Dunkelheit soll vor allem den Zugvögeln helfen


Viele Vögel orientieren sich am Sternenhimmel
Foto: Dr. Olaf Broders/LBV-Archiv
NEUMARKT. Es geht bei der „Earth Night“ am Freitag nicht nur darum, dass Rathaus und Münster in Neumarkt in einer Nacht nicht angestrahlt werden.

Die eher symbolische Aktion, an der sich auch die Stadt Neumarkt beteiligt, kann vor allem Zugvögel helfen, die sich unter anderem am Sternenhimmel oder dem Erdmagnetfeld orientieren.

Der Vogelzug ist bereits in vollem Gange. Vielerorts lassen sich derzeit große Schwärme von Vögeln beobachten, die sich sammeln, bevor sie ihre lange Reise in den Süden antreten. Ein großer Teil des Zuggeschehens bleibt für die Menschen jedoch unsichtbar, denn viele Arten ziehen nachts. "Während wir schlafen, herrscht über unseren Köpfen reger Flugverkehr. Gerade jetzt lohnt es sich deshalb, auch darüber nachzudenken, wie viel künstliches Licht wir in der Nacht wirklich brauchen", sagt die LBV-Biologin Dr. Lisa Gill. "Hell erleuchtete Städte oder beleuchtete Bauten in der Landschaft können nicht nur den Hormonhaushalt, sondern auch das natürliche Orientierungssystem unserer Zugvögel stören."

Um auf das Thema Lichtverschmutzung aufmerksam zu machen, unterstützt der bayerische Naturschutzverband LBV die Aktion Earth Night der "Paten der Nacht". Der Zusammenschluss von ehrenamtlich Aktiven zur Eindämmung der Lichtverschmutzung ruft am 11. September ab 22 Uhr zum sechsten Mal bundesweit dazu auf, das Licht für eine ganze Nacht auszuknipsen. Auch die Stadt Neumarkt macht wieder mit (wir berichteten).

Studien zeigen, dass Lichtverschmutzung das Flugverhalten nachts ziehender Vögel beeinflussen kann. So können besonders helle Lichtquellen dazu führen, dass Zugvögel ihre Flugrouten verlassen, um die Lichtquellen kreisen oder sich an stark beleuchteten Orten sammeln. "Auf dem Vogelzug müssen die Tiere mit ihren Kräften haushalten. Wenn künstliches Licht sie von ihrem Weg abbringt oder sie unnötig lange umherfliegen, kostet sie das wertvolle Energie", sagte Lisa Gill. Bei schlechter Sicht steigt die Gefahr zusätzlich: Licht kann die Vögel anlocken und sie in die Nähe von Gebäuden bringen, wo Kollisionen drohen. Besonders problematisch sind helle Gebäude, Brücken oder andere starke Lichtquellen.

Auch für Arten, die die Wintermonate in Bayern verbringen, kann künstliches Licht zum Problem werden: Durch das künstliche Licht kann der Hormonhaushalt der Tiere durcheinandergeraten, so dass sich ihr Verhalten und ihre natürlichen Aktivitäts- und Ruhephasen verschieben.


Die Earth Night am 11. September ist nach Meinung der Naturschützer eine gute Gelegenheit, sich bewusst anzuschauen, wo auf Licht in der Nacht verzichtet werden kann. Während Privatpersonen bereits durch das Ausschalten der Außenbeleuchtung am Haus und das Schließen der Jalousien oder Vorhänge viel bewirken können, wurden insbesondere Gewerbetreibende dazu aufgerufen, nachts die Werbebeleuchtung abzuschalten. Auch ganze Gemeinden können mitmachen. Im letzten Jahr waren neben zahlreichen Gemeinden und kleineren Städten auch schon mehrere Großstädte dabei. In Bayern haben beispielsweise Nürnberg und München auf Objekt- und Gebäude-Anstrahlungen verzichtet. Manche Gemeinden verzichteten sogar auf die gesamte Straßenbeleuchtung. "Das hilft nicht nur den Vögeln, sondern lässt auch uns Menschen wieder erleben, wie eine natürliche Nacht aussehen kann – inklusive faszinierendem Sternenhimmel", sagte Lisa Gill vom LBV.
09.09.26
Neumarkt: Dunkelheit soll vor allem den Zugvögeln helfen
Telefon Redaktion

Merz

Burgis


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