Erinnerung an Wackersdorf

In Berching trafen sich Veteranen des Wackersdorf-Widerstandes
Foto: Alfred Hillebrand
NEUMARKT. „Wenn Recht zu Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht“ - das Thema Wackersdorf stand bei einer Veranstaltung in Berching im Mittelpunkt.
Gertrud Heßlinger zitierte damit den ehemaligen
Schwandorfer Landrat Hans Schuierer, der sich, nach anfänglicher
Begeisterung, ab 1982 „seinem Gewissen und dem Wohle der
Bürger verpflichtet“, gegen die Pläne der bayerischen Staatsregierung
zum Bau einer Wiederaufbereitungsanlage für atomare Brennstäbe bei Wackersdorf stellte.
Unzählige Vereinigungen, Bürgerinitiativen, politische Gruppierungen aus
ganz Deutschland und Österreich, und vor allem viele Einheimische und
Pfarrer unterstützten in den 1980er Jahren den Protest, der 1986 in der
„Pfingstschlacht von Wackersdorf“ gipfelte.
Anlässlich des 40. Jahrestages zeigte die Ortsgruppe Berching des Bundes Naturschutz (BN) gemeinsam mit der Kreisgruppe Neumarkt den authentischen Spielfilm „Wackersdorf“ und lud drei Zeitzeugen von damals zum Gespräch
mit dem Publikum ins Berli-Kino ein.
Neben der ehemaligen 2. Neumarkter Bürgermeisterin Gertrud Heßlinger waren der ehemalige Polizeibeamte Johann Wein und der Energieexperte im BUND und Maschinenbau-Ingenieur Franz Waldmann anwesend.
Bei allen rüttelten die bewegenden Filmszenen Erinnerungen wach, die auch den Moderator und langjährigen Aktivisten Bernhard Schinner (BN) so aufwühlten, dass er sich „nicht sicher“ war, anschließend „noch reden zu können“.
Eindrücklich erinnerte sich Johann Wein, der in Zivil vor Ort gewesen war, an eine Situation in der er „vor
seinen eigenen Kollegen“ Angst bekommen hatte. Überzogene Polizeigewalt
führten damals zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen. In der Folge trat Johann
Wein damals in die Bundesarbeitsgemeinschaft kritischer Polizeibeamter
ein und appellierte auf der Bühne eindrücklich auf die Einhaltung von
Recht und Gesetz.
„Völlig freiwillig“ hatte Franz Waldmann als
16jähriger Jugendlicher seinen Vater Ludwig Waldmann, einer „Gallionsfigur im Widerstand“, zu den Protesten begleitet und sich zu einem entschiedenen Atomkraft-Gegner entwickelte. Als stellvertretender Sprecher des Bundesarbeitskreises Atom- und Strahlenschutz im BUND engagiert er sich auch gegen die
„Powerpoint-Reaktoren“. Dies ist eine Bezeichnung für Reaktoren, „die nach
Expertenaussagen technisch kaum realisierbar sind, aber von politisch
Verantwortlichen wie dem bayerischen Ministerpräsidenten propagiert
werden“.
Ermöglicht wurde die spendenbasierte Veranstaltung durch BN-Vorstandsmitglied
Alfons Greiner. der den Film beschaffte.
Das Eingangs-Zitat stammt übrigens in Wirklichkeit nicht vom Wackersdorf-Widerstand oder auch - wie oft kolportiert - von Berthold Brecht, sondern wird noch älter dem früheren Papst Leo XIII zugeschrieben.
15.10.26
Neumarkt: Erinnerung an Wackersdorf