Kein Grund zur Panik: Naturschützer geben Tipps

Wespen können jetzt wieder so manches Treffen am Gartentisch stören
Foto: Peter Bria/LBV Archiv
NEUMARKT. Kaum steht der Obstkuchen auf dem Gartentisch, sind sie schon da: Auch in Neumarkt kreisen derzeit häufig Wespen über dem Teller.
Wenn die gelb-schwarzen Insekten mit der schlanken Taille jetzt die Esstische ansteuern, kann der Genuss von Speisen unter freiem Himmel schnell unangenehm werden.
Doch der bayerische Naturschutzverband LBV gibt Entwarnung: Die Begegnung mit den ungebetenen Gästen ist kein Grund zur Panik. „Zum Beispiel hilft ein mit Leitungswasser gefüllter Zerstäuber, um die Insekten ganz einfach und naturverträglich auf Abstand zu halten“, sagte LBV-Insektenexpertin Tarja Richter.
Ähnlich wie im Vorjahr sorgte der warme und trockene Frühling 2026 für viele Wespen. Bis etwa Ende August, solange die aktuelle Königin lebt, werden noch Eier gelegt und Larven mit Eiweiß versorgt. Vor allem im Spätsommer, wenn die Larven im Nest immer weniger werden, fliegen die Arbeiterinnen aus, um Futter für sich selbst zu sammeln. „Wespen, die eine Aufgabe im Stock haben, jagen Insekten oder gehen an das vorbereitete Grillfleisch. An den Kuchen kommen vor allem die Rentnerwespen, die keine Aufgabe mehr haben und nur sich selbstversorgen“, sagte Tarja Richter.
Viele vermeintlich hilfreiche Tricks, um Wespen dauerhaft fernzuhalten, wie etwa auf den Tisch gelegte Kupfermünzen, sind allerdings nutzlos. „Fangfallen haben sogar einen negativen Einfluss, da noch mehr Tiere angelockt werden. Außerdem sind sie illegal, weil Wespen laut Bundesnaturschutzgesetz nicht ohne vernünftigen Grund gefangen oder verletzt werden dürfen“, so Tarja Richter. „Besonders bei Gewitter oder zum Ende der Flugzeit steigt bei vielen Wespen die Aufdringlichkeit. Dann geht man ihnen am besten aus dem Weg.“
Klappt das nicht, ist es wichtig Ruhe zu bewahren, wenn Wespen einem zu nahekommen. Hektische oder panische Bewegungen sollten in der Nähe der gelb-schwarz-gestreiften Hautflügler vermieden werden. Wespen reagieren bei der Nahrungssuche außerhalb ihres Nestbereichs nicht aggressiv. Sie wehren sich erst, wenn sie sich bedroht fühlen. „Die Wespe auf keinen Fall wegpusten, denn das Kohlendioxid in der Atemluft ist ein Alarmsignal für die Tiere und versetzt sie in Angriffsstimmung. Eine wirksame Methode im Umgang mit Wespen ist es, das Insekt mit zerstäubtem Wasser zu besprühen. Die Wespe denkt, es fängt an zu regnen und flüchtet zurück in ihr Nest“, erklärt Richter. Die Sprühflasche sollte man unbedingt mehrmals auswaschen, da Rückstände von Reinigungsmitteln den Insekten ernsthaft schaden können.
Mit ein paar einfachen Verhaltensregeln lassen sich unliebsame Zwischenfälle oft vermeiden: Lebensmittel und Getränke im Freien sollten abgedeckt und alle Reste nach der Grillparty sofort wieder weggeräumt werden. „Wichtig ist es auch, Kinder mit Strohhalm trinken zu lassen und ihnen nach dem Essen das Gesicht und die Hände abzuwischen, um die Wespen nicht anzulocken“, so die LBV-Insektenexpertin. Wespen können zudem von Gerüchen wie duftendem Parfüm, Cremes und Holzmöbelpolitur angezogen werden. Aber auch bunt geblümte Kleidung hat für sie ihren Reiz. Weiterhin sollte man immer den Mülleimer und Kompost abgedeckt halten. Fliegengitter oder eine Raumschleuse, wie zum Beispiel ein Vorhang nach der Eingangstür, sind nützlich, um Wespen aus Wohnung und Haus fernzuhalten.
Wespen haben eine wichtige Rolle im Ökosystem, denn sie regulieren die Bestände anderer Insekten wie Stechmücken oder Kohlweißling-Raupen. Wespen nützen den Menschen also auch in Landwirtschaft und Gartenbau. Sie bestäuben auch einige Pflanzenarten, wie Fenchel oder Wilde Möhre. Als geflügelte Gesundheitspolizei beseitigen sie zudem Aas. Doch trotz ihres ökologischen Nutzens genießen sie bei vielen einen schlechten Ruf als Störenfriede beim gemütlichen Grillen im Garten. „Doch wer bei Wespen gleich ans Stechen denkt, liegt falsch“, sagt Tarja Richter. „Nur etwa jede fünfte der weltweit rund 137.000 Wespenarten hat einen Wehrstachel. An den Esstisch auf der Terrasse kommen nur die Gemeine und die Deutsche Wespe, die beiden verbreitetsten Arten“, so die Insektenexpertin weiter. Wer aber die Tiere nicht bedrängt oder nach ihnen schlägt, hat wenig zu befürchten.
26.07.26
Neumarkt: Kein Grund zur Panik: Naturschützer geben Tipps