Kinderpornos: Razzia in Neumarkt


Auch im Landkreis Neumarkt fand eine Hausdurchsuchung bei einem mutmaßlichen Nutzer von Kinderpornos statt
Symbolfoto: Pixabay
NEUMARKT. Im Rahmen eine Operation zur Bekämpfung des sexuellen Missbrauchs von Kindern wurde auch eine Wohnung im Landkreis Neumarkt durchsucht.

Bei einer konzertierten Aktion zahlreicher Polizeibehörden in der ganzen Welt gab es Durchsuchungen in 38 Staaten, darunter auch 13 deutschen Bundesländern.

Die Polizei spricht von einem „internationalen Schlag gegen die Darknet-Plattform KidFlix“.

„...niemals sicher fühlen“

NEUMARKT. „Wer solche abscheulichen Straftaten begeht, kann sich in Bayern niemals sicher fühlen“, sagten Innenminister Joachim Herrmann und Justizminister Georg Eisenreich in einer Pressekonferenz kurz nach der Veröffentlichung in neumarktonline.

Eisenreich dankte ausdrücklich den Staatsanwälten der im Jahr 2022 gegründeten "Zentralstelle Cybercrime Bayern". Sie übernimmt grundsätzlich die Ermittlungsverfahren wegen Kindesmissbrauch und Kinderpornografie in besonders komplexen Fällen und bei technisch schwierigen Ermittlungen.
Laut Landeskriminalamt wurden bereits vor drei Wochen an einem gemeinsamen „Action Day“ neun Durchsuchungen in Bayern bei neun Tatverdächtigen durchgeführt - darunter war auch ein Fall im Landkreis Neumarkt, wie die Behörde gegenüber neumarktonline bestätigte. Ob es dabei zu Festnahmen kam blieb offen.

Auf Ersuchen des Bayerischen Landeskriminalamts übernahm „Europol“ die weltweite Koordination der Operation und beteiligte sich durch Datenanalysen unmittelbar an den erfolgreichen Ermittlungen. Neben dem Bundeskriminalamt auf nationaler Ebene initiierte Europol international die Identifizierung von Opfern und hatte so einen wichtigen Anteil an der erfolgreichen Durchführung dieser bedeutenden Maßnahme zur Bekämpfung des sexuellen Missbrauchs von Kindern, hieß es.

Bereits seit Anfang 2022 beschäftigen sich die bayerischen Ermittler mit der Darknet-Plattform „KidFlix“. Abweichend von anderen bereits bekannten derartigen Plattformen legt „KidFlix“ über den Download von Bildern hinaus den Fokus auf das Streamen von Videodateien, die teilweise den schweren sexuellen Missbrauch von Kindern zeigen.

Nach Registrierung und Bezahlung eines Zugangs mit Kryptowährungen standen den internationalen Usern mehr als 91.000 Videos in hoher Bildqualität mit einer Gesamtlaufzeit von 6.288 Stunden zur Verfügung. Im Schnitt wurden rund 3,5 Videos pro Stunde neu auf die Plattform geladen.


Die mit Unterstützung der Behörden in den Niederlanden und der Schweiz geführten Ermittlungen richteten sich gegen die Betreiber sowie etwa 190.000 Nutzer der Plattform, die im Zeitraum von April 2022 bis jetzt registriert waren. Durch die umfangreichen Ermittlungen gelang es, weltweit bislang 1393 Tatverdächtige trotz der von ihnen versuchten Verschleierung ihrer Identität ausfindig zu machen. Im Mittelpunkt der Ermittlungen stand dabei vor allem die akribische Nachverfolgung der Bezahlwege über Kryptowährungen, wobei es den Spezialisten des BLKA in mehreren Fällen gelang, diese trotz der Verwendung von Mixing-Diensten und von besonders auf Anonymität ausgelegten Kryptowährungen zu den Beschuldigten zurückzuverfolgen.

Während des gesamten Verfahrens traten die Ermittler erkannten Gefahren für Kinder sofort wirksam entgegen. Sobald beispielsweise bekannt wurde, dass Kinder bei den Tatverdächtigen wohnten, wurden diese Verfahren an die jeweils zuständigen Justiz- und Polizeibehörden abgegeben, um unmittelbar geeignete Maßnahmen zum Wohle der Kinder ergreifen zu können. Die Identifizierung von missbrauchten Kindern war wesentlicher Bestandteil der Arbeit: So konnten unter anderem Kinder, die Opfer von sexuellem Missbrauch geworden waren, in Nordrhein-Westfalen in Schutz genommen und in Brandenburg identifiziert werden.

Kriminalbeamte des Polizeipräsidiums Mittelfranken durchsuchten bereits am 24. Januar die Wohnung eines 30jährigen Mannes. Nachdem bekannt geworden war, dass er sich kinderpornographisches Material auf der Plattform „KidFlix“ angesehen haben soll, wurde auch sein familiäres Umfeld sofort überprüft. Im gemeinsamen Haushalt lebten zwei minderjährige Kinder. Nach der Durchsuchung und Sicherstellung von Beweismitteln wurden die Kinder unmittelbar in die Obhut des zuständigen Jugendamtes übergeben, sie befinden sich jetzt nicht mehr in der Familie.

Als Ausfluss der internationalen Ermittlungen konnte auf der Grundlage der durch das BLKA erlangten und zur Verfügung gestellten Kryptowährungsdaten ein mutmaßlicher Missbrauchstäter in den Vereinigten Staaten verhaftet werden. Der Verdächtige soll Wiederholungstäter sein, der des anhaltenden Missbrauchs eines ihm bekannten minderjährigen Kindes beschuldigt wird, mit möglichen weiteren Opfern.

Am 10. März nahmen Beamte des Zentralen Kriminaldienst Hannover einen 52jährigen Mann in Hannover fest. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung fanden sie mehr als 70 Datenträger, eine Sex-Puppe, die den Körper eines kleinen Mädchens nachahmte, diverse Betäubungsmittel und Hinweise auf das Betreiben einer Darknet-Handelsplattform für Betäubungsmittel.

Am 11. März wurde der Server, auf dem sich zu diesem Zeitpunkt etwa 72.000 Videos befanden, mit Unterstützung der niederländischen Behörden beschlagnahmt. Die Webseite ist nunmehr mit einem Beschlagnahmebanner versehen.

Einen Tag zuvor hatten Beamte an die Tür eines Verdächtigen im Landkreis Neumarkt geklopft.
02.04.25
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Telefon Redaktion


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