Bedrohlicher "Landfraß"

Am Freitag fand das traditionelle Ernte-Pressegespräch statt. Unsere Aufnahme entstand im Vorjahr.
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NEUMARKT. Die Witterungsverhältnisse in diesem Jahr sind wieder ein entscheidender Faktor für eine erfolgreiche Ernte 2012, stellte BBV-Bezirkspräsident Franz Kustner beim Ernte-Pressegespräch des Bayerischen Bauernverbandes im Bezirksverband Oberpfalz heraus.
Dabei haben die Kahlfröste im Winter und die Trockenheit im Frühjahr teilweise erheblichen Schaden verursacht. Die Niederschläge in den ersten Juni-Wochen waren dagegen ein wahrer Segen für die Bauern.
Im gesamten Vegetationsverlauf kann die Natur viel ausgleichen, erklärt Präsident Kustner, aber durch Extrem-Ereignisse, wie zum Beispiel Starkregen und Hagel, können hohe Ertragsverluste entstehen. Insbesondere eine anhaltende Regenperiode zur Erntezeit kann sich noch mit großen Ertrags- und Qualitätsverlusten auswirken. Welche Mengen und Qualitäten die Getreideernte 2012 bringen wird, so Kustner, werde man erst wissen, wenn das Getreide gewogen in der Scheune ist.
Insgesamt stehen in der Oberpfalz über 150.000 ha Getreide zur Ernte an. Damit ist die Region ein wichtiges Anbaugebiet in Bayern, betont Präsident Kustner. In einigen Gebieten haben die Kahlfröste beim Wintergetreide so große Schäden verursacht, dass die Bestände umgebrochen werden mussten. Besonders betroffen war der Landkreis Cham, berichtet der Stellvertretende Bezirkspräsident Josef Wutz. Deshalb rechnen viele Landwirte in diesen Bereichen mit einer schlechten bis durchschnittlichen Getreideernte, so Wutz.
Die Marktexperten schätzen, dass auch in diesem Jahr Weizen und Gerste knapp bleiben und dadurch mit besseren Preisen gerechnet werden kann. Dies ist auch notwendig, stellt Präsident Kustner heraus. Vor allem die Betriebsmittel, wie Dünger, Pflanzenschutz und Energiekosten, sind in den letzten Jahren stark gestiegen. Deshalb sind höhere Getreidepreise für die Bauern zur Kostendeckung notwendig.
Die zu erwartenden Steigerungen der Erzeugerpreise für Getreide haben aber kaum Einfluss auf die Brotpreise, denn der Landwirt erhält von jeder Semmel durchschnittlich nur einen Cent. Selbst eine Verdoppelung des Getreidepreises würde daher nur zu marginalen Auswirkungen auf den Brotpreis führen, hieß es.
Gleichzeitig macht BBV-Bezirkspräsident Kustner bei der Aktion auf dem Wullnhof auch auf den enormen "Landfraß" aufmerksam. Pro Sekunde gehen in Deutschland den Bauern zehn Quadratmter landwirtschaftliche Nutzfläche verloren. Auf zehn Quadratmter Ackerland erntet ein Landwirt durchschnittlich 7,5 Kilo Weizen. Aus dieser Menge werden 150 Semmeln gebacken. Mit dem Landfraß gehe damit der heimischen Landwirtschaft nicht nur die Existenzgrundlage verloren, sondern es werden bezogen auf die Getreidefläche pro Sekunde 150 Semmeln vernichtet, hieß es.
Die Fläche ist nicht vermehrbar, betont Stellvertretender Bezirkspräsident Wutz. Um die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln und nachwachsenden Rohstoffen auch in Zukunft sichern zu können, muss der Flächenentzug eingeschränkt werden und die wachsende Bevormundung der Grundstückseigentümer und Bewirtschafter ein Ende haben, fordert Präsident Kustner.
Passend zur Erntezeit präsentiert der Bayerische Bauernverband auch das neue Plakat "Brötchengeber". Unter dem Motto "Landwirtschaft – von heute für morgen" hat der BBV im vergangenen Monat eine landesweite Plakat-Kampagne gestartet.
13.07.12
Neumarkt: Bedrohlicher "Landfraß"