„Vorsichtig im Aufwind“

Die Bau-Branche hat im Landkreis Neumarkt eine besondere Bedeutung
Foto: Archiv/IG Bau
NEUMARKT. Nach langer Durststrecke liegen Industrie und Handel in der Region wieder „vorsichtig im Aufwind“, heißt es von der IHK.
Die heimische Wirtschaft blicke laut aktueller Herbst-Konjunkturumfrage wieder zuversichtlicher aufs Geschäft. Damit sei noch zur Jahresmitte nicht zu rechnen gewesen. Damals lagen da die Erwartungen der Unternehmen für ihre Geschäfte noch durchweg im negativen Bereich.
„Unsere Industrie wächst langsam wieder, vor allem dank der besseren Weltkonjunktur“, glaubt IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Jürgen Helmes.
Für breites Wachstum fordere man von der Bundespolitik strukturelle Reformen und Anreize für Privatinvestitionen sowie die Nutzung arbeitsmarktpolitischer Instrumente. Für die regionale Wirtschaft sei es etwa wichtig, Minijobs in ihrer aktuellen Ausgestaltung beizubehalten, sagte Sibylle Aumer von der IHK. „Sechs von zehn Unternehmen sprechen sich für eine Stabilisierung der Sozialversicherungsbeiträge aus.“
Mit Ausnahme der Bauwirtschaft bewerten die Unternehmen aus Industrie, Handel und Dienstleistungen in der Region ihre Geschäftslage besser als im Frühjahr. 30 Prozent der Befragten berichten von einem höheren Auftragsvolumen aus dem Inland. 35 Prozent melden eine volle Kapazitätsauslastung - der höchste Wert seit Anfang 2025. Gleichzeitig waren im Herbst bei einem Viertel der Befragten Maschinen, Mitarbeitende und Räumlichkeiten nicht ausreichend ausgelastet.
Am deutlichsten hat sich die Lage gegenüber dem Frühjahr im Handel und bei größeren Industrieunternehmen verbessert. Im Hotel-, Gaststätten- und Reisegewerbe fiel der saisonale Effekt über den Sommer ähnlich positiv aus wie im Vorjahr. Bau und Dienstleistungen verzeichneten eine Seitwärtsbewegung.
Die Unternehmen stünden jedoch weiterhin vor erheblichen Herausforderungen. Kurzfristige Kostensteigerungen, etwa bei Kraftstoff und Personal, lassen sich nicht immer durch Preisanpassungen ausgleichen und belasten dadurch die Margen. In Beschaffung und Logistik führten das Niedrigwasser im Schiffsverkehr sowie die Sperrung internationaler Seewege über den Sommer zu zusätzlichem Aufwand und höheren Transportkosten.
Der Außenhandel trage spürbar zur verbesserten Lage in der Industrie bei. 27 Prozent der befragten Industrieunternehmen verzeichnen ein höheres Export-Auftragsvolumen. Deutlich zulegen konnten die Absatzmärkte in der Eurozone, dem sonstigen EU-Raum und in China.
Eine grundlegende Beruhigung der Märkte ist jedoch nicht in Sicht: Die geopolitische Instabilität hält an. Nach Angaben von 41 Prozent der Unternehmen führt dies zu verhaltenem Wachstum in einem weiterhin herausfordernden Marktumfeld.
Trotz der gestiegenen Inlandsnachfrage zwingt die weiterhin prognostizierte Nachfrageschwäche in Deutschland insbesondere die Investitionsgüterindustrie dazu, sich auf den Export zu konzentrieren.
Die übliche Herbstbelebung am regionalen Arbeitsmarkt fällt schwach aus. Anders als die im September gesunkene Arbeitslosenquote bleiben die Beschäftigtenpläne der Befragten verhalten, der Abwärtstrend ist jedoch mit Ausnahme der Industrie gestoppt. Von den 19 Prozent aller Unternehmen, die mit einer sinkenden Beschäftigtenzahl rechnen, begründen 73 Prozent dies mit geplantem Stellenabbau. 27 Prozent davon können offene Stellen aufgrund des Arbeitskräftemangels nicht nachbesetzen.
neumarktonline-Leser können sich den Konjunkturbericht hier herunterladen.18.10.26
Neumarkt: „Vorsichtig im Aufwind“