Das "historische Gewissen" wurde Hundert![]() Vorsitzende Anni Lang ernennt ihren Vorgänger im Amt von 1970 bis 1975, Oberbürgermeister a.D. Kurt Romstöck, zum Ehrenmitglied. Foto: Erich Zwick
Prominentester Gratulant: Professor Dr. Manfred Treml aus München, der Vorsitzende des Verbandes Bayerischer Geschichtsvereine. Höhepunkt der Jubiläumsveranstaltung: die Verleihung der Ehrenmitgliedschaft an Oberbürgermeister a.D. Kurt Romstöck durch Erste Vorsitzende Anni Lang. Den Festvortrag hielt Professor Dr. Alois Schmid (München), Inhaber des Lehrstuhls für Bayerische Landesgeschichte, über die Wehrhaftigkeit Neumarkts im Bayerischen Erbfolgekrieg 1504/05. Da schlug das Herz eines jeden Ur-Neumarkters höher, als er sich in die Zeit zurückversetzt fühlte, zu der seine Ahnen der Begehrlichkeit Nürnbergs auf ihr Oberpfälzer Territorium Einhalt geboten. Ganz Gegenteiliges wußte Oberbürgermeister Alois Karl zu berichten, als er an das Schleifen des Oberen Tores erinnerte, weil die Neumarkter Bürger der von Nürnberg herangebauten Eisenbahn und ihren Passagieren den Weg in die Stadt ebnen wollten. Da einigen Traditionalisten der eingeleitete Wandel zur Industrie- und Gewerbestadt zu rasant voranschritt, wollte man mit einem Heimatverein gegensteuern. Dieser wurde am 14. September 1904 in der "Goldenen Gans" (heute "Mittlere Gans") aus der Taufe gehoben. Bei der Gründung gehörten ihm 120 Mitglieder unter dem damaligen Vorsitzenden Bürgermeister Joseph Weißenfeld an; heute sind es mehr als 400 unter Anni Lang. Das Jubiläum hob Alois Karl als einen "ungewöhnlichen Tag" hervor, obwohl es in der Stadt noch mehr Vereine gibt, die auf eine noch längere Tradition zurückblicken können: so den ASV Neumarkt von 1860 oder gar die Schützengesellschaft von 1433. Selbst Personen sind noch älter als der Jubelverein. So haben bereits vier Frauen die Jahrhundertschwelle überschritten und ein "Herr der Schöpfung" steht mit seinen 99 unmittelbar davor. "Durchhalten, durchhalten", habe er dem ersten Neumarkter, der diese "Schallmauer" durchbricht, mit auf den Weg gegeben, berichtete das Stadtoberhaupt. "Die Geschichte darf nicht verschleudert werden", rechtfertigte Alois Karl die Existenz historischer Vereine und dem jubilierenden Verein bescheinigte er, "die ungeschminkte Geschichte unserer Stadt der Nachwelt zu erhalten." Ein "Geburtstagsgeschenk" gibt's allerdings erst im nächsten Jahr, wenn im renovierten und sanierten "Schreiberhaus" der Historische Verein ausreichend Räume erhält. Landrat Albert Löhner hob in seinem Grußwort hervor, dass der Verein hart am Ziel arbeite, "Verständnis für das überkommene historische Erbe, das in zunehmendem Maße gefährdet ist, zu wecken." Da sich der Festakt zum 100. Jubiläum nicht in ein 100-minütiges Zeitkorsett pressen ließ, mußte der anschließende Stehempfang nach den von Benedikt Niedermayer (Blockflöte), Veronika Rauchensteiner (Klavier) und Moritz Kolb (Violoncello) hervorragend dargebotenen Werken von Christoph Willibald von Gluck bis weit übers Zwölfuhrläuten auf sich warten lassen und auf den einen oder anderen Ehrengast (u.a. Dekan Richard Distler, MdL Herbert Fischer) ganz verzichten. Erich Zwick
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