Windrad-Bau einbremsen


Windkraftnutzung soll begrenzt werden, heißt es von den Vogelschützern
Foto: Archiv

Der Rotmilan
Foto: Rosl Rößner/LBV
NEUMARKT. Die LBV-Kreisgruppe mahnt zur Zurückhaltung bei der Ausweisung von Vorrangflächen für die Windkraft im Landkreis.

In einer Stellungnahme zum Entwurf des Regionalplanes, mit dem Vorrang- und Vorbehaltsflächen für die Windenergie im Landkreis Neumarkt ausgewiesen werden sollen, fordern die Vogelschützer, die Ausweisung dieser Flächen weitgehend auf die Sicherung und Arrondierung bestehender Standorte zu beschränken.

Grundsätzlich begrüße der LBV die Steuerung und Begrenzung der Windkraft mit dem Instrument der Regionalplanung, heißt es in einer Stellungnahme am Mittwoch. Dadurch könne ein ungebremster "Wildwuchs" an Anlagen verhindert werden. Allerdings komme dieser Regionalplan nach Ansicht der LBV-Kreisgruppe Neumarkt für den Landkreis "viel zu spät", denn im Landkreis Neumarkt seien bereits mehr als 50 Windräder gebaut oder genehmigt.

Würden in allen 70 Landkreisen Bayerns ebenso viele Windkraftanlagen errichtet, würde das Ausbauziel der Staatsregierung um mehr als das Doppelte übertroffen, hieß es. Somit sei das Ausbauziel für den Landkreis Neumarkt bereits übererfüllt. Auch andere Landkreise seien gefordert, ihren Beitrag zu leisten.

Der LBV wehrt sich insbesondere gegen einige Standorte mit hohem Erholungswert und naturschutzfachlich bedeutenden Vorkommen von bedrohten Tierarten. Dazu zählt nach Ansicht der Vogelschützer der Grafenbucher Forst. Er stellt eines der größten unzerschnittenen Waldgebiete im Landkreis dar. Seit Jahren hält sich dort der seltene Schwarzstorch auf, er hat vermutlich auch heuer dort gebrütet. Deshalb sollte dieses Waldgebiet "tabu" für Windkraftanlagen sein.

Auch das Vorranggebiet im "Heiligenholz" bei Neumarkt wird vom LBV abgelehnt. In der Erläuterungskarte zum Naturschutz ist dieses Gebiet nämlich als Ausschlussgebiet dargestellt. Das Heiligenholz ist ein ökologisch wertvolles, zusammenhängendes Waldgebiet, in dem zahlreiche Kleineulenarten nachgewiesen sind, hieß es. Auch der Uhu kommt im Bereich der Sandgruben bei Lähr vor. Seltene Waldvogelarten, wie der Habicht, die Waldschnepfe sind hier zu Hause. Vor einigen Jahren trat hier auch noch der vom Aussterben bedrohte Ziegenmelker als Brutvogel auf.

Der Umstand, dass in diesem Waldgebiet bereits zwei Windräder genehmigt sind (die Anlagen befinden sich derzeit im Bau), sei kein Grund, das Waldgebiet noch weiter mit zusätzlichen Anlagen zu belasten. Als störungsempfindliche Arten sind hier insbesondere der Sperlings- und der Raufußkauz betroffen. Das Waldgebiet spielt auch als Naherholungsgebiet für die Neumarkter Bevölkerung eine wichtige Rolle.

Zwar sei es verständlich, dass sich die Stadtwerke Neumarkt dem Ziel der Stadt verpflichtet fühlen, die Energieversorgung auf erneuerbare Energien umzustellen. Der Strom aus erneuerbaren Energien müsse aber nicht zwingend innerhalb des Stadtgebietes erzeugt werden. Im Landkreis Neumarkt und darüber hinaus gäbe es zahlreiche Gebiete, die als Standorte für Windkraftanlagen in Betracht kommen, ohne dass in ein ökologisch sensibles Gebiet wie das Heiligenholz eingegriffen werden muss.

Auch die Ausweisung von Vorranggebieten im Vorland der Zeugenberge in den Gemeinden Berngau, Freystadt und Postbauer-Heng sieht der LBV kritisch. In diesem Gebiet gibt es zahlreiche Nachweise von seltenen Greifvogelarten, zum Beispiel dem Rotmilan, dem Schwarzmilan und dem Baumfalken. Bevor hier neue Standorte für die Windenergie festgelegt werden, die "später dann möglicherweise aus Gründen des Vogelschutzes scheitern", sollte erst eine umfassende Bestandsaufnahme kollisionsgefährdeter Vogelarten nach dem bayerischen Windenergieerlass durchgeführt werden, heißt es von den Vogelschützern.

Gleiches gelte für das Gebiet um Seubersdorf und südlich von Parsberg, insbesondere im Bereich der Kuppenalb. Diese Alblandschaft sei weltweit einmalig und beherberge mit Rotmilan, Uhu, Wespenbussard und vielen weiteren Arten ebenfalls wertvolle Bruthabitat von bedrohten Vogelarten. Der landschaftsprägende Charakter der zahlreichen Dolomitkuppen werde hier stark beeinträchtigt.

Der LBV appellierte in der Stellungnahme an die verantwortlichen Politiker "mit Weitsicht zu handeln" und den landschaftsprägenden Charakter der Juralandschaft "nicht über das erträgliche Maß hinaus zu belasten".
09.10.13
Neumarkt: Windrad-Bau einbremsen
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