Hat die Bahn dreistelligen Millionenbetrag gespart?

Die sanierte Bahnstrecke bei Neumarkt
Foto: Daniel Karmann
NEUMARKT. Ab Samstag sollen zwischen Nürnberg und Regensburg wieder alle Züge fahren. Die erste Korridorsanierung in Bayern ist abgeschlossen.
Und dabei fällt die Kostenprognose um einen „dreistelligen Millionenbetrag“ niedriger aus als ursprünglich erwartet, hieß es von der Bahn in einer Erklärung am Freitag.
Dabei brachte der DB-Infra-GO Vorstandsvorsitzender Philipp Nagl auch die Verzögerung bei der Bau-Fertigstellung zur Sprache, die man bei der Bahn ausdrücklich bedauere. Gerade bei Zeitplänen müssen wir künftig noch verlässlicher werden, sagte er selbstkritisch. Die für 10. Juli geplante Fertigstellung der aufwändigen Sanierungsarbeiten hatten sich bekanntlich um drei Wochen verzögert (
wir berichteten).
Kritik an der Verzögerung äußerten am Freitag auch der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr Ulrich Lange und der bayerische Verkehrsminister Christian Bernreiter.
Im Rahmen der Korridorsanierung habe die DB Infra-GO in Zusammenarbeit mit zahlreichen Baupartnern ein enormes Bauprogramm geschafft, hieß es. Erneuert oder neu gebaut wurden über 100 Kilometer Gleise, über 100 Kilometer Oberleitung und 1.300 Oberleitungsmasten, 74 Weichen, zwei neue Überleitstellen für mehr Flexibilität im Zugverkehr, 20 Bahnhöfe, eine Brücke, zwei Durchlässe sowie die Bahndämme in Pölling und Deining wurden mit aufwändigen Spezialverfahren saniert. Dazu kam die Modernisierung der Innenanlage von acht Stellwerken sowie der Signale und des Achszählsystems.
Es konnte sogar mehr als die ursprünglich geplante Infrastruktur erneuert werden, da während der Bauphase im Zuge von Prüfungen der Anlagen weitere Sanierungspotenziale erkannt und in den Bauablauf integriert werden konnten.
Positives gab es bei den Finanzen: die Bahn hat die Kostenprognose für die Korridorsanierung Nürnberg – Regensburg um einen dreistelligen Millionenbetrag abgesenkt. Die Sanierung werde also nach aktuellem Stand günstiger als ursprünglich geplant. Die finalen Kosten stehen aber erst fest, wenn alle Abrechnungen und Nachforderungen abgeschlossen sind.
Die 20 Stationen entlang der Strecke Nürnberg – Regensburg hat die DB Infra-GO modernisiert und aufgewertet. Je nach Zustand des Bahnhofs wurden verschiedene Maßnahmen umgesetzt, um die Stationen und das Bahnhofsumfeld attraktiver zu gestalten. Dazu gehören unter anderem neue Bahnsteige, moderne Fahrgastinformationssysteme, Wetterschutzanlagen, neue Aufzüge, Personenunterführungen, Zugänge und energiesparende Beleuchtung.
Züge des Fern- und Güterverkehrs verkehrten in den vergangenen fünf Monaten weitgehend stabil auf den Umleitungsstrecken, hieß es.
Auch Unternehmen mit Gleisanschluss im Bereich der Korridorsanierung konnten zuverlässig angefahren werden. Seit Beginn der Korridorsanierung wurden trotz Streckensperrung rund 400 Bedienfahrten für Unternehmen mit Gleisanschluss durchgeführt. Für einen reibungslosen Bauablauf übernahmen viele lokale Unternehmen aus der Region die Materialversorgung, auch die Anlieferung der neuen Schwellen erfolgte direkt aus dem Baufeld.
Im Regionalverkehr hat die DB Infra-GO in Zusammenarbeit mit der Bayerischen Eisenbahngesellschaft, den Eisenbahnverkehrsunternehmen agilis, DB Regio Bayern und Busfirmen einen umfangreichen Ersatzverkehr mit über 90 modernen Bussen auf die Straße gebracht. Seit Februar haben sie Fahrgäste „größtenteils pünktlich und zuverlässig“ an ihr Ziel gebracht, hieß es. Die „Pünktlichkeitsquote“ der Ersatzbusse habe bei rund 96 Prozent gelegen.
Auf dem Streckenabschnitt Nürnberg – Regensburg finden nun noch geplante nachgelagerte Restarbeiten statt, wie etwa der Abbau der Baustelleneinrichtungsflächen, Randwegsarbeiten und der Abriss von Gebäuden. In Neumarkt wird die Außenfassade des Bahnhofsgebäudes saniert, das Bahnhofsgebäude bleibt weiterhin geöffnet. Am Haltepunkt Deining wird 2027 eine barrierefreie Zuwegung zum Bahnsteig 2 errichtet. Ebenso wird an einigen Stationen das Bahnhofsumfeld in enger Abstimmung mit den Kommunen neugestaltet. Die Arbeiten haben keinen Einfluss auf den Zugbetrieb.
Zusätzlich ist der Bau von drei Überholgleisen in Planung, unter anderem in Parsberg. Sie würden die Kapazität auf der Strecke erhöhen, weil sie schnellen Zügen ermöglichen, langsamere Züge zu überholen.
Die Sanierung der Strecke Nürnberg – Regensburg war die erste von sieben Korridorsanierungen in Bayern. Die Strecke ist mit täglich mehr als 350 Zügen eine der meistbefahrenen Bahnstrecken des Freistaats, Teil der europäischen Verkehrsachse Rhein-Donau und ein wichtiger Baustein für den grenzüberschreitenden Verkehr Richtung Österreich. Seit dem 14. Juni wird auch die Strecke Obertraubling – Passau umfassend modernisiert und erneuert.
31.07.26
Neumarkt: Hat die Bahn dreistelligen Millionenbetrag gespart?