„Wirtschaft leidet“

Die Baubranche verlässt nach Meinung der IHK eine Talsohle
Foto: Gewerkschaft
NEUMARKT. Die Wirtschaft in der Region leidet laut aktuellem Konjunkturbericht der IHK unter Kostensteigerungen und versucht gegenzuhalten.
Die Folgen des Konflikts im Nahen und Mittleren Osten würden den vorsichtigen Aufwärtstrend der regionalen Konjunktur vom Jahresbeginn abwürgen. An der Umfrage nahmen 275 Unternehmen aller Größen und Branchen teil.
Die Firmen würden sich gegen die anhaltenden Krisen stemmen, sagte IHK-Präsident Christian Volkmer. So bewerten 28 Prozent der Unternehmen ihre Geschäftslage noch als gut, weitere 53 Prozent als zufriedenstellend. Nur 19 Prozent verzeichnen eine schlechte Situation.
Seit 2019 befinden sich die heimischen Betriebe laut Volkmer im Dauerkrisenmodus. Auf eine schwächelnde Industrie folgte die Pandemie, dann der Ukraine-Krieg und nun geopolitische Spannungen im Nahen und Mittleren Osten. Das verschärfe bestehende Probleme: Erhöhte Rohstoff- und Energiepreise, besonders bei Kunststoffen und Kraftstoffen, belasten alle Branchen und Wertschöpfungsketten. Nicht alle Unternehmen können diese Kostensteigerungen durch Vertragsklauseln oder schnelle Preisanpassungen an ihre Kunden weitergeben.
„Angesichts der zahlreichen Schocks halten sich Teile des Wirtschaftsstandorts wacker“, sagte IHK-Konjunkturexpertin Sibylle Aumer. Über ein Viertel aller Befragten verzeichnet eine gestiegene Kapazitätsauslastung trotz der enormen Kostenbelastungen. Diese Widerstandskraft könne sich in der gesamten Breite der Wirtschaft nur durch die richtigen Rahmenbedingungen und Planungssicherheit entfalten.
In der regionalen Leitbranche Industrie setzt sich der leichte Aufwärtstrend zum Jahreswechsel nicht fort. 34 Prozent der Befragten berichten von spürbaren Lieferkettenengpässen, etwa durch fehlende Vorprodukte infolge der Blockade der Straße von Hormus. Das entspricht einer Verdoppelung gegenüber dem Vorjahr. Dramatisch ist der Geschäftseinbruch im Handel. Die Baubranche indes verlässt die Talsohle. Der Dienstleistungsbereich kommt trotz zunehmend negativer Lage noch am besten weg. Die Tourismusbetriebe erwarten eine gute Sommersaison.
Während der Auslandsumsatz in den ersten Monaten des Jahres gestiegen ist, zeigt sich ab April ein rückläufiges Auftragsvolumen außerhalb Deutschlands. 58 Prozent der Exportunternehmen konnten ihr Exportniveau halten. Die unplanbare Zollpolitik der USA und außenpolitische Unwägbarkeiten führen zu erheblichen Schwankungen bei Aufträgen aus Nord- und Mittelamerika, Osteuropa und der Türkei.
Bei den Zollhürden hat sich der Anteil erheblich beeinträchtigter Industriebetriebe seit Herbst 2025 von 22 auf elf Prozent halbiert. Insgesamt berichten zwar 44 Prozent von negativen Auswirkungen. Vor allem die Industrieunternehmen reagieren jedoch zunehmend routiniert auf neue Zollregelungen.
Die Erwartungen für die nächsten Monate mit Blick auf chinesische und asiatische Märkte bleiben rückläufig. Erfolgreich bleiben die Exportunternehmen, die mit mehreren Zielländern breit aufgestellt sind.
Nur 15 Prozent der Industrieunternehmen wollen derzeit im Inland investieren. Das ist ein Tiefpunkt seit der Coronakrise 2020. Wegen der unsicheren wirtschaftlichen Lage sinken Pläne für Auslandsinvestitionen auf 43 Prozent. Wegen der Kostenbelastungen konzentrieren die Firmen ihre Budgets auf Ersatzbedarf und Rationalisierung. Immerhin möchte ein Drittel der Auslandsinvestoren seine Kapazitäten ausbauen.
„Unkalkulierbare politische Entscheidungen und Kostensteigerungen erschweren unternehmerische Entscheidungen. Die Firmen sind frustriert, ihnen fehlt eine langfristige Perspektive“, sagte IHK-Präsident Volkmer. 54 Prozent der Befragten spüren direkte Auswirkungen durch die Wirtschaftspolitik der Bundesregierung. Von denen wiederum berichten 34 Prozent über konkrete Nachteile.
Mit Ausnahme der Bauwirtschaft und des Tourismus prognostizieren alle Branchen angesichts schlechter Erwartungen einen Mitarbeiterrückgang. Damit verharren die Beschäftigungspläne seit Anfang 2024 insgesamt im negativen Bereich.
neumarktonline-Leser können den Konjunkturbericht hier herunterladen.
26.05.26
Neumarkt: „Wirtschaft leidet“