Eigene Heidschnucken

NEUMARKT. Golfer als Naturschützer: Am Golfplatz in Lauterhofen sorgt man sich um den seltenen "Kreuz-Enzian".

Die Anlage von Golfplätzen sowie die anschließende Nutzung mit Spielbetrieb werden gemeinhin als Eingriff in das Natur- und Landschaftsgefüge gesehen. Der Golfclub Lauterhofen bemüht sich nun seit über einem Jahr über die nach der Anlage ohnehin geforderten und durchgeführten Ausgleichsmaßnahmen hinaus, durch freiwillig durchgeführte und selbstfinanzierte Maßnahmen das ökologische Clubprofil noch weiter zu schärfen. Ziel ist eine Zertifizierung nach dem Programm "Golf und Natur" des Deutschen Golf Verbandes. Mit dem Landschaftspflegeverband Neumarkt konnte hierfür ein "idealer Kooperations- und Umsetzungspartner" gefunden werden, hieß es am Donnerstag bei einem Pressegespräch.

Anlässlich eines Ortstermines am Golfplatz in Lauterhofen stellten nun der Architekt des Golfclubs, Johannes Berschneider, und der Geschäftsführer des Landschaftspflegeverbandes Neumarkt, Werner Thumann, der Öffentlichkeit die bis dato durchgeführten Maßnahmen vor. Bereits im Herbst 2005 und Frühjahr 2006 wurden an verschiedenen Stellen insgesamt 225 Sträucher und Großbäume neu gepflanzt. Ein weiterer Schwerpunkt war die Ergänzungspflanzung der angelegten Streuobstwiesenbestände sowie deren fachgerechter Erziehungsschnitt, der zumeist nach der Pflanzung unterbleibe. Die Folge sei, dass sich die Obstbäume nicht richtig entwickeln und auf Dauer sogar das Entwicklungsziel Streuobstwiese gefährdet ist.

In den letzten Wochen wurden nun auf etwa einem Hektar Fläche hochwertige Magerrasenkomplexe entbuscht und wieder freigestellt. Ziel ist dabei zum einen die Erhaltung eines attraktiven Landschaftsbildes und zum anderen der Arten- und Biotopschutz.

Eine parallel in Auftrag gegebene Untersuchung des Artenbestandes hatte nämlich ergeben, dass auf den Magerrasenkomplexen im Bereich des Golfplatzes Lauterhofen seltene und vom Aussterben bedrohte Tier- und Pflanzenarten vorkommen. Dazu zählen zum Beispiel die Silberdistel und drei Enzianarten, unter anderem der besonders seltene Kreuzenzian. An diesen angepasst findet sich auch der stark gefährdete Kreuzenzianameisenbläuling.

Diese an sehr magere und sonnige Standorte hochangepassten Arten würden ohne die nun durchgeführte Pflege auf Dauer ihre Lebensgrundlage verlieren.

Ein besonders außergewöhnliches und charmantes Detail dieser naturschützerischen Bestrebungen ist die Tatsache, dass die Folgepflege der nun entbuschten Flächen vom Golfclub Lauterhofen durch eine im Aufbau befindliche eigene Heidschnuckenherde mit 35 Tieren durchgeführt wird.

Neben den unmittelbar durchgeführten Maßnahmen begleitet der Landschaftspflegeverband Neumarkt den Golfclub Lauterhofen nunmehr dauerhaft mit seinem fachlichen Knowhow und berät in ökologischen und naturschutzfachlichen Fragestellungen.

So konnte beispielsweise auch die Pflege der bereits angelegten Heckenstrukturelemente umgestellt werden. Bis vor kurzem wurden die Flächen unter den angepflanzten Sträuchern mit Rindenmulch abgedeckt und sehr nahe an die Heckenbereiche herangemäht. Diese "Überpflege" wird auf Anraten des Landschaftspflegeverbandes nun unterlassen, so dass sich im Heckenbereich ein natürlicher Aufwuchs inklusive eines mindestens zwei Meter breiten Kräutersaumes entwickeln kann.

Seit einem Jahr ist der Golfclub Lauterhofen auch Mitglied im Landschaftspflegeverband Neumarkt. Er drücke damit den Willen und die Selbstverpflichtung aus, die Aufgabe Naturschutz wirklich ernst zu nehmen, hieß es.
14.12.06
Neumarkt: Eigene Heidschnucken
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