"Deckmantel für Preisdumping" ?
NEUMARKT. Die bayerischen Groß-Kliniken fordern eine praxistaugliche Krankenhausreform, hieß es bei einer Arbeitstagung im Neumarkter Klinikum.
Man habe klare Erwartungen an die Reform, die die neue Bundesregierung gemeinsam mit den Bundesländern vorbereite, hieß es.
"Der Koalitionsvertrag greift die richtigen Themen auf. Notwendig sind eine stimmige Reform aus einem Guss und nicht viele widersprüchliche Einzelmaßnahmen. Gerade bei den Schwerpunkten Qualität und Finanzierung brauchen die Krankenhäuser praxistaugliche Rahmenbedingungen" sagte der Geschäftsführer der Bayerischen Krankenhausgesellschaft (BKG), Siegfried Hasenbein, in Neumarkt, wo sich Vertreter von über 30 bayerischen Schwerpunktkrankenhäusern trafen.
Die Krankenhäuser unterstützen das Vorhaben, die Qualität in der stationären Versorgung weiter zu verbessern. Auch mehr Transparenz, um den Bürger besser informieren zu können, sei zu begrüßen.
"Dies alles muss aber risikoadjustiert und unverfälscht geschehen und kann nur durch eine unabhängige Institution erfolgen. Wir akzeptieren nicht, wenn der Ruf der Krankenkassen nach mehr Qualität nur ein Deckmantel für Preisdumping oder Standortpolitik ist" so der einhellige Tenor der Klinikchefs.
Die Krankenhäuser seien bereit, die immer höheren Ansprüche an die Qualität auch zu erfüllen. Das dafür notwendige zusätzliche Fachpersonal sowie die Ausstattung müsse aber auch finanziert werden.
"Es geht nicht, dass immer mehr gefordert und immer weniger finanziert wird" fasst der Gastgeber der Tagung, der Vorstand des Klinikums Neumarkt Peter Weymayr, die intensive Diskussion seiner Kollegen zu diesem Thema zusammen.
Hasenbein führt als Beispiel die jüngsten Richtlinien zur Behandlung von Frühgeborenen an, die die Krankenhäuser vor immense Probleme stellen. Die Vorgaben schreiben eine massive Aufstockung des Personals vor, "für die es bislang keine Finanzierungsregel gibt."
Der BKG-Geschäftsführer stellte klar, dass eine Krankenhausreform deshalb die Bereiche Qualität, Finanzierung und Versorgungsstrukturen in Einklang bringen muss. Immer nur einen Teilbereich herauszupicken und publikumswirksame Forderungen aufzustellen, helfe nicht weiter. Eine ausreichende Finanzierung der Personalkosten der Krankenhäuser sei zum Beispiel die beste Grundlage für gute Qualität zu sorgen. Ausgangspunkt einer Reform müsse deshalb sein, endlich eine ausreichende Finanzierung der Personal und Sachkostensteigerungen sicherzustellen.
An den "Megathemen der Zukunft" Qualität und Patientensicherheit sowie den Versorgungsstrukturen arbeiten die Krankenhäuser schon seit langem mit Hochdruck und unternehmen riesige Anstrengungen.
Dafür erwarten die Kliniken und ihre Mitarbeiter mehr Wertschätzung. "Die Leistung unserer Mitarbeiter, die tagtäglich tausende von Patienten hervorragend versorgen, wird nicht ausreichend gewürdigt" beklagte Peter Weymayr.
Deshalb unterstützen die bayerischen Schwerpunktkrankenhäuser die bundesweite Aktion der Krankenhäuser "Wann immer das Leben uns braucht".
Unter diesem Motto wollen die Kliniken zum Beispiel bayernweit über die Erfolge ihrer vielfältigen Maßnahmen für mehr Qualität und Patientensicherheit im Rahmen einer Themenwoche vom 7. bis 11. Juli informieren.
Die Vorstände und Geschäftsführer der etwa 40 Schwerpunkt- und Maximalversorger in Bayern treffen sich zusammen mit der Bayerischen Krankenhausgesellschaft regelmäßig zu Arbeitstagungen, um aktuelle Krankenhausthemen zu diskutieren und einen kontinuierlichen Erfahrungsaustausch zu pflegen.
05.06.14
Neumarkt: "Deckmantel für Preisdumping" ?