NEUMARKT. Der Landesvorstand der Grünen bezeichnete die Nazi-Vergleiche von Grünen-Stadtrat Johann Gloßner als "in manchen Punkten sicher unglücklich", sieht aber keinen Grund, den Frontmann der Partei im Neumarkter Stadtrat zurückzupfeiffen !
Oberbürgermeister Alois Karl hatte sich in einem Brief in München beklagt, daß Gloßner in seiner Kritik an der Stadtpolitik Vergleiche mit der Nazi-Zeit bemüht hat (wir berichteten).
Wir veröffentlichen das Antwortschreiben des Grünen-Landesvorstandes im Wortlaut:
Sehr geehrter Herr Karl,
In Ihrem o.g. Schreiben bitten Sie um eine Stellungnahme des
Landesvorstandes zu Äußerungen von Herrn Glossner, Stadtratsmitglied
von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN in Neumarkt. Der Landesvorstand hat mich mit
der Beantwortung beauftragt.
Wir lehnen Vergleiche mit dem Nationalsozialismus als Mittel der
politischen Auseinandersetzung grundsätzlich ab, weil diese Vergleiche
die Gefahr der Verharmlosung der NS-Diktatur beinhalten und die Opfer
dieser Gewaltherrschaft verhöhnen. Insofern ist die Wortwahl von Herrn
Glossner in manchen Punkten sicher unglücklich. Dass Herr Glossner
Ihre Person und die Mehrheitsfraktion des Stadtrates "in die Nähe von
barbarischen KZ-bauenden Nationalsozialisten gerückt" hätte, wie Sie
in Ihrem Schreiben unterstellen, können wir allerdings nicht
nachvollziehen.
Herrn Glossner ging es augenscheinlich bei den fraglichen Aussagen
eher um die Art und Weise, wie im Neumarkter Stadtrat Politik gemacht
wird. Die Äußerungen anderer Stadtratsmitglieder, die in der Presse
dokumentiert sind, belegen, dass die demokratischen Spielregeln von
Ihnen und der CSU anscheinend nicht immer so befolgt werden, wie dies
im Interesse aller wünschenswert wäre. So wird der Gegenstand der
Kritik von Herrn Glossner, wenn auch nicht seine Form, von einigen
seiner Stadtratskollegen sehr wohl geteilt.
Im Übrigen sieht es der Landesvorstand der bayerischen Grünen nicht
als seine Aufgabe an, in die politische Auseinandersetzung auf der
kommunalen Ebene einzugreifen.