"Innovations-Sprung" in Sengenthal

Wirtschaftsstaatssekretärin Katja Hessel übergab den Förderbescheid an Gesellschafter Johann Bögl

Bei der Besichtigung der Baustelle im Werk Sengenthal. Die
Anlage wird zum Jahresende 2012 in Betrieb gehen
NEUMARKT. Staatssekretärin Katja Hessel hat in Sengenthal den Förderbescheid des Bayerischen Wirtschaftsministeriums für das neue Biomasseheizkraftwerk der Firmengruppe Max Bögl übergeben.
Das Sengenthaler Unternehmen baut derzeit ein Pilotprojekt mit nachhaltiger Ausrichtung, hieß es am Donnerstag. Ab Dezember 2012 wird ein Biomasse-Heizkraftwerk das Werk mit regenerativer Heiz- und Prozesswärme versorgen. Bestehende, vorwiegend gasbefeuerte Heizungsanlagen werden dadurch ersetzt. Der erzeugte Strom wird in das öffentliche Stromnetz eingespeist.
Von außen sieht man dem schlanken Baukörper des neuen Biomasse-Heizkraftwerkes (BMHKW) nicht an, was in ihm steckt. Die elegante Glas- und Isopaneelfassade fügt sich in die Umgebung der Hallenneubauten ein und setzt mit 22 Meter Höhe einen architektonischen Schlußpunkt am nördlichen Werksgelände in Sengenthal. Die Glasfassade gewährt einen Einblick auf die innovative Anlagentechnik im Inneren.
Die Wärme- und Stromerzeugung im neuen BMHKW erfolgt nämlich auf zwei verschiedene Arten: sowohl durch Biomassefeuerung wie auch durch Biomassevergasung. Die Gesamtanlage hat eine Feuerungswärmeleistung von 10,7 MW und als CO2-neutraler Brennstoff wird unbehandeltes Holz in Form von Hackschnitzeln eingesetzt.
Im Bereich der Stromerzeugung wird zur Steigerung des elektrischen Wirkungsgrades ein neuartiger Kombiprozess zum Einsatz kommen. Dieser besteht im Wesentlichen aus einer extern beheizten Gasturbinenanlage. Die handelsübliche Gasturbine hat eine Leistung von etwa 2.000 Kilowatt. Der Unterschied zu normalen Turbinen ist die Aufheizung der Turbinenluft über den Lufterhitzer.
Durch das hohe Temperaturniveau der Turbinenabluft ergeben sich vielfältige und bisher einzigartige Möglichkeiten der Abwärmenutzung. Die Wärmeauskopplung erfolgt sowohl direkt in Form von Heißluft wie auch indirekt in Form von Warmwasser und Dampf. Die Anteile der drei verschiedenen Wärmeträger sind dabei variabel und können verschoben werden. Erklärtes Ziel ist es, der Asphaltmischanlage im Sommer Heißluft mit 530 Grad für die Grundlast zur Verfügung zu stellen. Ebenso werden alle Betonmischanlagen mit Heißdampf für den Mischprozess versorgt.
Der Anteil der Wertschöpfung innerhalb der Firmengruppe am Kraftwerksneubau ist beträchtlich. Das gesamte Gebäude sowie der bauliche Stahlbau für die Anlagentechnik wurden ganzheitlich von Bögl-Experten geplant, produziert und montiert. Angefangen von den Technischen Büros im Hoch- und Stahlbau, über das Fertigteilwerk und den Stahlbau in Sengenthal sowie die dazugehörigen Montagekolonnen bis hin zum Tiefbau und der Transport der Geräte haben viele Bereiche innerhalb der Firmengruppe zum Neubau beigetragen.
Insgesamt leistet die Firmengruppe mit dem neuen Kraftwerk einen eigenen Beitrag zur Energiewende, stärkt regionale Kreisläufe und schafft für die Zukunft die Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen verbunden mit einer bisher einzigartigen Flexibilität bei der Wärmenutzung, hieß es am Donnerstag.
"Der Firmengruppe Max Bögl gelingt mit ihrer neuartigen Gasturbine ein Innovationssprung", sagte Wirtschaftsstaatssekretärin Katja Hessel am Donnerstag in Sengenthal. Mit dem Zuschuss in Höhe von knapp einer Million Euro im Rahmen des Förderprogramms "Rationellere Energiegewinnung und –verwendung" wolle man "dem Technologie- und Dienstleistungsunternehmen noch einen weiteren kräftigen Schub auf diesem zukunftsträchtigen Weg" geben.
26.07.12
Neumarkt: "Innovations-Sprung" in Sengenthal