Kneipenbühne Oberweiling

Kulturelle Juwelen

NEUMARKT. Die Kneipenbühne Oberweiling wartet mit einer grandiosen Programmauswahl in der ersten Hälfte der 25. (!) Spielsaison auf.

So finden bis zum Saisonende im Mai weitere zwanzig Konzerte statt.

Im Bereich Kabarett gastiert am 7. Januar Der Fälscher mit seinem Programm „dahoam is dahoam“, am 28. Januar Werner Gerl mit „Meine Leben“, am 25. Februar Mäc Herder mit „Härder leben – locker bleiben“, und am 1. April präsentieren die Pertussis ihr neues Programm „Raus in den All-Tag“.

Für Jazz-Interessierte gibt es am 4. Februar Charly Böcks Latin Project. Heißen Latin Jazz bietet am 4. März auch Achim Goettert & Núcleo Caliente. Am 22. April debütiert das Quartett Tales mit gediegenem Modern Main Stream. Eine Woche später darf man sich auf „groovy + funky music“ mit m.s.t.r. freuen, einem Quartett um den Engländer Richard Trowbridge (bekannt von der fantastischen Combo Tbridge), und als absoluten Jazz-Saison-Höhepunkt gibt am 13. Mai die kanadische Jazzsängerin Andrea Wolper ein Gastspiel in Owei. Unterstützt wird sie dabei unter anderem von zwei New Yorker Jazzgrößen, nämlich Ken Filiano und Ron Affif.

Natürlich kommen Folkfreunde auch auf ihre Kosten. Am 21. Januar gastieren die über alle Maßen beliebten Greenfield, moderne jazz-angehauchte Klezmermusik bietet Huljet am 18. März und der Puls geht am 20. Mai in den roten Bereich, wenn die Sunny Bottom Boys unplugged mit Hillbilly, Bluegrass und Western Music losfetzen.

Ebenso wie Schleierwolken immer harmlos sind, ist Blues immer vom Feinsten. In diesem Sinne: Boogie-Piano mit dem Österreichischen Tastenzauberer Titatoma kann man am 11. Februar bestaunen, Chicago-Blues mit fetten Bläsersätzen und der schwarzen Stimme von Michi Kusche gibt es am 11. März beim „B. B. King Project“, zwei Wochen später, am 25. März, gastiert die Hillman’s Bluesband und stellt ihre neue fantastische Frontfrau vor, am 8. April spielt die Natural Blues Band erdigen, knarzigen Countryblues und am 8. Mai geht’s bluesrockig zu, wenn Blues it! ihr Debüt in Oberweiling geben.

Eine besondere Freude für den Veranstalter bildet der Auftritt des Gitarristen Martin. C. Herberg am 18. Februar – stilistisch überhaupt nicht einzuordnen ist der Saitenzauberer, und immer gut für musikalische Verrücktheiten der dritten Art ... außerirdisch gut für Augen und Ohren.

Für den 14. Januar wurden die Franggnrogger von Fett und Fertig eingeladen – schon lange Kult ist deren Mischung aus Heavy Metal und fränkischer Liedermacherei und jedenfalls nichts für Kinder von Traurigkeit.

Und last not least: für das Konzert zum 25jährigen Bestehen der Kneipenbühne lässt es sich der Golly natürlich nicht nehmen, selbst auf der Bühne zu stehen: Breeze The Creaze & His Flashy Flunkies spielen ihr „best of“ (also ihre beiden kompletten jeweils abendfüllenden Programme), Getränke kosten in diesem speziellen Fall so viel wie am Eröffnungstag im September 1981.

Die Kneipenbühne öffnet um 20 Uhr, Die Konzerte beginnen immer zwischen 20.30 und 21 Uhr)

Links zum Thema: www.kneipenbuehne.de
01.01.06

Geister im Raum

NEUMARKT. Breeze the Creaze & His Flashy Flunkies (Golly, Jule Weidinger und Henning Frank) stellten am Samstag einem begeisterten Publikum in Oberweiling ihre neue CD "The Ballad Of Josie" vor.

Ach hätte doch Josie gestern Abend in einem der Zuhörerköpfe die erste Live-Präsentation des Gesamtkunstwerks aus Gefühltem, Erlebtem, Gedachtem, Fantasiertem gehört! Erlebbar gemacht durch das im Grunde abstrakte Medium Musik und untermauert mit erstaunlich zurückhaltenden, schlichten Texten scheinen die Geister derer, um deren Schicksal es hier geht, im Raum zu stehen.

Von Anfang an befindet sich der Zuhörer im Sog der mystischen Klänge, um dann mit dem bodennahen, vielmehr untergründigen Geschehen konfrontiert zu werden. Der Blues geht unter die Haut, die berührenden Klänge von Gitarre, Bass, Perkussion, Didgeridoo, Bluesharp und mehr machen die Zuhörer zu Empfängern für eine emotionale aber auch knallhart politische Botschaft.

Viel Arbeit an den Instrumenten und Stimmen war nötig, um die CD „The Ballad of Josie“ für ein Konzert umzugestalten. Alle drei Bandmitglieder haben sich musikalisch stark weiterentwickelt, was sowohl im stimmlichen Bereich, bei den komplizierten Läufen auf Bass und Gitarre, als auch in der mitreißenden Rhythmik zu spüren ist.

Schwer zu entscheiden, nach welcher Gebrauchsanweisung diese Medizin für Herz und Verstand zu genießen ist: Soll man die Story zuerst kennen, dann die mit Charme und gefühlvollem Können vorgetragenen Songs hören und dabei den „Film im Kopf“ vorüberziehen lassen? Wer noch die Chance dazu hat, könnte vielleicht erst einmal nur „Musik hören“ und sich die Eigenkompositionen der drei eigenwilligen Musikerpersönlichkeiten Jule Weidinger, Henning Frank und Golly blank auf die Seele fallen lassen um sich später mit den verschiedenen Facetten der Erzählung, die dahinter steckt, bekannt zu machen.

Roman, Story, Geschichte und Historie, Dichtung, Kritik, schlichter Liedertext, Tanz, Blues (wie er sich gehört und leider zu selten gehört wird), Instrumentalisierung und Interpretation fügen sich zu einem stimmigen Gesamtkunstwerk. Man kann immer wieder von vorne und immer wieder anders auf das „Ding“ zugehen: Die Gedanken (und Emotionen) tanzen Tarantella, bis die Füße blutig sind.

Wer sich anhören möchte, wie zu alledem auch noch ein knarzender Mikrofonständer, ein Eierschneider, eine Pizzabox und ein Wok-Deckel ins Konzept eingebaut werden, der sollte sich schleunigst die CD besorgen. (im Internet oder in der Kneipenbühne)
Katja Barinsky,
Heike Berghofer
Link zum Thema: www.golly.at
18.12.05

Zweite CD präsentiert

NEUMARKT. Am Samstag stellen „Breeze The Creaze & His Flashy Flunkies“ (das neue Bandprojekt des Kulturveranstalters Golly) in Oberweiling ihre zweite CD "The Ballad Of Josie vor.

Dies ist eine musikalisch äußerst reizvolle Reise durch die Geschichte der Popmusik und gleichzeitig eine aus der Feder Gollys stammende durchgängige filmreife Story über Politik, Liebe, Tod und deren unentrinnbare Verstrickungen.

Intelligente Texte und gefühlvolle Musik sind das Markenzeichen von 'Breeze The Creaze & his Flashy Flunkies', einem Trio, das das Wagnis eigener experimenteller Musik eingeht, hoch komplex und dennoch dem Bereich des „Easy Listening“ zuzuschreiben. Dabei verleugnet das Trio seine Wurzeln zur Blues- und Hippiemusik durchaus nicht.

Das Feuilleton einer der größten deutschen Tageszeitungen titelte unlängst: „Songs aus der Tonne“ und urteilte im folgenden: ... „The Ballad Of Josie“ ist ein Konzeptalbum, angesiedelt im schwarzen Unterschichtsmilieu der USA. Erzählt wird in 18 Songs die Geschichte der jungen Josephine, deren Leben genauso tragisch beginnt, wie es endet. Der Plot ist geschickt aus verschiedenen Handlungssträngen sowie diversen Vor- und Rückblenden geknüpft. Das Bild, das hier von Amerika gemalt wird, ist düster, brutal und bar jeder Hoffnung: Am Ende wird der größte Schurke unter den Protagonisten Präsident der Vereinigten Staaten.

Die Songs dazu klingen wie aus der Abfalltonne eines Hinterhofs gekratzt: knarziger Country-Blues, gewagte Bläsersätze, nachtschwarze Balladen, eine Tarantella, ein schlurfender Tango — Tom Waits und Nick Cave stehen Pate. Golly Hertlein bedient alle möglichen und unmöglichen Instrumente, Henning Frank trommelt und Bassistin Jule Weidinger übernimmt mit klarer Stimme den größten Teil der Gesangsparts.“

Kein Kartenvorverkauf, nur Abendkasse, Einlass 20 Uhr, Eintritt 8 Euro.
16.12.05

Bulgar und Khosidl

NEUMARKT. Tänze mit Namen wir „Bulgar“, „Hora“ oder „Khosidl“ gehören der Klezmer-Musik an, der ursprünglichen Tanzmusik osteuropäischer Juden. Sie wurden auf Hochzeiten, bei Geburtstagen, Erntefesten und zu anderen Anlässen gespielt. Bald schon in Amerika heimisch geworden, fanden sie vor allem in der New Yorker Szene einen fruchtbaren Nährboden.

Die Nürnberg-Erlanger Formation Klezmaniaxx konnte am Samstag mit überraschender Authentizität die Atmosphäre dieser lebenslustigen und prallen Musik den Gästen in der – trotz drohenden Eisregens – gut besuchten Kneipenbühne näher bringen. Die fünfköpfige „Blaskapelle“ fetzte durch die Reihen und verbreitete mit lockeren Geschichten und ungekünstelten Publikumsanimationen ungetrübten Frohsinn.

Besonders tat sich dabei Paykelspieler (kleine Pauke) und Drummer Peter „Cerebro“ Riedel hervor, dessen Gestik und Mimik allein schon den Abend wert gewesen wäre. Multiinstrumentalist Udo Schwendler setzte auf Akkordeon, Piccoloflöte, Basstrompete und Posaune Glanzlichter, Rudolf Harder, unermüdlich am Helikon, brachte dem Publikum die Tradition der gehörten Musik näher. Karen Harder an den Klarinetten und Trompeter Petro Grimm sorgten dafür, dass die Ohrwurm-Melodien bei den Zuhörern adäquat ankamen.

Karen Harders leicht angeschrägten Saxophon-Sound kann man sich vor allem in der New Yorker Straßenmusikszene durchaus vorstellen, entbehrt er doch nicht eines gewissen Charmes.

Der musikalische Auszug der Band aus der Kneipe klappte nicht ganz: das Publikum wollte nicht aufhören zu singen und zu klatschen und so mussten die fünf einfach noch einmal zurück auf die Bühne.
04.12.05


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ISSN 1614-2853
21. Jahrgang