„Patienten der ersten Stunde“


Dr. Randolf Seitz (l.) und der leitende Dialysepfleger Thomas Häring (r.) überreichten den beiden „Patienten der ersten Stunde“ Blumen
Foto: Manuela Haberler
NEUMARKT. Mit damals 17 Dialyseplätzen nahm das KfH-Nierenzentrum Neumarkt am 2. Oktober 1987 auf dem Gelände des Klinikums seinen Betrieb auf.

Zwei Patienten sind praktisch von Anfang an mit dabei und werden noch heute vom Nierenzentrum versorgt. Zu ihnen entwickele sich natürlich „eine besondere Beziehung“, sagte Dr. med. Randolf Seitz.

Eine Patientin „der ersten Stunde“ ist Erika Körner: Seit 35 Jahren wird sie von den Mitarbeitern des KfH-Nierenzentrums medizinisch betreut. Dass ihre Nieren nicht richtig arbeiten, erfuhr die heute 79jährige Patientin bereits 1974. Neun Jahre später stellten sie ihre Arbeit ein und Erika Körner musste an die Dialyse, damals nach Nürnberg, weil es in Neumarkt noch keine ausreichenden Dialysekapazitäten gab.

1985 erhielt sie eine Spenderniere. Im KfH-Nierenzentrum Neumarkt ist sie von Beginn an Patientin – ab 1987 zunächst in der Transplantationsnachsorge. Als die Spenderniere ihre Funktion einstellte, kam sie von 1993 bis 2001 dreimal wöchentlich zur Dialysebehandlung. 2001 konnte sie erneut transplantiert werden und muss seitdem nur noch etwa alle drei Monate zur regelmäßigen Transplantationsnachsorge ins KfH-Nierenzentrum.

„Man muss schon kämpfen, aber man muss die Krankheit auch akzeptieren und damit zufrieden sein, wie es ist“, zieht sie die Bilanz nach insgesamt fast 50 Jahren Leben mit einer Nierenerkrankung. Ihr Ehemann habe die ganze Zeit zu ihr gehalten – das sei ganz wichtig für sie gewesen, auch die Unterstützung der ganzen Familie. Trotz ihrer Nierenerkrankung kümmert sich die Mutter von vier Kindern bis heute um Familie und Haushalt und freut sich ganz besonders über ihre vier Enkelkinder.

Auch Erwin Hollweck wird seit dem Jahr 1987 vom KfH-Nierenzentrum Neumarkt behandelt. 1985 versagten bei dem damals 26jährigen Mann die Nieren und er war auf die lebenswichtige Dialysebehandlung angewiesen. 1987, bereits zwei Jahre später, erhielt er eine Spenderniere. 34 Jahre lang konnte er so ohne die regelmäßige Dialysebehandlung leben und musste nur zu den regelmäßigen Nachsorgeterminen alle zwölf Wochen ins KfH-Nierenzentrum in Neumarkt.

2021 versagte seine Spenderniere. Seitdem kommt er dreimal wöchentlich zur Dialysebehandlung ins KfH-Zentrum. „Ich fühle mich hier immer gut aufgehoben“, sagte Erwin Hollweck. Trotzdem hofft er natürlich auf eine weitere Nierentransplantation, um wieder unabhängiger leben zu können. Als Alternative überlegt er derzeit, mit der Heimdialyse die Behandlung selbst zuhause durchzuführen. Auch dabei würden ihn seine Ärzte im KfH-Nierenzentrum unterstützen.


Mit damals 17 Dialyseplätzen nahm die Einrichtung 1987 auf dem Gelände des Klinikums seinen Betrieb auf. Da die Dialysekapazitäten im Klinikum begrenzt waren, mussten die meisten der ambulant behandelten Dialysepatienten aus dem Landkreis Neumarkt dreimal wöchentlich zur mehrstündigen Behandlung bis nach Nürnberg, Amberg, Ingolstadt oder Regensburg fahren. Dank der Inbetriebnahme des KfH-Nierenzentrums wurden diese langen Wegstrecken hinfällig.

Zudem konnte unter der ärztlichen Leitung von Dr. med. Rolf Pilgrim, der seinerzeit auch Chefarzt der Medizinischen Klinik I des Klinikums war, auch die nephrologische Versorgung stationärer Patienten mit Hilfe eines Verbindungsbaus zum Klinikum sichergestellt werden. Fünf Jahre später wurde die Behandlungskapazität wegen steigender Patientenzahlen auf 36 Dialyseplätze erweitert, 2005 wurde das Dialyseangebot um die Peritonealdialyse (Bauchfelldialyse) ergänzt. Im selben Jahr übergab Pilgrim die ärztliche Leitung des KfH-Nierenzentrums an Dr. med. Josef Wopperer.

Seit März 2020 leitet Dr. med. Randolf Seitz, Facharzt für Innere Medizin mit Schwerpunkt Nephrologie, Diabetologe DDG und Hypertensiologe DHL, das Zentrum: Hier wird heute eine umfassende nephrologische Behandlung sichergestellt. In der nephrologischen Sprechstunde steht die Prävention und Früherkennung chronischer Nierenfunktionsstörungen sowie möglicher Folgeerkrankungen an erster Stelle. Auch die kontinuierliche Nachbetreuung nierentransplantierter Patienten erfolgt hier. Mit der Peritoneal- und der Hämodialyse stehen chronisch nierenkranken Menschen zwei grundsätzlich gleichwertige Behandlungsmöglichkeiten zur Wahl.

Die von Beginn an bewährte Zusammenarbeit mit der Abteilung für Nephrologie am Neumarkter Klinikum – seit 2020 ebenfalls unter ärztlicher Leitung von Dr. Randolf Seitz – ermöglicht es, ambulante und stationäre medizinische Maßnahmen koordiniert anzubieten und optimal aufeinander abzustimmen, so dass die Kontinuität in der Behandlung in beiden Richtungen lückenlos sichergestellt ist und ein vollständiges Versorgungsnetzwerk rund um die Uhr besteht.

Das gemeinnützige KfH-Kuratorium für Dialyse und Nierentransplantation wurde 1969 als als „Kuratorium für Heimdialyse“ (deshalb die Abkürzung) gegründet und schuf damals die notwendigen Voraussetzungen, um schrittweise eine flächendeckende Dialysebehandlung in Deutschland zu etablieren. Heute steht das KfH für eine umfassende und qualitativ hochwertige Versorgung nierenkranker Patienten. In mehr als 200 KfH-Zentren werden über 18.000 Dialysepatienten sowie rund 69.000 Sprechstundenpatienten behandelt.
05.10.22
Neumarkt: „Patienten der ersten Stunde“
Telefon Redaktion


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