Viele „befristete Arbeitsverträge“

In der Reinigungsbranche sind befristete Stellen stark verbreitet – und werden für die
Betroffenen oft zur Falle, hieß es von der Gewerkschaft
NEUMARKT. Bei 28 Prozent aller Neueinstellungen im Landkreis gibt es für die Arbeitnehmer nur einen „befristeten Arbeitsvertrag“.
Und damit haben sie nach Ansicht der Gewerkschaft ein besonders hohes Risiko, ihre Stelle zu verlieren. „Die Zahlen zeigen, dass auf dem heimischen Arbeitsmarkt etwas aus dem Ruder gelaufen ist“, sagte Gewerkschaftssprecher Manfred Götz.
Von rund
1900 Arbeitsverträgen, die im zweiten Quartal neu abgeschlossen wurden, waren etwa
540 befristet, sagte der stellvertretende Bezirksvorsitzende der IG Bau unter Verweis auf eine aktuelle Auswertung des
Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung.
In der Corona-Krise könnten Befristungen für die Betroffenen leicht zur Falle
werden, wenn Unternehmen solche Stellen nicht mehr verlängern, hieß es
Nach Beobachtung des Gewerkschafters sind befristete Stellen in Branchen wie der
Gebäudereinigung und der Landwirtschaft stark verbreitet. Junge Beschäftigte seien
besonders häufig betroffen.
„Wer als Berufseinsteiger eine Wohnung finden oder einen
Kredit aufnehmen will, der hat mit einem befristeten Vertrag schlechte Karten. Wegen der
Unsicherheit muss manchmal sogar der Wunsch nach eigenen Kindern vertagt werden“,
sagte Götz.
Die Gewerkschaft forderte die Bundesregierung dazu auf, ihr Versprechen aus dem
Koalitionsvertrag umzusetzen und Befristungen ohne einen sogenannten Sachgrund
einzudämmen. Als Sachgründe gelten etwa eine Schwangerschaftsvertretung oder eine
Probezeit.
Ein aktueller Gesetzentwurf von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) sieht vor,
dass sachgrundlose Befristungen künftig nur maximal 18 statt bisher 24 Monate
andauern und in diesem Zeitraum nur noch einmal statt wie bisher dreimal verlängert
werden dürfen. In Betrieben mit mehr als 75 Beschäftigten sollen solche Verträge auf
höchstens 2,5 Prozent der Belegschaft begrenzt werden.
„Bisher stand die Union bei diesem Vorhaben auf der Bremse. Aber das Gesetz ist
überfällig – und es bleiben nur noch wenige Wochen, um es in dieser Legislaturperiode
durch den Bundestag zu bringen“, sagte Gewerkschafter Götz. Die Pandemie habe
gezeigt, dass neben den kaum abgesicherten Minijobs und Leiharbeitsverhältnissen auch
Befristungen alles andere als krisenfest seien.
Im zweiten Quartal letzten Jahres waren im bundesweiten
Durchschnitt gut 39 Prozent aller Neueinstellungen befristet. In der Altersgruppe bis
25 Jahren hatten knapp 51 Prozent aller neu abgeschlossenen Verträge ein Ablaufdatum
- Azubis nicht mitgerechnet. Frauen seien häufiger von Befristungen betroffen als Männer,
auch ein Migrationshintergrund wirke sich negativ aus, so das Institut für Arbeitsmarkt- und
Berufsforschung. Im vergangenen Jahr wurden befristete Verträge seltener
verlängert, die Personalabgänge nach Befristungsende stiegen an und die Zahl der
Übernahmen in unbefristete Beschäftigung sank deutlich.
10.05.21
Neumarkt: Viele „befristete Arbeitsverträge“