aus, da die Ausgaben durch "Harz IV" gedeckt und der Landkreis also kein "Harz IV"-Verlierer mehr sei, heißt es in einer Presse-Mitteilung der Partei. Die Haushaltsrisiken seien gesunken, dem Landkreis würden sich wieder mehr Spielräume eröffnen, die er 2005 noch nicht hatte.

"Doch diese Spielräume wird er nicht lange haben. Handeln ist jetzt angesagt, denn 2007 ist es vielleicht schon zu spät", so Kreisrat Jürgen Kerkien. Die Grünen fordern eine "strategische, nachhaltige Politik", die den Landkreis zukunftsfähig mache, die globalen Veränderungen annehme und nutze. Das solle nun aber nicht eine Ende der Ausgabenpolitik bedeuten.

Ein Kernproblem der derzeitigen Politik ist nach Einschätzung der Grünen die "Gerechtigkeitslücke, insbesondere im Bereich soziale Gerechtigkeit". Eine Voraussetzung für soziale Gerechtigkeit und somit für Chancengleichheit sei Bildung. Im Landkreis würden die Übertrittsquoten ins Gymnasium unter dem bayerischen Durchschnitt liegen - wobei sogar ein UN-Inspekteur den Bayern schlechte Noten in Sachen Bildung bescheinigt habe. Hier müsse dringend gehandelt werden, so Kreisrätin Sigrid Steinbauer-Erler.

Die Grünen fordern eine Bildungsförderung mit dem Ziel, die Übertrittsquoten ins Gymnasium deutlich anzuheben. Die Hauptschulen müßten deutlich gefördert werden, so dass ihr "schlechter Ruf" verbessert wird, so Stefan Schmidt.

Außerdem drängen die Grünen auf eine "innovative, nachhaltige Wirtschaftsförderung" mit dem Ziel der Schaffung von Ausbildungs- und Arbeitsplätzen. Das "Kompetenzzentrum Bau" sei "ja wohl nicht gerade der Hit" gewesen, heißt es in der Pressemitteilung.

Der Landkreis Neumarkt habe als große, "bislang noch viel zu wenig genutzte Ressource die regenerativen Energien. Der Wind an der Albkante mache die Windenergie im Landkreis rentabel, viel Sonnenschein begünstige die Solarenergie. Der Landkreis ist landwirtschaftlich geprägt und habe so die Möglichkeit, Energiewirtschaft zu betreiben. Beim Rapsöl laufe das an, bei der Vergärung von Zellulose zu Alkohol noch nicht, so Roland Schlusche.

Der Landkreis benötige "Entwicklung, Forschung und Fachleute" auf diesem Gebiet. Deshalb fordern die Grünen den Landrat auf, sich für einen Lehrstuhl "Regenerative Energien" an der Zweigstelle der Fachhochschule Neumarkt einzusetzen.
18.04.06

"Jugendliche brauchen Chance"

NEUMARKT. Bei der Grünen-Kreisversammlung sprachen sich die Mitglieder für ein stärkeres Bemühen der Wirtschaft und vor allem auch der öffentlichen Hand aus, Ausbildungsplätze anzubieten. Vertreter der örtlichen Gemeinde- und Stadtratsfraktionen der Grünen wollen in ihren Kommunalorganen auf mehr Aisbildungsplätze drängen.

Die jugendlichen Schulabgänger bräuchten eine Chance, eine Berufsausbildung zu absolvieren, so die einhellige Meinung der Grünen. Trotz anders lautender Aussagen bliebe vielen Jugendlichen der Eintritt ins Berufsleben verwehrt, was das Risiko des sozialen Abstiegs und der Langzeitarbeitslosigkeit deutlich verschärfe, so Kreissprecherin Gabi Bayer. Gesundheitliche Folgen, wie Drogenkonsum oder Depressionen durch Versagensängste, seien häufig anzutreffen. Bayer: "Wenn künftige Leistungsträger zu Leistungsempfängern degradiert werden, ist das ein Zeichen des gesellschaftlichen und politischen Versagens."

Vielmehr ermögliche eine abgeschlossene Berufsausbildung die Möglichkeit, ins Berufsleben zu finden und steigere deutlich die Chancen, auch bei späterer Arbeitslosigkeit wieder eine Arbeit zu finden. Auch falls eine Übernahme der Lehrlinge nach der Ausbildungszeit nicht möglich sei, dürfe auf Ausbildung nicht verzichtet werden, sagte Kreissprecher Roland Schlusche. Andernfalls sei der Weg in die soziale Hilfsbedürftigkeit vorgezeichnet.

In diesem Zusammenhang erneuerten die Grünen ihre Kritik an der "geplanten Benachteiligung" von jugendlichen Hartz-IV-Empfängern. Schatzmeister Stefan Schmidt: "Jugendliche brauchen die Möglichkeit selbstständig zu werden." Er vermutet als Grund für die "finanziellen Repressalien" hauptsächlich die desolate Haushaltslage des Bundes, die aber nicht auf den Rücken der jungen Menschen repariert werden dürfe.
13.03.06


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