„Nicht euphorisch“


Die IHK stellte den Frühjahrs-Konjunkturbericht vor
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NEUMARKT. Die aktuelle Geschäftslage befindet sich dank der Industrie auf konstant hohem Niveau, heißt es im Frühjahr-Konjunkturbericht der IHK.

Bei industrienahen Dienstleistungen macht sich allerdings Zurückhaltung bemerkbar. Man sei „nicht unzufrieden, aber auch nicht euphorisch“.

40 Prozent der befragten Unternehmen berichten von einer guten Geschäftslage. Die Saldowerte zwischen positiven und negativen Antworten liegen bei den Branchen Bau, Handel, Dienstleistungen und Tourismus bei 25 Prozent. Besser steht die Industrie im IHK-Bezirk da. Die gemeldete Kapazitätsauslastung ist wie in den vergangenen zwei Jahren hoch. Niedriger Zins und hohe Tarifabschlüsse sorgen für einen starken Binnenmarkt, doch auch die Exportquote im Verarbeitenden Gewerbe der Region bleibt hoch: 57 Prozent im ersten Quartal.


Trotz der guten Geschäftslage fehle das Vertrauen in die zukünftige Geschäftsentwicklung. Die Umfrageteilnehmer fürchten um stabile wirtschaftliche Rahmenbedingungen und zögern mit Investitionsentscheidungen, obwohl die sich angesichts der niedrigen Zinsen anböten.

Mit Ausnahme der Dienstleistungsbranche zeigen die Konjunkturaussichten für die Sommermonate nach oben. Ein Viertel der Unternehmen geht von einer Verbesserung der Geschäftslage aus, 30 Prozent erwarten volle Kapazitätsauslastung in den nächsten Monaten.

Der regionale Arbeitsmarkt befindet sich auf sehr gutem Niveau. Die Arbeitslosenquote im IHK-Bezirk betrug im April 3,3 Prozent, im Landkreis Neumarkt sogar nur bei zwei Prozent. Im Vergleich zur Vorumfrage stagniert die Einstellungsbereitschaft der Unternehmen für die nächsten Monate mit Ausnahme eines Industriesektors.

Die Baubranche weist den zweitbesten Klimaindikator der Region auf. 38 Prozent der Unternehmen starten mit guter Geschäftslage in die Saison. Während im Wohnungsbau die Aufträge anstiegen, zeigen die Angaben beim Wirtschaftsbau und noch deutlicher beim öffentlichen Bau Einbrüche. Im Vergleich zu den Vorjahren empfinden 20 Prozent der Befragten ihren Auftragsbestand als „zu klein“. Trotz insgesamt guter Stimmung herrscht in der Branche ein harter Wettbewerb. Weder aus dem öffentlichen Sektor noch aus dem Wirtschaftsbau sind nennenswerte Impulse zu erwarten. Im Wohnungsbau rechnen 20 Prozent der Firmen mit steigenden Aufträgen. Erstmals seit zwei Jahren gibt es wieder Unternehmen, die mit sinkenden Marktpreisen rechnen (acht Prozent). Da sich auch die zu Jahresbeginn gestiegene Investitionsneigung wieder abschwächte, liegen die Angaben zum Finanzierungsbedarf unter dem Branchendurchschnitt.

Bei unternehmensnahen Dienstleistern hat sich die Stimmung eingetrübt. Allerdings sind die Bewertungen geteilt. Regionale Ingenieurdienstleistungen verzeichnen aufgrund der Witterung und der gesunkenen Nachfrage bei erneuerbaren Energien Auftragsrückgänge. Zurückhaltend gibt sich auch die Medien- und Kommunikationswirtschaft. Logistik- und Versicherungsdienstleistungen profitieren nach eigenen Angaben von der guten wirtschaftlichen Lage. Transportunternehmen berichten gleichzeitig über die zusätzliche Belastung durch Mindestlohn und Ausweitung der Maut. Die Umsatzerwartungen der Branche sind rückläufig. Im Vorjahr wurden vielfach Preiserhöhungen umgesetzt, 75 Prozent der Unternehmen stellen 2015 keine höheren Rechnungen aus. Ein Drittel berichtet über gut gefüllte Auftragsbücher für die nächsten Monate. Die Beschäftigtenzahl soll sich bei 16 Prozent der Dienstleister erhöhen.

Trotz des stabilen Binnenmarktes sinken die Erträge im Handel. Das verschlechtert die aktuelle Lagebeurteilung: 38 Prozent mit positiverem Geschäftsverlauf stehen 13 Prozent mit negativer Entwicklung gegenüber. Die Branche klagt über ruinösen Wettbewerb durch ganzjährige Rabattaktionen, über die üblichen Schlussverkäufe hinaus. Einzelne Befragte sehen ihre Alternative in der Konzentration auf ihr Kerngeschäft oder einer gezielten Sortimentserweiterung. Den importorientierten Großhandel bremst der niedrigere Euro-Kurs und die starke Konkurrenz aus Fernost. Die Angaben zu Auslandsumsätzen sind so niedrig wie seit zwei Jahren nicht mehr. Bei den Geschäftserwartungen zeigen sich stark divergierende Ergebnisse bei Einzel- und Großhandel. Im Großhandel überwiegen die positiven Stimmen um 27 Prozentpunkte, im Einzelhandel die negativen um neun Punkte. Investiert wird vorrangig im Hinblick auf mehr Energieeffizienz.

Der Anstieg des Klimaindikators im produzierenden Gewerbe wird von der sehr positiven Bewertung der aktuellen Geschäftslage getragen. Die Aussichten bewegen sich auf dem Niveau der vergangenen Umfrage, der Auslastungsgrad auf Vorjahresniveau. Die beste Lagebeurteilung geben die Ge- und Verbrauchsgüterproduzenten ab. Sie profitieren von der guten Verbraucherstimmung. Bei 38 Prozent erhöhten sich die Inlandsaufträge. Die Erwartungen an das Auslandsgeschäft gingen um zehn Prozentpunkte zurück. Insbesondere größere Unternehmen sehen jedoch gute Chancen auf den Absatzmärkten in USA, den arabischen Ländern und einigen EU-Ländern. Ein Drittel des produzierenden Gewerbes erwartet zunehmende Aufträge von deutschen Kunden. Der Trend zur Steigerung der Beschäftigtenzahl setzt sich in den nächsten Monaten fort. Die besten Aussichten bestehen in der Ge- und Verbrauchsgüterindustrie, hier suchen 39 Prozent der Unternehmen neue Mitarbeiter.

Das Hotel-, Gaststätten- und Reisegewerbe im IHK-Bezirk war in den ersten Monaten des Jahres mit der unbeständigen Wetterlage im Februar und März und dem Ausfall von Ausflugs- oder Skifahrten konfrontiert. Hotels und Pensionen verzeichneten rückläufige Umsätze. Unterm Strich zeigt die Branche jedoch ein stabiles Bild. 35 Prozent bewerten ihre Zimmer- und Bettenauslastung als zufriedenstellend. Die amtliche Statistik belegt eine Zunahme der Gästeankünfte im ersten Quartal von fünf Prozent gegenüber 2014. Für die nächsten Monate liegen die Hoffnungen auf einer sonnigen Saison. Die Vorausbuchungen in Hotel- und Gastronomie für die nächsten Monate zeigen bereits eine positive Entwicklung. Ein Viertel rechnet mit steigenden Umsätzen. Im Reisegewerbe erwarten 31 Prozent steigende Urlaubsbuchungen, 13 Prozent einen Rückgang. Preiserhöhungen plant ein Drittel der Tourismusbetriebe. Das ist deutlich weniger, als der Mittelwert der letzten vier Jahre.
20.05.15
Neumarkt: „Nicht euphorisch“
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