Freie Wähler
UPW zog den Kürzeren

Diese Stadt-Spitze hatten viele nicht erwartet (v.l.): Bürgermeister Marco Gmelch und zweiter Bürgermeister Günther Stagat bei der Vereidigung durch Oberbürgermeister Markus Ochsenkühn
NEUMARKT. Neben dem OB und dem ersten Stellvertreter - beide CSU - steht an der Spitze der Stadt Neumarkt völlig überraschend ein Sozialdemokrat.
Das war zwar bisher auch schon so, doch wurde bei der konstituierenden Sitzung des neuen Stadtrats mit einem Bürgermeister von der UPW gerechnet. Nicht bestätigt, aber offensichtlich: eine Absprache ist schief gegangen.
Die UPW hatte im Vorfeld als zweitstärkste Fraktion im Stadtrat einen Bürgermeister-Posten für sich gefordert (
wir berichteten) und dafür Rita Großhauser als Kandidatin genannt. Die CSU ließ keinen Zweifel, dass der erste Stellvertreter-Posten weiter bei der CSU - und wie bisher bei Marco Gmelch - bleibt.
Doch nichtöffentliche Abstimmungen im Neumarkter Stadtrat sind so eine Sache - in der Wahlkabine kann insgeheim so manche alte Rechnung beglichen werden. Mit Grausen - einige unbekannte Stadträte wohl auch mit höchstem Vergnügen - blickte man auf die
Bürgermeister-Wahlen von 2014 zurück, als der offizielle CSU-Kandidat 24 ungültige Stimmen einfuhr, die beim nächsten Durchgang - mit einem von der UPW (!) vorgeschlagenen ehemaligen CSU-Landrat Albert Löhner - wie durch ein Wunder alle wieder gültig waren...
Ganz so grotesk ging es jetzt am Mittwochabend bei der konstituierenden Sitzung des Neumarkter Stadtrates nicht zu, aber eine offensichtliche Absprache zwischen CSU und UPW ging wohl in die Hose. Bei der Wahl des ersten Stellvertreters erhielt Marco Gmelch (CSU) alle 37 gültigen von insgesamt 41 Stimmen - wurde also zweifellos auch von der UPW unterstützt.
Bei der unmittelbar darauf folgenden Wahl des zweiten Stellvertreters schickte die UPW
wie angekündigt Rita Großhauser ins Rennen - und war wohl zuversichtlich, sich mit der Unterstützung der CSU leicht gegen die Gegenkandidaten Thomas Leykam von den Grünen und Günther Stagat von der SPD durchsetzen zu können.
Doch das ging gehörig schief: schon bei der Auszählung fielen Beobachtern vielsagende Blicke und hochgezogene Augenbrauen im Umfeld der gerade geöffneten Wahlurne auf: Das Ergebnis schlug dann - zumindest bei einem Teil der Stadträte - ein wie eine Bombe: Von den 37gültigen abgegebenen Stimmen entfiel genau die knappe absolute Mehrheit - nämlich 19 - auf Günther Stagat von der SPD (die aus eigener Kraft nur vier Stimmen stellen kann). Thomas Leykam (Grüne) erhielt acht Stimmen, die eigentlich favorisierte Rita Großhauser von der UPW nur zehn Stimmen.
Bis dahin war die konstituierende Sitzung des Stadtrates äußerst harmonisch verlaufen.

Die neuen Stadträte wurden vereidigt
Nach einer Ansprache von Oberbürgermeister Markus Ochsenkühn (
im Wortlaut hier) wurden diese neuen Stadträte im Gremium begrüßt und vereidigt:
- Britta Dirrigl,
- Bernhard Dörfler,
- Anja Dworschak,
- Susanne John,
- Susanne Müller,
- Hildegard Naumann,
- Brigitte Paulus,
- Prof. Dr. Bettina Rau,
- Nicole Stagat,
- Johanna Stehrenberg,
- Thomas Thumann,
- Regina Weidinger,
- Marco Winkler und
- Michaela Zeitz.

Ursula Plankermann wurde als dienstälteste Stadträtin verabschiedet
Verabschiedet wurde bei der konstituierenden Sitzung auch ein wahres „Urgestein“ der Neumarkter Kommunalpolitik, das so manchen OB kommen und gehen sah:
Ursula Plankermann war von 1984 bis 2026 ununterbrochen 42 Jahre lang im Neumarkter Stadtrat. Die SPD-Stadträtin erlebte dabei die Oberbürgermeister Kurt Romstöck, Alois Karl, Thomas Thumann und Markus Ochsenkühn.

Bei der Sitzung wurden ausscheidende Stadträte verabschiedet
Außer ihr wurden versbschiedet (in alphabetischer Reihenfolge): Rudolf Bayerl, Eva Borke-Thoma, Franz Düring, Johann-Georg Gloßner, Gertrud Heßlinger, Sonja Reininger, Elfriede Meier, Martin Meier, Dr. Werner Mümmler, Dieter Ries, Philipp Schmidt, Gisela Stagat und Pedra Wittmann
06.05.26
UPW will Bürgermeister-Posten

Die UPW-Fraktion hob Rita Großhauser (vorn, Mitte) auf den Schild
Foto: UPW
NEUMARKT. Rita Großhauser soll Vertreterin des Oberbürgermeisters in Neumarkt werden - wenn es nach der UPW geht. Doch da müsste die CSU mitspielen.
Die UPW schickt die langjährige Stadträtin ins Rennen um die Bürgermeister-Posten in Neumarkt, wurde bei der letzten Fraktionssitzung beschlossen. Traditionell werde die zweitgrößte Fraktion bei der Besetzung der Bürgermeisterämter berücksichtigt, sagte Vorsitzender Sebastian Schauer tapfer. Dabei weiß er aus eigener Erfahrung, was solche Traditionen im Neumarkter Rathaus wert sind.
Er selbst kandidierte mit der gleichen Begründung 2023 um das Bürgermeisteramt, nachdem die UPW den OB-Posten verloren hatte und durch das Aufrücken von Markus Ochsenkühn vom Bürgermeister zum Oberbürgermeister ein Stellvertreter-Job frei wurde.
Die CSU fackelte damals nicht lange und setzte aus den eigenen Reihen Marco Gmelch in einer Kampfabstimmung durch (
wir berichteten). Der zweite Bürgermeister-Posten stand 2023 nicht zur Disposition. Damit war die zweitgrößte Fraktion in der Stadtspitze überhaupt nicht mehr vertreten.
Doch auch bei der Wahl von Bürgermeisterin Gertrud Heßlinger im Jahr 2020 zog die UPW eine Niete. Damals ging eine offensichtliche Absprache zwischen CSU und UPW schief. Nachdem Ochsenkühn als erster OB-Stellvertreter auch mit den Stimmen der UPW gewählt worden war, fehlten dem damaligen UPW-Kandidaten (und künftigen Landrat) Martin Meier bei der Wahl zum zweiten Stellvertreter überraschend etliche Stimmen. Im ersten Wahlgang führte noch SPD-Kandidatin Gertrud Heßlinger, im zweiten Durchgang entstand ein 19:19-Patt. Eine geworfene Münze machte damals Heßlinger zur „Bürgermeisterin aus Zufall“. (
wir berichteten).
Im Zuge der internen Beratungen verständigte sich jetzt die UPW-Fraktion einstimmig darauf, Rita Großhauser für das Amt des Bürgermeisters vorzuschlagen. Nach Auffassung der UPW bringe sie die notwendigen fachlichen und persönlichen Voraussetzungen in besonderer Weise mit.
Zugleich betont die Fraktion die Bedeutung, dass auch künftig ein Bürgermeisteramt – wie bisher – mit einer Frau besetzt werden sollte. Die langjährige Bürgermeisterin Gertrud Heßlinger habe dieses Amt mit großem Engagement ausgefüllt und sich insbesondere für soziale Themen in der Stadt Neumarkt eingesetzt. An diese erfolgreiche Arbeit wolle man anknüpfen.
Ihr sei es ein großes Anliegen, als Bürgermeisterin für alle Bürger da zu sein – unabhängig von Alter, Herkunft oder sozialem Hintergrund, sagte die Kandidatin.
Gerade in Zeiten wachsender gesellschaftlicher Unterschiede müssen man den Zusammenhalt stärken und „allen Menschen in unserer Stadt eine Stimme geben“.
17.04.26
CSU verliert Landratsamt

Der neue Landrat: Martin Meier bei der Stimmabgabe am Sonntagvormittag
Foto: Nicole Delikahya
NEUMARKT. Martin Meier von den Freien Wählern wird neuer Neumarkter Landrat - nach einem wahren Wahlkrimi mit ständig wechselnden Führungen.
Die CSU verliert damit das Neumarkter Landratsamt, nicht einmal zweieinhalb Jahre, nachdem sie mühsam das Neumarkter Rathaus nach vielen Jahren von den Freien Wählern zurückerobert hat.
Auf die Zahlen vor dem Komma schauten die Wahlbeobachter im Laufe des frühen Sonntagabends gar nicht mehr: Mehrmals wechselten die Führungen, einmal lag Martin Meier knapp vorn, das andere Mal Dr. Katharina Ziegler von der CSU, die bei den Wahlen vor zwei Wochen noch über 10.000 Stimmern mehr als ihre Gegner erreicht hatte.
Um 19.32 Uhr war dann das spannende Rennen zu Ende: mit 50,2 Prozent der Stimmen siegte Meier vor Ziegler und sicherte damit laut vorläufigem Endergebnis den Chef-Sessel im Neumarkter Landratsamt für die Freien Wähler. Bei weit über 60.000 abgegebenen Stimmen hatte am Ende der Kandidat der „Freien“ genau 270 Stimmen mehr.
Von einem „historischen Ergebnis für die Freien Wähler“ sprach Meier in einer kurzen Stellungnahme gegenüber
neumarktonline. Er telefonierte mit uns, als er vor dem Neumarkter Landratsamt stand, wo er gerade seinen Antrittsbesuch absolvieren wollte. Die Freude sei riesig bei ihm und bei den Freien Wählern, aber man wolle auch „die nötige Demut“ aufbringen angesichts der gewaltigen Aufgaben, die in den nächsten Jahren vor dem Landkreis liegen.
Den Abend mit dem Wahl-Krimi habe er übrigens „tiefenentspannt“ erlebt, sagte er etws augenzwinkernd. Das große Ziel sei es gewesen, die CSU in eine Stichwahl zu zwingen. Daß es jetzt gleich zum Landratsposten gereicht hat, sei natürlich umso erfreulicher.
Das von den Bürger geschenkte Vertrauen sei für ihn eine große Ehre. "Ich werde alles daransetzen, diesem Vertrauen gerecht zu werden und als Landrat für den gesamten Landkreis zu arbeiten“, sagte er.
Drei neue Bürgermeister
Kaum Grund zum Jubeln hatte die CSU auch bei den Bürgermeister-Stichwahlen in vier Gemeinden. Nur Tobias Maget gewann für die CSU in Freystadt die Wahl - kurioserweise gegen einen Amtsinhaber, der bei der letzten Wahl für die CSU Bürgermeister geworden war. Maget erreichte 64 Prozent, der amtierene Bürgermeister Alexander Dorr hatte mit der CSU gebrochen, nachdem er nicht als Kandidat aufgestellt wurde, und war für eine Gruppe "Frey" angetreten. Er kam bei der Stichwahl nur auf 36 Prozent.
In Hohenfels nutzte Christian Graf von der UPW seine Chancen, Bürgermeister zu bleiben. Er kam in der Stichwahl auf 56 Prozent der Stimmen. Sein Gegner Jonas Mirbeth von der ABL erreichte 44 Prozent.
Schmerzen dürfte die CSU der Verlust des Rathauses in Berching, wo Dietmar Zeller von der „Bürgerliste Berching“ mit 72,2 Prozent der Stimmen dem CSU-Bewerber Peter Hollweck (27,8 Prozent) keine Chance ließ.
In Sengenthal gewann Thomas Klein (FWG/UWG) die Stichwahl klar mit 61,6 Prozent gegen Stephan Kratzer von der CSU 38,4 Prozent.
22.03.26