Negative Prognosen


In den meisten Branchen - wie beim Bau - bewegt sich die Geschäftslage noch im deutlich positiven Bereich
Foto: Archiv/IG Bau
NEUMARKT. Der Konjunkturbericht der Industrie- und Handelskammer für den Herbst meldet eine stabile Lage aber auch negative Prognosen.

Noch zeigt sich die regionale Konjunktur einigermaßen robust, hieß es. Die Unternehmen kämen aus einem guten Sommer und arbeiten bestehende Puffer und Aufträge ab.

Gleichzeitig seien aber die Erwartungen der Firmen an die kommenden Monate so schlecht wie nie zuvor, sagte IHK-Präsident Michael Matt mit Blick auf die Konjunkturumfrage im Herbst bei 280 Unternehmen aus Industrie, Handel und Dienstleistungen aller Größen. Wegen Wirtschaftshemmnissen, Versorgungsengpässen und explodierenden Preisen in Kombination mit inflationsbedingt mangelnder Konsumlaune hätten die Betriebe keinen Planungshorizont. Darüber hinaus fehle wegen der exorbitanten Kostenbelastung bei Energie und Rohstoffen der finanzielle Spielraum für Investitionen.

Mit Ausnahme des Tourismus bewegt sich die Geschäftslage der Branchen aktuell im deutlich positiven Bereich. In der Bauwirtschaft lassen Auftragsreserven und kurzfristige Aufträge die Beurteilungen sogar leicht ansteigen. Auch wenn der Auftragsbestand in der Industrie leicht rückläufig ist, die Zahlen sind vergleichbar mit der Situation vor der Pandemie 2019. Bei einigen Rohstoffen wie etwa den Kunststoffen haben sich die Preise in den letzten Monaten etwas entspannt. Bereits jetzt schlagen vor allem die Erhöhungen der Energiepreise bei den Betrieben durch. Umsatzrückgänge melden vor allem Dienstleister, deren Auftraggeber aus der Industrie wegen der gegenwärtigen Planungsunsicherheit zurückhaltend bleiben.


Der Anteil der Unternehmen, die über Forderungsausfälle bei Kunden und Lieferanten berichten, hat sich gegenüber dem Frühjahr um 5 Punkte auf 25 Prozent erhöht. Deutlich gestiegen sind die Befürchtungen, dass die Preissteigerungen in den nächsten Monaten zu verstärkten Zahlungsausfällen führen werden. Erste Anzeichen dazu liefern auch die Angaben zum aktuellen Liquiditätsstatus, den immer mehr Unternehmen nur noch mit „befriedigend“ bewerten. „Nicht nur die steigenden Material- und Energiepreise, sondern auch die verzögerte Auslieferung von Waren, die wegen fehlender Teile nicht abgerechnet und ausgeliefert werden können, schmälern die Liquidität unserer Unternehmen“, sagte Matt. Der Zugang zu Fremdkapital hat sich nach Angaben der Befragten im Vergleich zu den Vorumfragen nicht verschlechtert, allerdings seien die Zinskosten gestiegen.

Im Export zeigt sich eine schwächelnde Weltkonjunktur. Auftragszuwächse konnten nur in Süd- und Mittelamerika sowie in Asien – ohne China – erzielt werden. Erstmals seit langem fließen Wechselkursrisiken wieder mehr in die Entscheidungen der Einkaufsabteilungen ein. Sie erschweren das Importgeschäft und rücken daher bei jedem zweiten Unternehmen die Eurozone verstärkt als Beschaffungsmarkt in den Fokus. Der schwache Euro treibt zudem die Energiepreise in die Höhe.

Die Erwartungen für die nächsten Monate liegen in allen Branchen auf einem Allzeit-Tief. Nur neun Prozent der Befragten blicken noch optimistisch in das neue Jahr. Wegen der vergleichsweise hohen Energiekosten sei die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland „bereits länger gefährdet“, nun würden besonders die energieintensiven Unternehmen eine „De-Industrialisierung“ befürchten. Eine große Herausforderung für die heimischen Betriebe blieben die instabilen Lieferketten. Mit einer Verbesserung bei der Versorgung mit relevanten Rohstoffen, Vorprodukten und Waren rechnet ein Viertel im kommenden Jahr, 29 Prozent sehen eine Beruhigung erst ab 2024. Die Umfrageteilnehmer kritisieren die „fehlenden politischen Entscheidungen zur Lösung der Energiekrise“ und die mangelnde Unterstützung des heimischen Mittelstandes.

neumarktonline-Leser können sich den Konjunkturbericht hier herunterladen.
28.10.22
Neumarkt: Negative Prognosen
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