"Wertschätzung für Natur"


Beim Landschaftspflegeverband wurde die Vorstandschaft neu gewählt
Foto: Landschaftspflegeverband
NEUMARKT. Wertschätzung für unsere Natur und Landschaft, für unsere Artenvielfalt, für das Charakteristische unserer Kulturlandschaft zu wecken und zu fördern - das ist eine zentrale Aufgabe im Landschaftspflegeverband, sagte Landrat und Vorstandsvorsitzender Willibald Gailler bei der Mitgliederversammlung in Hilzhofen.

Gailler wurde bei der Zusammenkunft in seiner Eigenschaft als Vorsitzender bestätigt.

Das Juradistl-Landschaftskino, das heuer im April eröffnet werden konnte und das vor Beginn der Versammlung besichtigt werden konnte, sei ein gelungenes Beispiel dafür, wie Wanderer und Besucher auf unaufdringliche, interessante und innovative Art und Weise dazu gebracht werden sollen, sich ein Bild der Kulturlandschaft zu machen und sich damit auseinanderzusetzen, hieß es. Die Lage direkt am Kuppenalb-Wanderweg, einem Schlaufenweg des landkreisübergreifenden Jurasteigs, und in Nachbarschaft zu m Umweltbildungszentrum "Haus am Habsberg" sei ideal.


Um die Arten- und Lebensraumvielfalt im Landkreis Neumarkt zu erhalten und zu fördern, führt der Landschaftspflegeverband jährlich eine große Anzahl von Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen in der Landschaftspflege, in der Gewässerentwicklung und ab 2016 auch wieder in der Heckenpflege durch.

Allein im klassischen Tätigkeitsfeld der Landschaftspflege sind es jährlich rund 100 Einzelmaßnahmen, die geplant, durchgeführt und fördertechnisch abgewickelt werden. Der Rückschnitt von Schlehenverbuschung auf artenreichen Wacholderheiden, die Pflegemahd von orchideenreichen Feuchtwiesen, die Pflege von Kopfweiden, die Freistellung von Felsbereichen, die Pflege von Sandmagerrasen oder die Neuanlage von Hecken und Streuobstwiesen - all diese Maßnahmen hätten zum Ziel, Artenreichtum und Lebensraumvielfalt im Landkreis zu erhalten.

Wichtigste Partner bei der Umsetzung all dieser Maßnahmen seien die Landwirte zusammen mit den Maschinenringen, die unter fachlicher Anleitung des Landschaftspflegeverbands diese meist sehr schwierigen Arbeiten ausführen. Immer seien sie mit schwerer körperlicher Arbeit, aber auch mit technischen Geschick und Know-how verbunden.

Für den Landschaftspflegeverband sind die Landwirte mit den Maschinenringen seit nun 20 Jahren zuverlässige Partner bei der Umsetzung, hieß es. Ebenso sei der Landschaftspflegeverband verlässlicher Partner für den Landwirt, der durch die Landschaftspflege ein Zusatzeinkommen erzielen könne. Bis heute konnte der Landschaftspflegeverband immerhin über 3,4 Millionen Euro an Landwirte für die Umsetzung der Landschaftspflegearbeiten auszahlen. Dies könne nur gelingen, wenn Jahr für Jahr die Fördermittel in ausreichender Höhe zur Verfügung stehen.

Gedankt wurde dabei der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt und der Höheren Naturschutzbehörde an der Regierung der Oberpfalz für die fachliche Unterstützung und für die Zusammenarbeit.

Im Bereich der Landschaftspflege wurden im Haushaltsjahr 2015 insgesamt 80 Maßnahmen komplett abgewickelt.

Im Arbeitsbereich der Gewässerentwicklung wurden im Jahr 2015 die beiden vom Landschaftspflegeverband betreuten Pilotprojekte zur Umsetzung der Europäischen Wasserrahmen-Richtlinie abgeschlossen. Für den Flusswasserkörper „Oberlauf der Schwarzen Laber mit Seitengewässer“ sowie für den Flusswasserkörper „Siegenbach, Schwarzach und Hengerbach“ wurden jeweils Umsetzungskonzepte erstellt.
Erste konkrete Umsetzungsmaßnahmen gelangen bei beiden Pilotprojekten: Im Bereich der Schwarzen Laber konnten gezielt über Einzelberatungen Landwirte für Extensivierungsmaßnahmen entlang des Gewässers gewonnen werden. Im Bereich des Hengerbachs gelang über Beratungen und Informations-Versammlungen in enger Zusammenarbeit mit der Marktgemeinde Postbauer-Heng ein zusammenhängender Flächenankauf für die Renaturierung des Hengerbachs.

Momentan bearbeitet und betreut der Landschaftspflegeverband zwei Renaturierungsmaßnahmen mit Förderung durch das Wasserwirtschaftsamt Regensburg. Die Renaturierung des Oberlaufs der Wissinger Laber ist bereits in der Umsetzungsphase, die Renaturierung des Hengerbachs mit angrenzender Schulwandaue ist momentan in der konkreten Antragsphase.

Die Auszahlungen für alle durchgeführten Maßnahmen der Landschaftspflege und Gewässerentwicklung betrugen im Haushaltsjahr 2015 rund 328.000 Euro. Der Landschaftspflegeverband erhielt 2015 Zuschüsse des Freistaats Bayern in Höhe von rund 319.000 Euro.

Sehr erfreulich und sehr wichtig für den Landschaftspflegeverband sei die Möglichkeit der Projektfortsetzung des landkreisübergreifenden Biodiversitätsprojekts „Juradistl“ in einer weiteren Projektphase für die Jahre 2015 bis 2020. Ein sehr wichtiges Umsetzungsinstrument sei hier die jährliche Beratung von Landwirten hinsichtlich der Teilnahme an Extensivierungsprogrammen. Dazu fand heuer im Januar in Niederhofen in der Gemeinde Pilsach eine Versammlung für interessierte Landwirte statt. Daneben wurden gezielt Landwirte und Schäfer im Projektgebiet beraten.


Besonderes Anliegen im Projekt sind die Stabilisierung und der weitere Ausbau der Regionalmarke „Juradistl“ mit den Naturschutz-Produkten „Juradistl-Lamm“, „Juradistl-Weiderind“ und „Juradistl-Apfelschorle“. Wie der Bekanntheitsgrad und damit auch der Absatz der Juradistl-Produkte noch weiter gesteigert werden kann, damit beschäftigt sich momentan Prof. Dr. Matthias Kramer vom Internationalen Hochschulinstitut Zittau, der diese Woche zusammen mit einer Studentengruppe vor Ort ist und im Rahmen der Mitgliederversammlung unter dem Titel „Von der Wertschätzung zur Wertschöpfung“ über Regionalvermarktung, auch am Beispiel der Juradistl-Produkte, referierte.

Regelmäßig führt der Landschaftspflegeverband Neumarkt auch Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen als Real-Ausgleich, insbesondere für die Kommunen, durch.

Im Jahr 2015 erfolgte die Umsetzung von Ausgleichsmaßnahmen für die Kommunen Neumarkt, Sengenthal, Pilsach, Postbauer-Heng, Parsberg, Dietfurt und Berching.

Im Rahmen des Pilotprojekts zur Verwendung der Ersatzgelder aus der Windkraft, das der Landschaftspflegeverband seit Mai 2013 im Auftrag der Unteren Naturschutzbehörde umsetzt, konnten bisher rund 36 Hektar Fläche angekauft werden. Dies sei ein deutlich höherer Umfang als erwartet. Um hier den Projektkostenrahmen einzuhalten, würden momentan keine weiteren Flächen angekauft, zumal auch die Finanzierung der mittel- und langfristigen Pflege und Bewirtschaftung der Ankaufsflächen über die Ersatzgelder gewährleistet sein müsse. Neue

Flächeneigentümer wurden überwiegend die Gemeinden oder in Einzelfällen der Landesbund für Vogelschutz oder der Bayerische Naturschutzfonds.

Momentan werden die für die ökologische Aufwertung erforderlichen Maßnahmen auf den Flächen geplant und umgesetzt.

Das Neumarkter Modell zur Verwendung der Ersatzgelder stosse bayernweit auf großes Interesse. So informierte sich beispielsweise im April dieses Jahres eine Gruppe von 20 Bürgermeistern aus den Landkreisen Bayreuth und Forchheim vor Ort.

Von Umweltbildungs- und Regionalentwicklungszentrum "Haus am Habsberg" gibt es auch viel Positives zu berichten. Das Programm und die Angebote wurden auch im Jahr 2015 sehr gut angenommen. Rund 8700 Personen haben im letzten Jahr an insgesamt 328 Veranstaltungen teilgenommen. Dies bedeutet im Vergleich zum Vorjahr mit 8400 Teilnehmern bei 306 Veranstaltungen eine erneute Steigerung. In den Monaten ab Mai bis September sei das Haus regelmäßig komplett ausgebucht und die Nachfrage, insbesondere auch bei Schulen, steige stetig an.

Im nächsten Jahr kann das "Haus am Habsberg" sein zehnjähriges Bestehen feiern.

Im Rahmen der Mitgliederversammlung fand die turnusgemäße Neuwahl der Vorstandschaft statt. Die Vorstandschaft setzt sich zusammen aus jeweils vier Vertretern für die Kommunen, für die Landwirtschaft und für den Naturschutz. Diese Drittelparität sei wesentliches Merkmal der Landschaftpflegeverbände.

Neben Landrat Willibald Gailler als Vorsitzendem gehören der Vorstandschaft an Schriftführer ist Horst Kratzer, Kassenprüfer sind Guido Belzl und Karl Klebl

Ein Dank ging an die ausgeschiedenen Vorstandsmitglieder Josef Märtl, Georg Deinhard, Peter Braun, Rudolf Bayerl, Klaus Schmidt und Walter Karr.
22.07.16
Neumarkt: "Wertschätzung für Natur"
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