„Protestcamp“ ausprobiert


In Wallnsdorf trafen sich Gegner der geplanten „Juraleitung“ zu einem „Probeprotestcamp“
Foto: Aurbach
NEUMARKT. Mit einem „Probeprotestcamp“ bei Berching haben Gegner der geplanten „Juraleitung“ unter dem Motto „Trassenblockade“ ihren Widerstand angekündigt.

Rund 200 Vertreter aus 15 Bürgerinitiativen aus dem Landkreis Neumarkt und weiteren Gruppierungen aus den Kreisen Eichstätt und Nürnberger Land hatten dazu am Samstag auf einer Wiese bei Wallnsdorf übernachtet.

Neben Sprechern des Aktionsbündnisses der Trassengegner traten auch Lokalpolitiker aus dem Landkreis Neumarkt ans Rednerpult. Mehrere Bürgermeister aus betroffenen Gemeinden waren in Wallnsdorf mit dabei und der Neumarkter Landrat sowie Finanzminister Füracker signalisierten Gesprächsbereitschaft.

Von den Bürgerinitiativen gegen die Juraleitung waren am Samstag noch viel mehr Teilnehmer erwartet worden.

Dörte Hamann und Hubert Galozy vom Aktionsbündnis der Trassengegner kritisierten den geplanten massiven Netzausbau als „kontraproduktiv für die Energiewende“. Die ehemalige Bundestagsabgeordnete der Linken und jetzige Ingolstädter Stadträtin Eva Bullig-Schröter verwies darauf, dass dieser Netzausbau lediglich „dem Profit der Großkonzerne“ diene. Sie forderte die CSU-Vertreter im Bundestag auf, sich endlich bürgernah für die dezentrale Stromerzeugung einzusetzen und konkrete Gesetze zu liefern, die „Energie in Bürgerhand“ möglich machten.


In die gleiche Richtung argumentierte MdL Tobias Gotthardt von den Freien Wählern. Er habe erst letzte Woche von „Tennet“-Vertretern den Satz gehört, das Unternehmen habe den „politischen“ Auftrag, diese Trasse zu bauen. Das sei für ihn der Hebel dafür, die Maßnahme zu stoppen, denn politisch könne die Entscheidung korrigiert werden. Und das müsse sie, wenn die Abgeordneten im Bundestag endlich auch den technischen Fortschritt bei der dezentralen Stromerzeugung und Speichertechnologie erkennen und akzeptieren würden. Er versprach den Bürgerinitiativen weiterhin an ihrer Seite zu stehen und sich auch bei der Staatsregierung dafür einzusetzen, dass ein „Null-Szenario“ untersucht wird, das heißt eine Studie, die davon ausgeht, dass es keinen Ersatzneubau der Juraleitung gibt.

Auch Lokalpolitiker waren der Einladung der Bürgerinitiativen gefolgt. Bürgermeister Ludwig Eisenreich aus Berching sprach sich im Namen seiner Kollegen leidenschaftlich für die Energiewende aus und forderte alle Anwesenden auf: „Lasst uns gemeinsam gegen diese Trasse streiten!“ Immerhin hatten sich auch die Bürgermeister Peter Meier aus Deining, stellvertretender Bürgermeister Johannes Seelus aus Dietfurt und Bürgermeister Helmut Schloderer aus Beilngries eingefunden.

Grüße von Landrat Willibald Gailler, der sich im Urlaub befindet, überbrachte die CSU-Kreisvorsitzende und stellvertretende Landrätin Susanne Hierl. Sie musste sich aber auch der Frage einer BI-Sprecherin stellen, ob der Landrat die Bürgerinitiativen demnächst zu einem Gespräch einladen würde. Hier versprach sie ein Entgegenkommen.

Abgesagt hatte bereits im Vorfeld Staatsminister Albert Füracker seine Teilnahme. Allerdings wurde über sein Büro in Neumarkt bereits ein Gesprächs-Termin mit Vertretern der Bürgerinitiativen in den nächsten Wochen vereinbart.

Nach der Kundgebung wurde rund um mehrere Lagerfeuer noch eifrig diskutiert und beratschlagt, bis man sich schließlich in die Zelte zur Übernachtung zurückzog.
06.09.20
Neumarkt: „Protestcamp“ ausprobiert
Telefon Redaktion



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